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Kammermusikfest Kamp-Lintfort: Musiker sorgen für krönenden Abschluss

Kammermusikfest Kloster Kamp : Musiker sorgen für krönenden Abschluss

In einer Woche voller spannender musikalischer Begegnungen begrüßte das Kammermusikfest Kloster Kamp rund 1150 Zuhörer. Die Veranstalter ziehen ein positives und zufriedenes Fazit, denn das Festival konnte an die Zahlen vor Corona anknüpfen. Wie das Publikum das Abschlusskonzert auf Schloss Bloemersheim in Neukirchen-Vluyn erlebte.

In „guter alter Manier“, wie der Künstlerische Leiter Alexander Hülshoff es formulierte, fand das Abschlusskonzert des diesjährigen Kammermusikfests Kloster Kamp in der Obstsortierhalle auf Schloss Bloemersheim statt. Nach einer turbulenten Woche voller spannender musikalischer Begegnungen und Erlebnisse, die mit rund 1150 Besucherinnen und Besuchern an die Zahlen vor Corona anknüpfen konnte, zogen die Veranstalter ein positives Resümee: „Die sieben Tage Festival sind wie im Flug vergangen. Wir freuen uns, dass wir mit sechs Programmen zu unserer alten Schlagzahl zurückgekehrt sind und fast eine Art von neuer Normalität erleben durften“, sagte der Künstlerische Leiter Alexander Hülshoff und wagte optimistisch einen kleinen Ausblick auf die 19. Ausgabe des Festivals, die vom 30. Juli bis zum 6. August 2023 stattfinden soll: „Wir sind schon sehr gespannt, was uns dazu alles einfallen wird.“

 Jeanette von der Leyen ist die Organisatorin des Festivals.
Jeanette von der Leyen ist die Organisatorin des Festivals. Foto: Dieker, Klaus (kdi)

Aus dem Programm des pandemiebedingt ausgefallenen Kammermusikfests im Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 waren einige Teile übernommen worden. Dadurch war der Titan in fast jedem Konzert mit einem Meisterwerk vertreten, in der Soirée am Samstag sogar zusätzlich mit einem Kuriosum: dem „Duett mit zwei obligaten Augengläsern“, das der Bratschist Alfredo Zamarra und der Cellist Alexander Hülshoff, souverän, humorvoll und natürlich ganz stilecht mit Brille präsentierten. In dem darauf folgenden Streichquintett op. 97 von Antonín Dvorák setzten die beiden Musiker gemeinsam mit den Geigern Marc Bouchkov und Timothy Braun, der Bratschistin Sarin Zickgraf und dem Cellisten Christopher Franzius in einer fein ausbalancierten und dabei ungemein feurigen Interpretation einen neuen Gipfelpunkt in der Geschichte des Festivals. An das klingende Gespräch der fünf Musiker und ihre Demonstration modernen Kammermusizierens knüpfte das Abschlusskonzert ebenfalls mit Dvorák und Beethoven an.

 Alexander Hülshoff hat das Festival  ins Leben gerufen.
Alexander Hülshoff hat das Festival  ins Leben gerufen. Foto: Miller
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Den Auftakt bildete zunächst das selten im Konzertsaal zu hörende Klavierquintett op. 28 des russischen Komponisten und Mathematikers Georgi Catoire. „Es ist ein Kennzeichen des Festivals, auch unbekanntere Komponisten vorzustellen“, erklärte Hülshoff die Programmauswahl. Catoire deutet in seinem 1914 entstandenen Werk, einer großartigen Kammermusik-Entdeckung, die Klangmöglichkeiten eines Steichquartetts samt Klavier in einer sehr verstrickten und eindringlichen Weise.

 Katharina Apel kuratiert das Programm.
Katharina Apel kuratiert das Programm. Foto: Kammermusikfest Kloster Kamp

Insbesondere der hochexpressive erste Satz ist geprägt von einem dichten Harmonie-Gestrüpp, durch das Pianist Roland Krüger die Streicher souverän zu führen wusste. Während Catoires Opus 28 bei den Zuhörern unterschiedliche Emotionen weckte, konnten Roman Patocka, Timothy Braun (beide Violine) und Alfredo Zamarra (Viola) mit Dvoráks Terzetto op. 74 alle begeistern.

Die drei Streicher spielten die vermeintlich harmlosen „kleinen Bagatellen“ heiter und kultiviert, trugen nirgends zu dick auf und ließen die folkloristischen Passagen weder derb noch süßlich klingen.

Für den Abschluss sorgten die Pianistin Roglit Ishay, der Geiger Marc Bouchkov und der Cellist Alexander Hülshoff mit Beethovens berühmtem „Erzherzogtrio“. Entspannt und dennoch hellwach nahmen sie den Gestus der Musik von der ersten Note an auf, offen und brillant im Klang. Gestraffte Tempi und ein ruhiges, aber stets gespanntes Vorwärtsschreiten verhinderten unnötiges Pathos und vermittelten das Gefühl unendlicher Weite. Ein prachtvoller Schlusspunkt des Kammermusikfests, der mit Beifall und Bravi bedacht wurde.