Kabarettist Christoph Sieber jongliert in Kamp-Lintfort mit Bällen und Worten.

Kabarett in Kamp-Lintfort : Kabarettist Christoph Sieber jongliert mit Bällen und Worten

Christoph Sieber hat am Freitag in der Europaschule sein Programm „Mensch bleiben“ vorgestellt. Der Auftritt war Teil der städtischen Kleinkunst- und Kabarettreihe. Christoph Sieber jonglierte mit Worten und Bällen, er sang, tanzte und spielte Gitarre.

Sein schonungslos satirischer Blick galt Politik, Kunst und Gesellschaft. Es ging um die Armen und die Reichen, die Flacherder und die Runderder, die künstliche Intelligenz und die menschliche Dummheit. Seine Gedanken kreisten auch darum, wie sinnvoll Arbeit überhaupt ist. Wer keine habe, gehe zum Jobcenter. Dort habe man schnell den Eindruck: „Fortbildungen sind dazu da, dass Sie fort sind“, nämlich aus der Statistik.

Ein weiterer Kritikpunkt: „Die Arbeit darf keinen Spaß machen. Denn wenn es Spaß macht, ist es keine Arbeit!“ Da könne man doch lieber faul und ausgeruht als fleißig und müde sein. „Lieber faul als müde! Den ganzen Niederrhein möchte ich es runter rufen!“, proklamierte er. Und er rückt Klischees mit Hilfe von Statistiken gerade: „Bienen arbeiten auch nur 20 Prozent ihres Lebens, und 75 Prozent der Ameisen schaffen gar nix.“

Aber Statistiken müsse man auch richtig lesen können. Es werde zwar alle drei Minuten irgendwo eingebrochen, davon dürfe man sich aber nicht beirren lassen. Demnach kommt nämlich „nur alle 273 Jahre ein Einbrecher zu Ihnen“. Es brauche also mehr Gelassenheit in der Gesellschaft. Sinnvoller als die Angst vor Terror wäre ohnehin die Angst vor Fanta und Cola oder vor Fast-Food. Denn dadurch kämen um ein Vielfaches mehr Menschen zu Schaden. Der Kabarettist will sogar schon Menschen beobachtet haben, die die Verpackung vom Burger mitessen, weil das geschmacklich keinen Unterschied mache.

Was wird sich wohl durchsetzen: Die künstliche Intelligenz oder die menschliche Dummheit? Braucht man wirklich eine Smartwatch, um das Trinkziel zu erreichen? Muss man teure Technik haben, um vom Thailandurlaub zusehen zu können, wie Einbrecher das Haus leerräumen? Und warum kann man mit künstlicher Intelligenz steuern, dass die Spülmaschine rechtzeitig läuft, aber nicht, dass sie ausgeräumt wird? Auch einen Teppich, der die 110 ruft, wenn man reglos auf dem Boden liegt, soll es schon geben.

Der Kabarettist weiß: „Für alles Intelligente, das es gibt, braucht man auch einen Dummen, der es kauft.“ Das Publikum in Kamp-Lintfort spendete dem Künstler zum Schluss viel Applaus.

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