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Kamp-Lintfort: Auf nach Balkonien

Kunstperformance in Kamp-Lintfort : Auf nach Balkonien

Garvin Dickhof trifft die Kamp-Lintforter in einer künstlerischen Intervention auf Augenhöhe: Auf einem Hebebalkon besucht er sie auf Balkonien. Der Künstler aus Viersen ist auch am Samstag in der Innenstadt unterwegs.

Huch! In 14,5 Meter Höhe schwebt ja ein Balkon über dem Karl-Flügel-Platz. Er ist voll ausgestattet: Blumenkästen, mit Lavendel und Geranien bepflanzt, Klappstuhl und Tisch, ein blau-weiß gestreifter Sonnenschirm und Grill gehören dazu. So macht der Viersener Künstler Garvin Dickhof den Urlaubern auf Balkonien seit Freitag in Kamp-Lintfort seine Aufwartung. Warum nicht mal dort die Menschen besuchen, wo sie ihren Urlaub verbringen? Das dachte sich der Künstler, Designer und Kulturpädagoge und reichte sein künstlerisches Konzept im Rahmen der „Stadtbesetzung 2022“ beim Kultursekretariat Gütersloh ein. Unter dem Oberthema „Schmetterlingseffekt – Umdenken. Umbauen“ will man so den urbanen Raum erlebbar machen, die Kunst in die Stadt bringen und den unmittelbaren Austausch mit dem Publikum ermöglichen.

„Die Idee ist einfach klasse, richtig pfiffig“, sagte Kulturdezernent Christoph Müllmann am Freitag und wagte eine Fahrt auf dem Hebebalkon. Möglich macht dies eine mobile Hebebühne, die sich wie eine Ziehharmonika ausfahren lässt. Die Stadt Kamp-Lintfort ist seit 2021 Mitglied im Kultursekretariat Güterloh. Die Mitgliedschaft ist für Kamp-Lintfort inzwischen ein wesentlicher kultureller Baustein. Das Projekt „Kulturstrolche“ war ein erstes Ergebnis aus dieser Zusammenarbeit. 2021 nahmen zehn Grundschulklassen teil, 2022 werden es bereits 21 Klassen sein. Die „Kulturstrolche“ erkundeten 2021 unter anderem die Mediathek und besuchten eine Kunstausstellung in der Westlichen Orangerie am Terrassengarten des Klosters Kamp. Auch das Projekt „Hebebalkon“ von Garvin Dickhof, das die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Kultursekretariat durchführt, wird von dort zu 90 Prozent gefördert. „Ich habe mich gefragt, wie man die Menschen im Urlaub am besten erreichen kann. Die Balkone, das natürliche Umfeld der Leute, war für mich bisher unerreichbar“, sagt der Künstler.

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Er kommt jedoch nicht unangekündigt, sondern fragt um Erlaubnis, bevor sich der Hebebalkon sozusagen auf Augenhöhe zubewegt. Auf Balkonien drehen sich die Gespräche um Urlaub, Heimat, Nachbarschaft, Isolation und alle Themen, die die Menschen gerade bewegen. Manchmal reicht auch nur die Hupe, um auf sich aufmerksam zu machen, erzählt Dickhof.

Musikalisch unterstützt wird der Künstler vom Musikkabarettisten Matthias Reuter an Keyboard und Gitarre. Garvin Dickhof mag die künstlerische Intervention im öffentlichen Raum. Der Hebebalkon ist nicht seine erste Aktion. Auf öffentlichen Plätzen setzte er zum Beispiel Grasbausteine und ließ Pflanzen unter Plexiglas wachsen. Oder er ließ Objekte im öffentlichem Raum einfach verschwinden, indem er sie mit anderen Materialien umbaute. Kamp-Lintfort ist nicht die erste Station der Aktion Hebebühne. Im vergangenen Jahr war Garvin Dickhof in Bergkamen unterwegs, traf viele nette Leute und machte, wie er sagt, interessante Erfahrungen: „Es waren tolle Begegnungen und ein Austausch im wahrsten Sinne des Wortes: Ich hatte die Grillwürstchen, meine Gesprächspartner hatten den Ketchup dazu. Ich die Getränke, sie die Gläser“, erzählt der Künstler aus Viersen und erinnert sich an eine Begegnung besonders gerne zurück. So fragte eine Frau aus Moldawien beim Treffen irgendwann: Darf ich die Blumen gießen?