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Kamp-Lintfort: Biohof Frohnenbruch hat mit der Freiland-Schweinemast begonnen.

Kamp-Lintforter sind Vorreiter der Freiland-Mast : Biohof Frohnenbruch lässt die Sau raus

Der Landwirtschaftsbetrieb in Hoerstgen hat als erster Bauernhof im Kreis Wesel mit der Schweinemast auf freier Wiese begonnen. In vier Wochen bietet er erstmals Fleisch der Freilandschweine an. Im Frühling soll die Ferkelzucht beginnen.

18 Schweine laufen auf Paul Bird zu, wenn er mit einem Eimer auf die Wiese kommt. Es sind Bunte Bentheimer, Vierbeiner der Schweizer Landrasse und solche, die mit Pietrain-Schweinen gekreuzt wurden. Die Tiere scheinen genau zu wissen, dass sich in dem Eimer eine Delikatesse befindet – wie immer, wenn der junge Landwirt so über den Zaun zu ihnen steigt. Diesmal enthält der Eimer Walnüsse, die Paul Bird verstreut und die Tiere genüsslich aufsaugen. Quiekend und grunzend umlagern sie den Landwirt. „Schweine fressen fast alles“, sagt Bird. „Einige Dinge, wie Walnüsse, lassen sie sich aber besonders schmecken.“

Schon als Kind träumte Paul Bird davon, einmal Schweine zu halten. „Zu meinem zehnten Geburtstag habe ich drei Schweine bekommen“, blickt der 23 Jahre alte Hoerstgener zurück. „Wir haben sie aufgezogen, später geschlachtet und gegessen. Seitdem faszinieren mich Schweine. Sie sind intelligente Tiere. Sie leben vorbildlich in Gemeinschaft. Und sie sind sehr sauber, halten ihren Stall rein von Kot und Urin. Ich kann mir nicht erklären, warum sie so einen schlechten Ruf haben. Vielleicht liegt es daran, dass sie früher alle organischen Abfälle gefressen haben, die auf einem Bauernhof anfielen, von Kartoffelschalen bis zu Essensresten.“

  • Halbierte Schweine hängen im Schlachthof.⇥Foto: Mohssen
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Zu seinem 20. Geburtstag begann Paul Bird, auf dem Biolandhof Frohnenbruch in Hoerstgen Schweine zu mästen. Vorher hatte er seinen Vater, den staatlich geprüften Landwirt Klaus Bird, seine Mutter, die Fleischermeisterin Bärbel Bird, und seine Schwester, die Fleischermeisterin Eva Bird, überzeugt, das Angebot des Hofs um das Fleisch der Paarhufer zu erweitern. Er richtete im Sommer 2017 einen Stall ein, aus dem heute 24 Schweine einen kleinen Auslauf haben. „Unsere Kunden haben gefragt, warum unter der Einstreu Beton liegt und kein Gras“, erzählt der staatlich geprüfte Agrarbetriebswirt. „So haben wir überlegt, frei laufende Schweine zu halten.“

Damit betraten Paul Bird und der Biolandhof Frohnenbruch Neuland. „Es gibt am Niederrhein nur sehr wenige Bio-Betriebe mit Schweinehaltung im Freien, zum Beispiel in Kevelaer und in Goch“, berichtet Klaus Bird. „Im Kreis Wesel sind wir die ersten.“ Im Sommer 2019 begannen die Gespräche mit dem Veterinäramt des Kreises Wesel, da für die Paarhufer in freier Luft ein Hygienesystem einzurichten ist, um zum Beispiel der Afrikanischen Schweinepest vorzubeugen, die in Osteuropa angekommen ist, aber zum Glück noch nicht am Niederrhein.

Zur Vorbeugung hat der Biolandhof Frohnenbruch den halben Hektar Wiese, auf dem die Bioschweine stehen, mit einem 1,60 Meter hohen Zaun umgeben. Dieser reicht weitere 30 Zentimeter in den Boden und besitzt einen Untergrabungsschutz. „Rehe können einen 1,60 Meter hohen Zaun nicht überspringen“, erläutert der Auszubildende Simon Hellmanns. „So können sie keine Krankheiten übertragen.“ Innerhalb dieses Zauns befindet sich ein Elektrozaun, der knapp einen Meter hoch ist.

Die Schweine halten sich nachts, bei Regen oder bei viel Sonne in zwei kleinen Nissenhütten auf, die im Dach isoliert sind. Die Idee zu diesen Hütten, die zwei Meter breit und knapp vier Meter lang sind, brachte Paul Bird aus Mittelengland mit, wo er in der Grafschaft York drei Monate auf einem Freiluft-Schweinezuchtbetrieb arbeitete. „In England wird die Schweinezucht zu 90 Prozent draußen betrieben“, erzählt Paul Bird. „Die Hütten sind immer sauber. Die Mast, also die Zeit nach den ersten drei Monaten, findet in England meistens in Ställen statt.“

Im Frühjahr 2021 will er auch mit der Schweinzucht unter freiem Himmel beginnen, wo sich die Schweine von Gerste, Weizen, Bohnen, Sojakuchen oder besonderen Delikatessen, wie Walnüssen, ernähren, die alle aus eigenem biologischem Anbau stammen. „Schweine sind gerne draußen“, blickt der Landwirt nach vorne. „Sie suhlen sich, fressen die Grasnarbe und sind glücklich. Ihr Fleisch ist fester. Wie es schmeckt wissen wir noch nicht. Wir müssen bis Ende November warten. Dann werden die Schweine im Schlachthof Naturverbund Niederrhein in Wachtendonk geschlachtet. Ich werde selbst dabei sein.“

Die Schweinehälften verarbeiten Bärbel und Eva Bird auf dem Hof in Hoerstgen. „Schweinefleisch von freilaufenden Bioschweinen ist drei- bis viermal so teuer wie von Schweinen aus der konventionellen Haltung“, sagt Bärbel Bird. „Vom Geschmack und von der Konsistenz ist es kaum zu vergleichen. Dazu wissen die Kunden um das Wohl der Tiere.“