Bildung in Kamp-Lintfort Auf den Spuren eines Widerstandskämpfers

Kamp-Lintfort · Neun Europaschüler der Jahrgänge neun und zehn haben im Rahmen eines Stolperstein-Projekts die Gedenkstätte Brauweiler besucht. Die Exkursion machte Geschichte für die jungen Leute erfahrbar.

 Die Europaschüler recherchieren über den Widerstandskämpfer Anton Andrzejczak und besuchten jetzt die Gedenkstätte Brauweiler.

Die Europaschüler recherchieren über den Widerstandskämpfer Anton Andrzejczak und besuchten jetzt die Gedenkstätte Brauweiler.

Foto: Europaschule

Auf dem 1000 Jahre alten Klostergelände der Gedenkstätte Brauweiler wurden seit der napoleonischen Herrschaft immer wieder Menschen zwangsweise untergebracht. Landstreicher, Alkoholiker, Prostituierte oder schwer erziehbare Jugendliche fanden sich in den Gefangenenräumen wieder. Während der nationalsozialistischen Herrschaft ab 1933 waren vor allem Gegner des Regimes inhaftiert – darunter auch der Widerstandskämpfer Anton Andrzejczak aus Kamp-Lintfort.

Die Europaschüler, die sich in der Stolperstein-Werkstatt ihrer Schule engagieren, hatten über Andrzejczaks Haftzeit in Brauweiler im Rahmen der anspruchsvollen Quellenarbeit anhand seiner Gestapo-Akte recherchiert. Doch die Informationsflut auf rund 130 Seiten Fließtext vermochte nicht, so die Europaschule, die Distanz zu der historischen Person Anton Andrzejczak zu überbrücken. Das kühle Klima, der Kellergeruch, die Kritzeleien an den Wänden der Hafträume, der Gesamteindruck dieser menschenunwürdigen Unterbringung und nicht zuletzt die eindrücklichen Schilderungen des Gedenkstättenpädagogen Markus Thulin über Folter und Qual hätten die Schülerinnen und Schüler aber in die Lage versetzt, sich ihm anzunähern und sein Schicksal besser zu verstehen. Er steht dabei exemplarisch für viele Opfer des Nationalsozialismus. Die Recherche und Weitergabe der Biographien dieser Menschen geschehe nicht zum Selbstzweck, teilt die Europaschule mit. Vor dem Hintergrund, dass es nur noch wenige Zeitzeugen gibt, die ihre Geschichte erzählen können, wollen sie mit der Arbeit einen Teil ihrer Verantwortung als deutsche Staatsbürger erfüllen, der Opfer des NS-Terrors zu gedenken und aus der Vergangenheit zu lernen, damit sich solche Taten niemals wieder ereignen.

Mit der Verlegung eines Stolpersteins für Anton am 10. Juni ganz in der Nähe seiner damaligen Wohnadresse an der Kattenstraße endet das Schulprojekt jedoch noch nicht. Es sei die Basis für bestehende und neue Projekte zum Thema an der Europaschule. Darüber hinaus stelle es für die Gedenkstätte Brauweiler die Initialzündung dar, heißt es in einer Pressemitteilung, die vorhandene Ausstellung neu auszurichten und Anton Andrzejczaks Biographie in ihr Zentrum zu stellen. Die Europaschule wird bei der Neueröffnung im Jahr 2024 dabei sein.

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