Günther Uecker huldigt bei der Lineg in Kamp-Lintfort Hafez.

Kunst in Kamp-Lintfort : Uecker-Kunst würdigt persischen Dichter

Die neue Sonderausstellung präsentiert eine aktuelle Mappe des renommierten Gegenwartskünstlers. Die Eröffnung ist am heutigen Freitag.

Diese Mappe atmet Kunst- und Literaturgeschichte. Günther Uecker, Mitbegründer der Düsseldorfer Zero-Bewegung, hat die jahrhundertealte Lyrik des persischen Dichters und Mystikers Hafez in die zeitgenössische Kunst übersetzt – unter anderem als Siebdruck mit echtem Wüstensand und als Nassdruck. Zusammen mit der Galerie Schürmann präsentiert die Lineg ab dem heutigen Freitag, 17. Mai, 18 Uhr, die insgesamt 42 Arbeiten, die die Künstlermappe beinhaltet. Das Gebäude an der Friedrich-Heinrich-Allee, in dem die Linksniederrheinische Entwässerungsgenossenschaft ihren Sitz hat, wird einmal mehr zur Kunsthalle für die renommierte Gegenwartskunst: Nach Lüpertz, Mack und Christo ist dort nun Günther Ueckers „Huldigung an Hafez“ zu sehen. „Uecker ist ein Universalkünstler, der sich auch der Lyrik und der Dichtung widmet“, betonte Andreas Verfürth, Inhaber der Galerie Schürmann, am Donnerstag bei einer Vorbesichtigung der Ausstellung.

Hafez gilt heute als einer der bedeutendsten persischen Dichter. Er wurde um 1320 in Shiraz geboren. Die Stadt liegt im heutigen Iran. Ueckers Mappe kam 2016 heraus, vollendet wurde die Serie ein Jahr zuvor. Er ließ die Texte des Dichters ins Deutsche übersetzen und schrieb einzelne Verse von Hand auf die Drucke: „Wie in der Kerze ist all die Glut verborgen“ heißt es auf einer Arbeit, bei der Uecker offenbar mit Sackleinen gearbeitet hatte. Auf einem anderem Bild schrieb er mit seiner schön geschwungenen Handschrift folgenden Vers auf: „Jene Stunden, die mich schufen zu der Schönheit klarem Spiegel, der berufen ist, den Abglanz seines Wesens zu bekunden.“ Jedem Vers ist eine Farbe zugeordnet. Das Gedicht ist in der persischen Schrift auf den Arbeiten aufgedruckt. Laut Begleitbuch zur Ausstellung orientierte sich Uecker an ausgewählten Ghaselen von Hafez. Das ist eine lyrische Gedichtform, die bereits in vorislamischer Zeit auf der Arabischen Halbinsel entstanden ist. Der Lyriker hinterließ etwa 500 Gedichte. „Hafez behandelt in seiner Lyrik der Ghaselen die sinnlichen Genüsse der Liebe, des Weins und der Naturschönheiten“, schreibt Professor Hermann Parzinger im Buch zur Ausstellung. Diese Gedicht-Bilder wechseln sich mit Prägungen in Weiß ab, in denen man bei genauem Hinsehen die Form von Nägeln erkennt, davon gibt es insgesamt fünf in der Mappe. Auf anderen Blättern hat Uecker den Fokus auf Form und Farbe gelegt. Da ist ein sonnengelber und runder Wirbel zu sehen, ein anderer Druck wirkt wie ein Notenblatt voller farbiger Apostrophe und geschwungenen Linien. Diese Drucke bieten eine Gedanken-Pause, in der man den Gedicht-Arbeiten auf dem Rundgang noch ein wenig länger nachhängen kann. Überhaupt bietet Ueckers Huldigung an Hafez einen sinnlichen Mehrwert. Der Düsseldorfer hatte 2012 übrigens die Gelegenheit, als einer der ersten westlichen Künstler seit 1979 im Iran auszustellen.

Die Ausstellung bei der Lineg wird einmal mehr ermöglicht durch Verfürths Zusammenarbeit mit einem Düsseldorfer Verleger. In einem weiteren Raum präsentiert er außerdem einige Uecker-Arbeiten aus Privatbesitz. Im Rahmen der Ausstellung wird ein Film gezeigt, der die Entstehungsgeschichte der Mappe „Huldigung an Hafez“ aus dem Jahr 2016 dokumentiert.

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