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Kamp-Lintfort: Gruppierung befürchtet Risiken durch Altdeponie

Kamp-Lintfort : Gruppierung befürchtet Risiken durch Altdeponie

Eine neu gegründete Aktion forderte gestern eine Gefährdungsabschätzung für die Altlast Eyller Berg in Kamp-Lintfort.

Hans-Peter Feldmann sorgt sich um das Grundwasser unter dem Eyller Berg. Wir müssen es als unser wichtigstes Lebensmittel schützen", sagte der Xantener gestern in einen Pressegespräch über die Altlast Eyller Berg. Der Sprecher der Initiative für Hochwasserschutz am Niederrhein und sachkundiger Bürger für Vorsorge und Schadensverhinderung, hat sich mit weiteren Mitgliedern der VWG-Fraktion im Kreis Wesel in die alten Akten über den Eyller Berg eingearbeitet, der seit Jahrzehnten als Deponie genutzt wird. "Wir haben Unterlagen, die uns befähigen, mehr Licht in die Angelegenheit zu bringen", betonte er. Ergebnis der intensiven Recherchearbeit: "Wir sehen uns veranlasst, der Forderung der Unteren Wasserbehörde im Kreis Wesel nach Durchführung einer Gefährdungsabschätzung Geltung verschaffen."

Eine solche Gefährungsabschätzung sei in den vergangenen Jahrzehnten nie vorgenommen worden. Im Gegenteil. Nach Beendigung der Abfallablagerung im RAG-Teil sei sie durch die Aufsichtsbehörde unter anderem aus Kostengründen versagt worden, erklärte Feldmann. "Die Altdeponie Eyller Berg birgt aber hinsichtlich der Lage - in einem natürlichen Überschwemmungsgebiet sowie unter Bergbaueinfluss und Grundwasserabsenkung - ein besonderes Risiko." Die bergbaurechtliche Zulassung habe sich zwar nur auf grundwasserunschädliche Bergbauabfälle bezogen. Doch: "Untertage geförderte Stoffe sind niemals grundwasserneutral", betont Feldmann. "Aus den Dokumenten der Industriehistorischen Recherche wissen wir außerdem, dass auf der Hausmülldeponie Stoffe endgelagert wurden, die keinesfalls als grundwasserneutral zu bezeichnen waren." Kritisch bewertet Hans-Peter Feldmann, dass unter dem Bergbau- und Hausmüllteil keine oder nur unzureichende Basisabsicherung bestehe. "Es gibt nur eine Oberflächenabdichtung", erläutert er als Sprecher der jetzt gegründeten Aktion "Gefährdungsabschätzung. "Da über Jahrzehnte unterhalb des Eyller Berges Steinkohle abgebaut wurde, wirkten Senkungen, Zerrungen und Pressuren auf den Deponiekörper. Wir müssen davon ausgehen, dass eingearbeitete Sicherungsschichten nicht verhindern, dass Niederschlagswasser den Deponiekörper durchströmen - trotz späterer Oberflächenabdichtung." Für Feldmann steht fest, dass die Grundwasserkontamination für weite Gebiete im Umfeld des Eyller Bergs weiterhin bestehe. Unterstützung bekommt er nicht nur von Martin Kuster, Fraktionsvorsitzender der VWG im Kreis Wesel, sondern auch von Naturschützer Otto Sartorius aus Kamp-Lintfort und Wolfgang Giesen aus Neukirchen-Vluyn, deren Augenmerk seit Jahrzehnten auf dem Eyller Berg liegt. "Wir appellieren an die Aufsichtsbehörden wie die Bezirksregierung in Düsseldorf, die vom Kreis Wesel geforderte Gefährdungsabschätzung durchführen zu lassen", so Feldmann. "Die Politik hat die Verantwortung, das Thema auf den Weg zu bringen." Das sieht auch Martin Kuster so: "Die Personen in Politik und Behörden wechseln. Die Neuen sind vielleicht bereit, doch noch einmal nachzuforschen. Wir werden auf jeden Fall am Ball bleiben."

(RP)