Kamp-Lintfort: In Hoerstgen öffnen sich Adventsfenster

Kamp-Lintfort: In Hoerstgen öffnen sich Adventsfenster

Nachdem 2016 der Vorlauf an vier Adventssonntagen gut ankam, leuchtet jetzt jeden Tag ein neues Fenster in Hoerstgen. Dann gibt es ein gemütliches Beisammensein mit Adventssingen.

"Wir sind froh, ausgewählt worden zu sein." Peter und Elke Ribbrock schätzten sich glücklich, an einem Sonntag das Hoerstgen Adventsfenster öffnen zu können, da es mehr Bewerber als Sonntage gibt. 40 Hoerstgener standen um eine Feuerstelle vor ihrem Haus an der Molkereistraße, um begleitet vom Posaunenchor "Wir sagen Euch an den lieben Advent", "Macht hoch die Tür" und "Tochter Zion" zu singen. Danach saßen sie in der einstigen Backstube zusammen, tauschten sich aus, aßen selbst gemachte Krapfen und genossen weißen oder roten Glühwein. Gleichzeitig drehten sich zwei Weihnachtspyramiden. "Die habe ich nach einem alten Bauplan gebaut, den ich einmal bei Obi für zwei Mark gekauft habe", erzählte der 70-jährige Bäckermeister. "Ich habe sie alle mit der Laubsäge aus alten Buchholzplatten ausgesägt. Die habe ich von Rückwänden von Möbel auf dem Sperrmüll demontiert."

In diesem Dezember ist das Hoerstgener Adventsfenster gewachsen, zu dem Annette Lubenow und Conga Wessels vor einem Jahr die Idee hatten. Es ist länger geworden als beim Vorlauf im letzten Jahr, nachdem dieser auf gute Resonanz in der Dorfgemeinschaft gestoßen war. "2016 gab es das Hoerstgener Adventsfenster nur an den vier Adventssonntagen, immer mit Singen und Beisammensein", erzählte Conga Wessels, die mit ihrer Familie zum Adventsfenster am ersten Advent an die Fackelstraße eingeladen hatte. "Jetzt öffnet jeden Tag ein beleuchtetes Fenster, wie bei einem Adventskalender. Es strahlt bis Weihnachten von 16 bis 22 Uhr. An den Sonntagen gibt es außerdem ein Singen und Beisammensein. Verschiedene Menschen begegnen sich, die sich sonst nicht begegnen."

Ist das Hoerstgener Adventsfenster doch überkonfessionell - Familien der evangelischen und freien evangelischen Kirchengemeinde Hoerstgen sind genauso in die Aktion eingebunden wie Katholiken. "Sogar die Pizzeria Aspendos ist dabei", berichtete Lubenow. "Sie wird von Muslimen betrieben und Jesiden arbeiten dort. Hier funktioniert das Zusammensein, das in Syrien nicht funktioniert." An den Sonntagen ist beim Adventsfenster das Programm offen. Diesmal erzählte Peter Ribbrock vom Weihnachtsfest im Jahr 1951, dem ersten, an das er sich erinnern könne. Damals habe ein Onkel, der gerade aus sechsjähriger russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt sei, unter dem Weihnachtsbaum geweint. Als kleines Kind, das nichts von den Schrecken von Krieg und Gefangenschaft habe wissen können, habe er gefragt, warum er denn zu Weihnachten weine.

Außerdem trug Bernhard Brill, der mit seiner Familie in der Hoerstgener Straße seit dem 1. Dezember das erste Fenster beleuchtet, ein eigenes Gedicht vor. "Fenster sind die Augen von einem Haus, damit schaut man rein oder heraus", reimte der Hoerstgener.

(got)