Kamp-Lintfort: Breitbandausbau beginnt erst 2020

Schnelles Internet für Kamp-Lintfort : Breitbandausbau beginnt erst 2020

Ursprünglich sollte der Ausbau bereits 2019 losgehen. Doch der Bau-Start verzögert sich.

Als Berthold Janssen im März 2018 in der Rheinischen Post las, der Breitbandausbau auf dem Land könne im März 2019 beginnen, freute sich der Saalhoffer. „Bei uns ist das Internet sehr langsam, besonders abends, wenn viele surfen“, erzählt der 54 Jahre alte Polizeibeamte. „Dann sind an unserem Anschluss maximal sechs MB verfügbar.“ Auf mehr Leistung hat er nahe der Leucht im Norden Kamp-Lintforts noch zu warten, weil der Breitbandausbau sich um ein Jahr verzögert. „Im Frühjahr 2020 geht es los“, verspricht Enni-Sprecherin Katja Nießen.

Der Moerser Energie-Versorger koordiniert den Breitbandausbau der Wir-4-Städte, zu denen Moers und Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort und Rheinberg zählen. Mit diesem Internetausbau sollen „rote Flecken“ kleiner werden, wie Gebiete heißen, die fernab der Stadtzentren liegen und beim Internet unterversorgt sind. Ein „roter Fleck“ ist der nordwestliche Teil von Saalhoff, der zu Kamp-Lintfort zählt, obwohl er nahe an der Autobahnabfahrt Alpen und Issum liegt. Auch die anderen Wir-4-Städte haben rote Flecken. In Moers stehen zum Beispiel im Südwesten von Kapellen teilweise weniger als 30 MB bereit. Nicht viel besser sieht es in anderen Teilen der Grafenstadt aus, die weniger dicht besiedelt sind, wie auch in mehreren Teilen von Rheinberg oder Neukirchen-Vluyn.

Da sich Menschen und Unternehmen nicht mehr in Gebieten ansiedeln wollen, in denen über das Internet die Daten nur zähflüssig fließen, schlossen sich die Wirtschaftsförderer der Wir-4-Städte zusammen, zumal diese Gebiete nicht selten an den Grenzen dieser Städte zu finden sind. Anfang 2017 wurde die Enni von den Stadträten der Wir-4-Städte beauftragt, bei Land und Bund Fördergelder zu beantragen, um in den unterversorgten Gebieten ein Glasfasernetz zu bauen. Ende 2017 erhielt sie einen Förderbescheid vom Bund. Anfang 2018 folgte die Zusage vom Land. 27 Millionen Euro sollen die Städte erhalten, davon 14 Millionen vom Bund.

4025 Haushalte und 350 Gewerbeimmobilien sollen in den unterversorgten Bereichen an das schnelle Netz angeschlossen werden, ferner 55 Schulen. Die Enni rechnet mit fast 759 Kilometern Glasfaser, 82 Kilometern Leerrohren und 182 Kabelverzweigern, die zu legen sind. Nachdem sie europaweit ausgeschrieben hatte, erhielt Ende 2018 die Deutsche Telekom von der Enni den Auftrag. Diese wollte Anfang 2019 damit beginnen, das schnelle Datennetz zu bauen.

Doch der Start des Projektes verzögerte sich. Jetzt soll es im Frühjahr 2020 losgehen. Die Bauzeit soll 15 Monaten betragen, um die roten Flecken zu reduzieren. „Alle, die angeschlossen werden, werden von den Städten angeschrieben, bevor der Ausbau beginnt“, sagt Nießen.

Janssen wird angeschlossen und freut sich über den Baubeginn: „Es ist schön, wenn endlich die Datenautobahn kommt.“ Einen Wermutstropfen hat er aber: „Beim Mobilfunk bleiben die Gebiete unterversorgt. Ich gehe auf die Wiese, um zu telefonieren. Sonst ist der Empfang zu schlecht.“