Kamp-Lintfort: Graffitimauer heißt Besucher willkommen

Kamp-Lintfort : Graffitimauer heißt Besucher willkommen

Europaschüler haben die Zechenmauer mit Graffiti besprüht. Vier Monate lang bleibt das Kunstwerk stehen, das von zwei Design- und Kunststudenten aus Rheinberg entworfen wurde.

An der East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain malten die Künstler drei Monate, an der Graffitimauer in Kamp-Lintfort drei Tage. In der Stadt der Internationalen Gartenschau 2017 waren im Frühjahr 1990 121 Künstler aktiv, in der Stadt der Landesgartenschau 2020 in der vergangenen Woche zwei Rheinberger Künstler mit 18 Kamp-Lintforter Europaschülern. In Berlin thematisieren die Künstler mit Motiven den Wandel, den die Stadt mit dem Fall des Eisernen Vorhangs durchlief, in Kamp-Lintfort den Wandel, den die Stadt mit dem Wegfall des Bergbaus durchlebt.

Seit Donnerstagnachmittag ist die "East Side Gallery" in der niederrheinischen Hochschulstadt vollendet, die allerdings mit zwölf Mauerelementen und gut 30 Metern Länge 40 Mal kürzer ist als die besprühte Betonmauer an der Spree mit 1300 Metern. Am Samstagmittag wurde sie von Bürgermeister Christoph Landscheidt offiziell eröffnet.

Die Idee, ein Stück der Backsteinmauer zu besprühen, die das östliche Bergwerksgelände entlang der Ringstraße umgibt, hatte Wolfgang Roth. "Die Idee hat sich konkretisiert, als im September 2017 eine Gruppe des Laga-Fördervereins nach Berlin reiste", berichtete am Samstag der Vorsitzende des Fördervereins der Landesgartenschau 2020. "Wir haben die Internationale Gartenschau in Marzahn besucht. Bei einer Stadtrundfahrt haben wir die East Side Gallery an der Spree gesehen."

Mit dem Künstler Gregor Davids aus Mülheim, den Roth - früher Mitarbeiter des Landessportbundes - als einstigen Geschäftsführer des westdeutschen Fußballverbandes kannte, und den Laga-Vorstands-Mitgliedern wurde die Idee weiter ausgearbeitet. "Ursprünglich wollten wir mehr Gruppen einbinden und ein längeres Stück besprühen", erzählte Roth. "Das wäre aber zu teuer geworden. Mit dem Geld der Mitglieder haben wir vorsichtig umzugehen."

So übernahm die Europaschule die Federführung des Projektes, das durch Grundierung und Sprayfarben rund 3000 Euro kostete. Schulleiterin Barbara Mennekes, die bis zur Jahreshauptversammlung des Laga-Fördervereins im April gleichzeitig dem Vorstand angehörte, sprach den Rheinberger Felix Plien an.

Den heute 27-jährigen Graffitikünstler und Mitarbeiter einer Kölner Werbeagentur, der gleichzeitig an der Fachhochschule in Kamp-Lintfort Design studiert und kurz vor seinem Bachelor steht, kannte sie noch aus ihrer Zeit, als sie Lehrerin an der Rheinberger Realschule war. Zusammen mit seinem 25-jährigen Bruder Lukas Plien, der an der Universität Essen Kunst studiert, entwickelte er das Konzept.

Mit einem Mauerelement Vor- und einem Mauerelement Nachlauf verteilen sich die zehn Buchstaben des Wortes Willkommen auf zehn Mauerelemente, die an der einstigen Bergeverladung an der Gaststätte "Altes Kasino" an der Einmündung der Alfred- in die Ringstraße liegen.

"Willkommen ist das Motto der Europaschule und der Landesgartenschau", berichtete Lukas Plien bei dem Fest, in das die offizielle Eröffnung eingebunden war. "Deshalb zeigen wir den Wandel der Stadt, links Kloster Kamp mit dem Terrassengarten, in der Mitte das Lintforter Bergwerk mit dem großen Förderturm und rechts Kamp-Lintfort mit der Landesgartenschau. Die Schüler haben Sprechblasen mit Willkommen in verschiedenen Sprachen hinzugefügt."

Die 300 Kamp-Lintforter, die am Samstag zur Eröffnung kamen, waren vom Ergebnis überzeugt, darunter die Laga-Botschafterin Yvonne Willicks. "Die Arbeit hat sich gelohnt", meinte Fabian Korting, der als Sonderpädagoge das Projekt zusammen mit den Lehrern Saskia Pieper und Anne Deimel betreute. "Alle, die ich gesprochen habe, sind begeistert, vor allem die Schüler. Sie haben zur Eröffnung Farbpulver in die Luft geworfen, wie beim indischen Frühlingsfest Holi."

Schließlich wird die Mauer nur noch den Sommer erleben, aber nicht mehr den Herbst. Ende August oder Anfang September soll sie abgerissen werden, anders als die East Side Gallery in Berlin, für die nach einer Renovierung 2009 sogar ein Schutz als Unseco-Weltkulturerbe im Gespräch ist. Der Laga-Förderverein will dann Mauerstücke zusammen mit einer Fotodokumentation der Sprühaktion verkaufen, die vom Fotokünstler Frank Reinert festgehalten wurde.

(got)