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In Kamp-Lintfort unterrichten bislang alle drei weiterführenden Schulen Kinder mit Förderbedarf.

Schulen in Kamp-Lintfort : Inklusion: „Schulen in Kamp-Lintfort sind viel weiter als das Land“

Landtagsabgeordneter René Schneider hakt im Düsseldorfer Landtag mit einer kleinen Nachfrage zum Inklusionsplan der Regierung nach.

Die von der Landesregierung geplante Neuausrichtung der Inklusion hat auch René Schneider auf den Plan gerufen. „Wir sind in Kamp-Lintfort deutlich weiter als das, was jetzt umgesetzt werden soll. Alle drei weiterführenden Schulen unterrichten inklusiv.“ Nachdem bereits die Schulleiter von Europaschule, Georg-Forster-Gymnasium und Unesco-Schule das Land in einer Resolution gebeten hatten, weiterhin gleichberechtigt die Aufgaben der Inklusion wahrnehmen zu dürfen, hat der SPD-Landtagsabgeordnete im Düsseldorfer Landtag eine kleine Anfrage gestellt – mit der provokanten Frage: „Was, wenn weiterführende Schulen solidarischer sind als die schwarz-gelbe Landesregierung? Hintergrund: Das „gemeinsame Lernen“ soll ab dem Schuljahr 2019/2020 nicht mehr an allen weiterführenden Schulen stattfinden, sondern gebündelt werden. Für Kamp-Lintfort bedeutet dieses Vorhaben, dass Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf nur noch an Europa- und Unesco-Schule aufgenommen werden. Darin sieht Schneider nicht nur eine „neue Form der Ungleichbehandlung“. Er schlussfolgert zudem, dass es Ziel der Landesregierung sei, vor allem Gymnasien von der Verantwortung zu entbinden, Kinder inklusiv zu beschulen. „In Kamp-Linfort hat dies aber wunderbar funktioniert. Die Schulleiter haben sich untereinander verständigt und genau darauf geschaut, welchen Förderbedarf das jeweilige Kind hat.“ Das Gymnasium leistet aus Sicht des Landtagsabgeordneten sehr gute Arbeit. „Klar, anfangs hat es ein wenig geruckelt, weil es sich um Neuland handelte. Doch heute ist das Gymnasium ganz weit vorne dabei.“ In seiner Anfrage wollte René Schneider deshalb unter anderem wissen, wie die Landesregierung zu dem Ansinnen der drei Kamp-Lintforter Schulen steht, weiterhin gemeinsam inklusiv zu beschulen. Die Antwort war aus seiner Sicht wenig zufriedenstellend. Darin hieß es: „Die Landesregierung will die Inklusion bestmöglich gestalten. Dabei stehe die Qualität der individuellen Förderung aller Schüler im Zentrum der Anstrengungen. Aus diesem Grund sei es erforderlich, die Schulen mit zusätzlichem Personal zu unterstützen, aber auch die zur Verfügung stehenden Personalressourcen gezielter einzusetzen.“

Es sei nicht das Ziel der Landesregierung, vor allem Gymnasien von der Verantwortung zu entbinden. Was Schneider besonders ärgert: „Zwei Monate, nachdem bekannt wurde, dass nur noch Europa- und Unesco-Schule in Kamp-Lintfort inklusiv unterrichten sollen, fragt das Land erst jetzt an, ob die Stadt damit einverstanden ist, und holt sich die schriftliche Zustimmung ein. Es gibt aber keine Möglichkeit, konstruktive Vorschläge zu machen“, betont der Landtagsabgeordnete. Die Stadtverwaltung könne ihren Einspruch nur räumlich und personell begründen, erklärte er im Gespräch mit dem Grafschafter weiter. Und auch das erfuhr Schneider durch seine kleine Anfrage im Landtag: „Weitere Schulen im Gebiet eines Schulträgers können nur dann Schulen des gemeinsamen Lernens werden, wenn an den bereits eingerichteten Schulen im Durchschnitt mehr als drei Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung pro Eingangsklasse aufgenommen werden müssen.“ Für René Schneider heißt das: „All das, was wir in Kamp-Lintfort erreicht haben, muss zurückgefahren werden.“