Arbeitsmarkt in Kamp-Lintfort Als Spätberufene in die Pflege eingestiegen

Kamp-Lintfort · Laurissa Michels hat eine Ausbildung mit 30 Stunden in der Woche absolviert, die mit dreieinhalb Jahren länger gedauert als eine normale. Eingestiegen ist sie über das Projekt „Chance(n) Los!“ des Jobcenters.

 Sie freuen sich mit Laurissa Michels, die über das Projekt „Chance(n) Los!“ ihren Traumberuf fand.

Sie freuen sich mit Laurissa Michels, die über das Projekt „Chance(n) Los!“ ihren Traumberuf fand.

Foto: Norbert Prümen

„Einige Bewohner erzählen noch nach drei oder vier Tagen, wie schön das Sommerfest oder die Weihnachtsfeier waren, obwohl sie sonst schnell vergessen. Das sind besonders schöne Momente meiner Arbeit.“ Laurissa Michels hat ihren Traumberuf gefunden, als „Spätberufene“ in der Pflege. Die Kamp-Lintforterin, Jahrgang 1994, war nach ihrem Mittleren Abschluss auf der Realschule Kamp-Lintfort zunächst zum Mercator Berufskolleg in Moers gewechselt, um dort im Kaufmännischen ihr Fachabitur abzulegen. Sie nahm bei der Musterung der Bundeswehr teil, weil sie Soldatin werden wollte.

„Aber eine Verpflichtung für 13 Jahre war mir zu lang“, blickt sie zurück. Dann kam kurz vor ihrem 20. Geburtstag ihr Sohn zur Welt. Sie brach ihre schulische Laufbahn ab, ohne eine Ausbildung begonnen zu haben, hatte einen „Durchhänger“, wie sie sagt. Sie rutschte in die Grundsicherung ab, die meistens Hartz IV genannt wird, bis sie beim Jobcenter vom Projekt „Chance(n) Los!“ hörte. Dieses bereitet Menschen wie sie verspätet auf eine Ausbildung in den Sozialberufen vor, zum Beispiel in der Pflege, ohne eine 40-Stunden-Woche vorauszusetzen. Im Oktober 2017 begann sie beim Projekt, fand über Gespräche mit den Fachberatern den Weg in die Altenpflege. „Ich habe gekellnert, seitdem ich 17 bin“, erzählt Laurissa Michels. „Ich habe gerne Kontakt mit Menschen, besonders mit älteren.“

So begann sie während des Chancen-Los-Projekts ein Praktikum im Caritas-Seniorenzentrum St. Josef, das westlich von Wellings Parkhotel an der Walkenriedstraße liegt. Weil dieses familienfreundlich war und nur 30 Stunden pro Woche umfasste, konnte sie ihren Sohn morgens zum Kindergarten bringen und abends abholen, um so beruflich Fuß zu fassen. „Zuerst habe ich in der Hauswirtschaft gearbeitet“, erinnert sie sich. „Doch sie hat mir nicht gelegen. Dann bin ich in Pflege gewechselt.“ Nachdem das Projekt ausgelaufen war, begann sie im Oktober 2018 eine Ausbildung zur Pflegekraft, die sie im Frühjahr 2022 erfolgreich abschloss.

„Die Ausbildung ist mit dreieinhalb Jahren länger, weil die Struktur mit 30 Stunden pro Woche auf junge Mütter zugeschnitten ist“, erläutert Kirsten Schwarz, Fachdienstleiterin Ausbildung und Qualifikation beim Caritasverband Moers-Xanten. Während der Ausbildung besuchte Laurissa Michels in Xanten die Pflegeakademie, wie 25 andere Auszubildende ihres Jahrgangs, von denen 19 bestanden. Seit Frühjahr arbeitet sie fest beim Caritas-Seniorenzentrum St. Josef. Sie ist 32 Stunden in der Woche dort, davon jeweils fünf vormittags unter der Woche und sieben an Wochenende.

„Mein Sohn ist am Wochenende bei seinem Vater, Oma und Opa zusammen“, erzählt die examinierte Pflegekraft. „Ich arbeite gerne in der Altenpflege.“ Kreis, Jobcenter und Caritasverband wollen mehr Menschen wie Laurissa Michels aktivieren. „Wir brauchen jede einzelne Hand in den Pflegeberufen“, betont Kreisdirektor Ralf Berensmeier und Caritas-Vorstand Brunhild Demmer. Fachbereichsleiter Kirsten Schwarz kann sich einen zweiten Ausbildungskurs im linksrheinischen Teil des Kreises Wesel vorstellen: „Dann können wir mehr Personen für die Pflegberufe gewinnen.“

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