Ausstellung in der Mediathek 340 Schüler in Kamp-Lintfort besuchen Unterricht in ihrer Muttersprache

Kamp-Lintfort · Zum 25. Mal wurde am 21. Februar der Tag der Muttersprache der UNESCO begangen. Erstmalig weist der Kreis Wesel auf diesen Tag mit Ausstellungen hin, die von Lehrern und Schülern gestaltet wurden. Die eine ist im Kreishaus in Wesel zu sehen, die andere in der Mediathek in Kamp-Lintfort.

Zum Tag der Muttersprache präsentiert die Mediathek eine Ausstellung, die Kinder mitgestaltet haben.

Zum Tag der Muttersprache präsentiert die Mediathek eine Ausstellung, die Kinder mitgestaltet haben.

Foto: Stadt Kamp-Lintfort

„Das bosnische Alphabet hat acht Buchstaben mehr als das lateinische“, weiß Kerim Cimic. „Es hat Sonderbuchstaben, zum Beispiel ein C mit einem spitzen Dreieck.“ Der neun Jahr alte Kamp-Lintforter hatte sich in bosnischer Tracht gekleidet, um Besuchern die Tafeln zu Bosnien in der Ausstellung zu erläutern, die zum Tag der Muttersprache in der Mediathek Kamp-Lintfort zu sehen ist.

Der Viertklässler der Ebertschule hat an den Tafeln mitgearbeitet, die seine Lehrerin Enisa Jakupovic konzipiert hatte. Er spricht fließend Deutsch und Bosnisch, erhält herkunftssprachlichen Unterricht, wie seine drei Jahre jüngere Schwester Lajla Cimic, die in die erste Klasse der Ebertschule geht. „Kerime und Lajla haben zuerst Bosnisch gelernt, dann Deutsch“, berichteten ihre Eltern Indira und Murat Cimic und betontem. „So können sie weitere Sprachen leichter lerne.“

„Das Angebot des herkunftssprachlichen Unterrichts, kurz HSU, ist nur wenigen bekannt“, sagte Schulamtsdirektor René Klaus, als am Dienstagabend die Ausstellung eröffnet wurde. „Bei einer Besprechung mit den Lehrkräften ist die Idee entstanden.“ Es wurden zwei Ausstellungen aufgebaut, die aus Tafeln bestehen, die über die zehn HSU-Sprachen berichten, die im Kreis Wesel unterrichtet werden.

Die Sprachen reichen von Arabisch über Türkisch, Bosnisch und Spanisch bis hin Russisch, noch nicht Ukrainisch. Die eine Ausstellung ist im Kreishaus in Wesel zu sehen, die andere in der Mediathek in Kamp-Lintfort. Als Startpunkt wählten die Beteiligten den 21. Februar aus, der zum 25. Mal Tag der Muttersprache der Unesco ist. Die Ausstellungen waren Premieren. Bislang hatte es im Kreis Wesel keine Ausstellungen oder Aktionen gegeben, die öffentlich auf diesen Tag hinwiesen.

„Bewusst mit kultureller und sprachlicher Diversität umzugehen, ist Grundlage für eine nachhaltige Gesellschaft“, sagte René Klaus. „Dieser Umgang fördert Respekt und Toleranz.“ Zuvor hatte er im Kamp-Lintforter Integrationsrat über den herkunftssprachlichen Unterricht berichtet. In fünf Städten im Kreis wird dieser Unterricht angeboten, neben Dinslaken und Wesel in Moers, Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort.

In Kamp-Lintfort können Schüler herkunftssprachlichen Unterricht an der Ebertschule und an der Ernst-Reuter-Schule besuchen. Als weiterführende Schule bietet die Unesco-Gesamtschule diesen Unterricht an. Schüler von anderen Schulen können an diesem Unterricht teilnehmen. Im Kreis besuchen 1700 Schüler herkunftssprachlichen Unterricht, die rund vier Prozent aller Schüler entsprechen. In Kamp-Lintfort sind es zurzeit 342.

Die Ausstellung ist bis zum 2. März zu in der Mediathek zu sehen.

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