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Interesse am "Tag der Stille" im Kloster Kamp nimmt zu

In Kamp-Lintfort zur Ruhe kommen : „Da draußen wird es immer lauter“

Schweigen und innere Einkehr: Das Interesse am „Tag der Stille“ im Kloster Kamp wächst.

Das Geistliche und Kulturelle Zentrum Kloster Kamp veranstaltet am 16. März in den Räumen des Kamper Klosters einen „Tag der Stille“. Die Rheinische Post sprach darüber mit dem Geschäftsführer des Zentrums, Peter Hahnen.

Sie haben diese Veranstaltung vor drei Jahren zum ersten Mal und danach noch mehrere weitere Male durchgeführt. Was muss man sich darunter vorstellen?

Hahnen An diesem Tag treffen sich hier im Kloster maximal 25 Menschen, um miteinander oder für sich alleine mehrere Stunden der Stille zu erleben. Dabei stehen ihnen alle Räume des Klosters mit ihrer jeweils eigenen Atmosphäre und auch der Bruder-Konrad-Garten zur Verfügung. Das Ganze beginnt zunächst mit einem Stuhlkreis im Rokoko-Saal, wo ich eine Einführung gebe, und wo sich die Teilnehmer, wenn sie es denn möchten, einander vorstellen können. Stündlich gebe ich einen kurzen Impuls. Die Besucher können sich über die Räume verteilen und entscheiden, ob sie ihre Zeit zum Beispiel mit dem Betrachten eines Gemäldes, mit Lesen oder ganz einfach nur mit Nachdenken oder gemeinsamem Schweigen verbringen möchten. Um 12.30 Uhr gibt es dann ein Mittagessen. Auch dabei wird in der Regel nicht gesprochen. Und am Ende treffen sich alle noch einmal im Rokoko-Saal zu einer Schlussrunde.

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Was sind das denn für Menschen, die an dieser Veranstaltung teilnehmen?

Hahnen Alle möglichen. Von der 17-jährigen Schülerin bis zum 75-jährigen Rentner.

Und was sind ihre Gründe?

Hahnen Auch ganz verschieden. Einmal war eine Mutter von zwei Kindern dabei, bei der Zuhause immer zu viel los war. Oder ein Mann, der einfach nur mal ungestört über eine persönliche Frage nachdenken wollte.

Haben Sie den Eindruck, dass das Bedürfnis nach Stille zugenommen hat?

Hahnen Ja. Da draußen wird es ja auch immer lauter. Wir sehen das an der Nachfrage nach unserem Stille-Angebot.

Können wir denn überhaupt noch mit Stille umgehen?

Hahnen Ich denke ja. Die meisten Menschen wissen instinktiv, dass ständiger Lärm ihnen schadet. Dass sie damit nicht mehr Herr ihrer eigenen Sinne sind. Natürlich kann Stille auch Unbehagen auslösen.

Zum Beispiel Einsamkeitsgefühle bei allein lebenden älteren Menschen?

Hahnen Sicher. Aber die sind oft auch sonst einsam. Ich bin kein Apostel der 24-stündigen Stille. Man kann das auch übertreiben.

Und wie findet man da die richtige Balance?

Hahnen Indem man überlegt, was einem gut tut und was nicht. Doch das muss jeder für sich selber herausfinden. Darüber hinaus kann man den heilsamen Umgang mit Stille auch in einem gewissen Rahmen erlernen.

Durch solche Veranstaltungen wie die von Ihnen angebotenen „Tage der Stille“?

Hahnen Ja, auch. Vor allem aber dadurch, dass wir hier keine Lernzielerwartungen an die Teilnehmer stellen. Keiner muss hier etwas müssen. Und schon gar keine Rechenschaft über den Erfolg seiner für diesen Tag selbst gesteckten Ziele ablegen. Es gibt lediglich eine Schreibtafel im Flur, auf der man seine Vorstellung von Stille äußern und sich darüber schriftlich mit anderen austauschen kann. Auf ein abschließendes Fazit wird verzichtet. Ich gebe jedem Teilnehmer am Ende zum Abschied nur einfach die Hand und dann hört man schon bisweilen von verblüffenden Resultaten dieses Tages.

Jetzt noch eine letzte Frage: Was empfehlen Sie jemandem, der für sich daheim eine ähnlich entspannte Oase der Stille schaffen möchte?

Hahnen Licht aus! Und Kerze an!