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Kamp-Lintfort: Das ist die neue Strategie der Mediathek

Lesen und Leseförderung in Kamp-Lintfort : Das ist die neue Strategie der Mediathek

Vor einem Jahr hat Yvonne Frericks die Leitung der Mediathek übernommen. In dieser Zeit entwickelte sie ein Strategiekonzept für die kommenden fünf Jahre, um die Einrichtung sinnvoll weiter zu entwickeln und zu stärken.

Ausbau der Bildungspartnerschaften mit Kitas, Integration bildungsferner Familien, ein Makerspace-Angebot für alle Kreativen in der Stadt und die Belebung der Sachbuch-Ausleihe samt nutzerfreundlicher Präsentation – die Mediathek hat sich für die kommenden fünf Jahre viel vorgenommen. „Die Welt der Bibliotheken hat sich komplett gewandelt. Sie sind schon lange keine reine Ausleihstationen mehr“, betont Yvonne Frericks, die 2020 zum Team der Mediathek in Kamp-Lintfort stieß und vor einem Jahr in Nachfolge von Katharina Gebauer die Leitung in der Einrichtung an der Freiherr-vom-Stein-Straße übernahm. Sie hat die Zeit des Umbruchs in der Leitungsebene und die aufgezwungene Zäsur durch die Corona-Pandemie genutzt, um ein Strategiekonzept für die nächsten fünf Jahre zu schreiben, das die Mediathek sowohl als Ort des lebenslangen Lernens, als „Dritter Ort“, also als Wohnzimmer der Stadt, als auch als Informationsdienstleister weiter stärken soll.

„Es geht darum, unsere Mediathek sinnvoll weiterzuentwickeln, Schwerpunkte zu setzen und einen Fahrplan für die nächsten Jahre zu aufzustellen“, erläutert Frericks. Das Konzept, das in den politischen Gremien bereits vorgestellt wurde und auf offene Ohren stieß, entstand im Rahmen einer vom Land geförderten Qualifizierung. Nach einer Untersuchung des Ist-Zustands und einer Umfeldanalyse machte die neue Mediatheksleiterin mit ihrem Team insgesamt vier Handlungsfelder in den Bereichen Bildung, Integration/Inklusion, Freizeit und Kultur sowie Information aus, die sie jetzt in Angriff nehmen möchte.

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„Unsere Zielgruppe sind Kinder unter 14 Jahren, Familien und die Generation 60 plus. Sie bilden unsere stärkste Kundengruppe. Vor allem im jungen Erwachsenenalter zwischen 20 und 30 Jahren gibt es einen deutlichen Einbruch. Erst im mittleren Lebensalter rückt die Nutzung der Mediathek wieder in den Fokus“, berichtet Yvonne Frericks.

In einem ersten Schritt sollen deshalb die Bildungspartnerschaften mit den in Kamp-Lintfort ansässigen Kindertagesstätten ausgebaut werden. Die Mediathek kooperiert zwar mit allen Grund- und weiterführenden Schulen, aber bislang nur mit sechs Kitas und Familienzentren in der Stadt. Über die Kooperation mit den Kitas möchte Yvonne Frericks die Mediathek auch als Anlaufstelle für eher bildungsferne Familien mit und ohne Migrationshintergrund etablieren. „Denn jedes Kind, das durch die Mediathek an Bücher und die sinnvolle Nutzung von Medien herangeführt wird, wird aufgrund eines besseren Bildungsniveaus sehr wahrscheinlich im Laufe seines Lebens weniger öffentliche Unterstützung in Anspruch nehmen müssen“, betont die Mediatheksleiterin. Dabei sieht sie die Integration der Eltern als einen wichtigen Baustein an, um auch Hemmschwellen abzubauen. „Das Erzähltheater Kamishibay bietet zum Beispiel eine schöne Möglichkeit, hier Eltern und Kinder zusammenzubringen“, sagt sie. Auch mit der ortsansässigen Schule am Niederrhein möchte die Mediatheksleiterin im Sinne der Inklusion eine Bildungspartnerschaft schließen und steht mit der Schulleitung bereits in Gesprächen. Um den Ausbau der Angebote für Kinder, Familien und Bildungspartnern vorantreiben zu können, wird das Mediatheksteam, so hofft sie, mittelfristig durch einen Medienpädagogen aufgestockt werden. Damit die Einrichtung vor allem nach der Corona-Pandemie wieder als sogenannter Dritter Ort mit Aufenthaltsqualität wahrgenommen wird, plant Frericks neben der Zusammenarbeit mit dem Leseförderverein Lesart, in dem sie inzwischen stellvertretende Vorsitzende ist, die Einrichtung eines Makerspace-Angebotes. Sie kann sich gut vorstellen, dass die Mediathek zum Treffpunkt für beispielsweise Häkel- oder Strickgruppen wird. Um dies zu realisieren, sucht sie noch ehrenamtliche Betreuer. Doch auch am Medienbestand muss gearbeitet werden. Als eine Herausforderung sieht sie vor allem die Belebung der Sachbuchausleihe: „Der Umsatz der Sachliteratur unterscheidet sich deutlich von den Werten der anderen Bestandsgruppen. Auch hier spielt das veränderte Medienverhalten eine Rolle. Viele Sachfragen sind heute im Internet schnell geklärt“, erklärt Frericks.

Ihr Ziel: Kein Sachbuch soll bis 2025 älter als zehn Jahre sein. Titel, die mehr als drei Jahre nicht mehr ausgeliehen wurden, fallen aus dem Bestand. Ähnlich wie im Kinder- und Jugendbereich soll im Sachmedienbereich die kundenunfreundliche Suchmethodik durch Klarschriften-Ettiketten ersetzt werden. „Das hilft bei der Orientierung“, betont sie.