Hospital in Kamp-Lintfort behandelt bösartige Tumore

Kamp-Lintfort : Den Patienten die Angst nehmen

Theodor Heuer, Chefarzt am St.-Bernhard-Hospital, sieht die Behandlung von Tumor-Erkrankungen auf einem guten Weg. „In den letzten Jahren hat die Forschung sehr viel über bösartige Erkrankungen gelernt“, sagt der Mediziner.

(RP) Im medizinischen Alltag trifft Theodor Heuer, Chefarzt der Medizinischen Klinik I am St.-Bernhard-Hospital, oft auf Patienten, die verunsichert sind – durch Gespräche mit anderen oder durch Berichte, die sie im Internet lesen. Oftmals sind es Fehlinformationen, die noch mehr Angst machen. Das Gespräch mit dem behandelnden Arzt sei daher umso wichtiger. Heuer möchte Betroffenen diese Angst nehmen. Bösartigen Tumore, sagt er, entsprängen dem körpereigenen Gewebe. Dabei sei die Charakteristika aller bösartigen Tumore gleich: „Sie entziehen sich der körperlichen Kontrolle, wachsen ungehemmt, zerstören Nachbarorgane und verteilen sich im gesamten menschlichen Körper. In den vergangenen Jahren hat die Forschung sehr viel über bösartige Erkrankungen gelernt“, berichtet Heuer.

„Um sie besser zu behandeln, haben wir uns Eigenschaften von bösartigen Tumoren genau angesehen und versuchen, diese zu beeinflussen.“ So gebe es deutliche Fortschritte bei der Behandlung vieler Tumor-Erkrankungen. Nach wie vor stünden zur Behandlung drei Therapie-Optionen zur Verfügung: Die Operation, die Strahlenbehandlung und die medikamentöse Chemo-Therapie. In letzter Zeit gebe es immer mehr Behandlungs-Strategien, in denen alle drei Therapie-Optionen eingesetzt würden. „Unser Bemühen geht dahin, viel mehr über das Wachstumsverhalten bösartiger Tumore zu erfahren“, erzählt der Chefarzt. „Wir wissen, dass beispielsweise Dickdarmkrebs, je nachdem, in welcher Region er entsteht, durchaus unterschiedliche Eigenschaften hat“, berichtet er. Bekannt seien auch verschiedene Formen der Leukämie. Darunter ließen sich auch Erkrankungen einordnen, die – je nachdem, wann sie auftreten – überhaupt keinen Einfluss auf die Lebenserwartung hätten. Auch könne bei einigen Tumoren vorhergesagt werden, ob sie auf bestimmte Therapien besser oder schlechter ansprächen. Bei der Chemotherapie habe es in den letzten Jahren bei vielen Tumorarten gute Entwicklungen gegeben. „Sie haben dazu geführt, dass die Patienten auch in einem fortgeschrittenen Krebsstadium länger und vor allem besser und komplikationsfreier leben können“, betont Heuer. Während in den vergangenen Jahren bei den meisten Tumor-Patienten eine Chemotherapie durchgeführt worden sei, die im ganzen Körper gewirkt habe und zwischen gutartigem und bösartigen Gewebe nicht unterscheiden konnte, seien nun immer mehr biologische Eigenarten von Tumoren bekannt, die bekämpft werden können. So sei es mittlerweile möglich, durch künstlich hergestellte Antikörper Turmorzellen im Körper anhand ihrer Oberflächen-Eigenschaften zu finden und zu bekämpfen. „Bestimmte Tumore senden Botenstoffe aus, um im menschlichen Körper zu überleben. Sie veranlassen Gefäße, in diese Tumore hineinzuwachsen, um sie mit Nährstoffen zu versorgen. Dieses Wissen hilft uns nun, genau dieses Gefäßwachstum zu verhindern und so das Tumor-Wachstum zu hemmen“, zeigt Heuer die aktuellen Möglichkeiten auf. Bei verschiedenen Tumoren seien mittlerweile auch die Mechanismen bekannt, die für die unkontrollierte Zellteilung verantwortlich sind.

„Diese Mechanismen können wir durch bestimmte Medikamente beeinflussen. Wir hoffen, so die Zellteilung zu stoppen“, erklärt der Chefarzt. Mit einer möglichst zielgerichteten Therapie, die gegen die Eigenschaften des Tumors gerichtet ist, will Theodor Heuer bösartige Tumore bekämpfen und ihre Ausbreitung stoppen. „Es gibt noch einiges zu erforschen, aber wir sind auf einem guten Weg.“

Mehr von RP ONLINE