Ausstellung an der Hochschule in Kamp-Lintfort Über Väter am Niederrhein

Kamp-Lintfort · Studenten der Hochschule Rhein-Waal haben sich mit traditionellen Rollenbildern befasst. Entstanden ist die Ausstellungsreihe „Väter am Niederrhein“. Sie geht jetzt auf Wanderschaft und wird in den regionalen Mediatheken und in der Stadthalle Kleve zu sehen sein.

Sie waren an dem Projekt beteiligt: Christian Seißer, Vater aus Kleve, Andrea da Silva (Hochschule Rhein-Waal) Mario Linßen, Thyra Mattissen, Tim Herr und Tamara Tietze.

Sie waren an dem Projekt beteiligt: Christian Seißer, Vater aus Kleve, Andrea da Silva (Hochschule Rhein-Waal) Mario Linßen, Thyra Mattissen, Tim Herr und Tamara Tietze.

Foto: Armin Fischer (arfi)

„Vater werden ist ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“, formulierte es Mitte des 19. Jahrhunderts einst Wilhelm Busch. Das gilt noch immer, wenn auch anders. Während die Väter damals fast ausschließlich für die finanzielle Versorgung der Familie zuständig waren, möchten sie sich heute immer mehr auch emotional beteiligen. Doch wie lässt sich das in unserer heutigen Arbeitswelt verwirklichen?

Diese Frage hat in den letzten Monaten eine Gruppe von Studenten an der Hochschule Rhein-Waal insgesamt elf Vätern gestellt und dabei am Ende aus deren Antworten eine aus sechs doppelseitigen Foto-Text-Tafeln bestehende, interessante Ausstellung zusammengestellt, die jetzt in einem der Kamp-Lintforter Campus-Flure besichtigt werden kann. Am Mittwoch fand die Eröffnung des von der Gleichstellungsstelle der Hochschule initierten Ereignisses statt. Dazu trafen sich in einem der dortigen Vorlesungssäle neben den beteiligten Vätern und deren Familien auch zahlreiche Studenten und Studentinnen, mit und ohne Kinder, sowie einige Väter aus besonders familienfreundlichen, am Niederrhein beheimateten Betrieben.

So zum Beispiel der „Linksrheinischen Entwäserungsgenossenschaft „Lineg“, des Weseler Unternehmens Thermo Fisher und der Dr. Müller, Hufschmidt Steuerberatungsgesellschaft GmbH aus Straelen. Sie sollten im späteren Verlauf der Veranstaltung über ihre ganz eigenen Erfahrungen mit einer in ihrem Betrieb herrschenden familienfreundlichen Arbeitskultur berichten, doch zunächst stellte die Vizepräsidentin der Hochschule Rhein-Waal Tatjana Ziemenkova vier der an dem Ausstellungsprojekt beteiligten Studenten vor. „Ursprünglich ging es bei der ganzen Sache eher um neue Arbeitszeitmodelle, doch dann kam ganz schnell die Frage nach den familiären Bedingungen dafür auf“, berichtete sie einleitend über die Entstehung des Ausstellungsprojektes.

„Da mussten wir feststellen, dass wir eigentlich kaum etwas darüber wussten“, bestätigte Studentin Tamara Tietze. „Darüber hinaus hatten wir auch keinerlei Erfahrung mit Interview-Techniken. Schließlich entstand dann doch ein einigermaßen praktikaler Befragungsleitfaden, der jedoch noch lange nicht auf die vielen unterschiedlichen Lebensplanungen der für die Befragung ausgewählten Familien zutraf. Diese unmögliche Verallgemeinerung führte schließlich dazu, einige der Befragten in dieser Ausstellung in Form von Bildern und beschreibenden Texten besonders hervorzuheben.

Doch zurück zur Eröffnungsfeier. Nachdem die Studenten über ihre Datenerhebungserfahrungen berichtet hatten, gab Hans-Georg Nelles von der „Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit“ in einem Lichtbildervortrag einen kurzen Überblick über die Rolle der Väter in den vergangenen 150 Jahren. Danach bestand ihre Aufgabe viele Jahrzehnte lang in erster Linie darin, ihre Kinder zu ernähren und zu beschützen. Deren emotionale Entwicklung war in der Regel Aufgabe der Mutter. Das änderte sich jedoch in der letzten Zeit.

So waren laut einer von Hans-Georg-Nelles vorgestellten Befragungsstatiskik in den letzten Jahren immer mehr Männer dazu bereit, ihre beruflichen Ambitionen zumindest für eine gewisse Zeit zugunsten eines gemeinsamen familiären Entwicklungserlebnisses zurück zu stellen. Eine spezielle „Blaupause“ dafür gebe es dafür allerdings nicht. „Jede Familie ist anders und damit auch jeder Vater.“ Die Veranstaltung endete mit einer gemeinsamen Besichtigung der, wenn alles klappt, demnächst auf Wanderung gehenden elf „väterlichen“ Ausstellungstafeln.

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