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Kamp-Lintfort: Bernhardus-Bruderschaft hat jetzt eine Frau als Präses

Schützen in Kamp-Lintfort : Sie ist die neue Präses der Bernhardus-Bruderschaft

Stephanie Dormann ist geistliche Begleiterin der St.-Bernhardus-Bruderschaft – und stellt damit eine Ausnahme im Rheinland dar. Die Bruderschaft besteht seit 725 Jahren. Das Jubiläum ist auf 2023 verschoben: wegen Corona.

Als Stephanie Dormann ihr neues Amt antrat, schlug sie erst einmal im Duden nach. „Ja, es ist beides möglich – die und der Präses“, betont die Pastoralreferentin der Kirchengemeinde St. Josef in Kamp-Lintfort schmunzelnd. Seit gut einem Jahr ist sie Präses der St.-Bernhardus-Bruderschaft Rossenray – und stellt damit im katholischen Rheinland eine Ausnahme dar. „Im Umkreis sind wir die einzige Bruderschaft, die eine Frau zum Präses hat“, sagt Brudermeisterin Conny Gerritz und freut sich über die weibliche Verstärkung.

Stephanie Dormann schlug sich im Seelsorgekreis für das Präses-Amt vor, nachdem Diakon Werner Hüning, der die 140 Mitglieder zählende Bruderschaft über viele Jahre seelsorgerisch begleitet hatte, plötzlich verstorben war. Dormanns Verbindung zur Bruderschaft besteht aber weitaus länger. Ihre Eltern gehören der Schützenbruderschaft seit vielen Jahren an, ihre Mutter war die erste Schützenkönigin im Kreis der Bruderschaft. „Und ich war in meiner Jugend selbst aktiv“, berichtet die 52-Jährige. Verlernt habe sie aber nichts, betont Conny Gerritz, die seit sieben Jahren Brudermeisterin ist, und sagt nur: „295 von 300 möglichen Ringen am Luftgewehr.“

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Als Präses sorgt Stephanie Dormann für die geistliche Begleitung der Bruderschaft. Sie leitet Wortgottesdienste, eröffnet Versammlungen mit einem Gebet und arbeitet auch im erweiterten Vorstand mit. „Es ist eine Gemeinschaft, die seit 700 Jahren diese Tradition lebt und die Werte der Bruderschaften mit großer Offenheit und Modernität füllt.“ Das zeige auch das Engagement der Frauen im Verein. „Mir gefällt die Anbindung zur Kirche und zum katholischen Verband. Ich stehe den Mitgliedern mit Rat und Tat hilfreich zur Seite“, erläutert sie, fügt aber hinzu: „Man muss aber schon eine innere Verbindung zum Schützenwesen haben und darf nicht fremdeln.“ Für sie sei das Luftgewehr ein reines Sportgerät, das volle Konzentration erfordere. „Es ist wie eine Meditation. Man atmet und konzentriert sich nur auf diesen kleinen schwarzen Punkt“, sagt 52-Jährige. Seit 2014 ist sie für die Kirchengemeinde St. Josef beruflich als Pastoralreferentin tätig und für die Bereiche Kinderpastoral, Erstkommunion und für die Sternsinger-Aktion zuständig. „2022 gibt es leider keine Hausbesuche unserer Sternsinger, aber wir planen einen Segen-to-go und eine Aktion auf dem Zechenturm“, erzählt die Kamp-Lintforterin, die eine Ausbildung zur Erzieherin absolviert und in Paderborn Religionspädagogik studiert hatte. Dormann, die die Musik ein Leben lang begleitet und geistliche Lieder schreibt, ist zugleich Präses aller Frauengemeinschaften in Kamp-Lintfort (kfd). Bevor sie 2014 in ihre Heimatstadt zurückkehrte, war sie 15 Jahre lang in Repelen tätig. „Ich empfinde es als Segen, wieder hier zu sein.“

Die Geschichte der St.-Bernhardus-Bruderschaft Rossenray reicht bis ins Mittelalter zurück. 1296 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt und ist damit der älteste Schützenverein in der Kloster- und Hochschulstadt. „Sie ist aus einer Gebetsgemeinschaft hervorgegangen“, berichtet Stephanie Dormann. In diesem Jahr besteht die Bruderschaft 725 Jahre alt. Das Jubiläum sollte groß gefeiert, doch die Corona-Pandemie ließ dies nicht zu. Die Jubiläumsfeier ist nun auf 2023 verschoben, wie Brudermeisterin Conny Gerritz berichtet. Ein besonderes Jahr, in dem gleich drei Jubiläen anstehen: 727 Jahre St.-Bernhardus-Bruderschaft Rossenray, 900 Jahre Kloster Kamp und 100 Jahre Josefskirche. Dass der heilige Bernhard von Clairvaux der Schutzpatron der Bruderschaft ist, gefällt Stephanie Dormann besonders gut. Denn Clairvaux gilt als einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens, für dessen Ausbreitung über ganz Europa er verantwortlich war. In Kamp siedelten sich die Mönche 1123 an und gründeten das Kloster Kamp. „Das deutet doch an, in welcher Tradition die St.-Bernhardus-Bruderschaft steht.“