Kamp-Lintfort: Good Luck - Viel Glück, Karl Josef Rieger!

Kamp-Lintfort: Good Luck - Viel Glück, Karl Josef Rieger!

Der Dechant und Pfarrer verabschiedete sich mit einem emotionalen und bewegenden Gottesdienst. Er geht nach Washington. Die Schlange derer, die seinen Abschied bedauerten, war lang.

"How do you do?" Zuerst habe er diese Frage beantworten wollen, erzählte Karl Josef Rieger gestern in seiner Predigt. Doch schnell habe er gemerkt, "How do you do?" sei im Amerikanischen eine Begrüßung, auf die keine Antwort gegeben werde oder einfach nur "fine", gut. Der Dechant des Dekanates Moers, leitender Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Josef Kamp-Lintfort und Pastor, Hirte, wie er am liebsten genannt wird, hat sich mental gut auf die "Neue Welt" eingestellt, auf die amerikanische Hauptstadt Washington. Das wurde beim Abschiedsgottesdienst am Sonntag deutlich.

Dem bewegenden Gottesdienst in der katholischen St.-Josef-Kirche schloss sich ein Empfang im Josef-Jeurgens-Haus an. 550 Gläubige waren gekommen, um sich in "die lange Schlange derer einreihen zu können, die den Abschied von Karl Josef Rieger bedauern", wie es Superintendent Wolfram Syben sagte. Der evangelische Pfarrer kennt seinen katholischen Kollegen Rieger lange, weil Rieger den Kontakt zu den anderen Religionen suchte. Er war Sprecher des Kamp-Lintforter Theologenkreises, der eine Woche vor seinem Abschied auf der Internetplattform "Youtube" ein Video mit dem Titel "Nicht von dieser Kanzel" gestellt hatte, das nach acht Jahren in Kamp-Lintfort als sein geistlich-politisches Vermächtnis angesehen werden kann. Darin sprechen sich die Geistlichen dafür aus, von der Kanzel in Moscheen und Kirchen Frieden, Toleranz und Mut zum Miteinander zu predigen, nicht Hass und Gewalt, die immer mit Gedanken und Worten beginnen würden.

In seiner Abschiedspredigt knüpfte Rieger an diesen Gedanken an, als er den Cari-Treff lobte, der sich für Menschen und Flüchtlinge einsetze. "Das machen wir auch, wenn uns der politische Geist kräftig entgegen weht", setzte er sich für eine Willkommenskultur ein. Für diese Aussage erhielt der 57-jährige Pastor spontanen Applaus - bei Predigten äußerst selten.

Thematisch hatte er in seiner Predigt das Hinübergehen und das Entgegengehen aufgegriffen. Er hatte den Wahlspruch von Reinhard Lettmann zitiert, der von 1980 bis 2008 Bischof von Münster gewesen war: "Christus entgegengehen". Das wiederum passte zur Lesung aus dem Evangelium, in der von Johannes dem Täufer die Rede war, der auf Christus hingewiesen habe, ihm entgegen gegangen sei, wie Rieger herausarbeitete. Das Christentum sei eine Religion der Passion, des Übergangs vom Tod zum Leben.

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Er habe beim Hinübergehen in die USA gemischte Gefühle, sagte Rieger, weil er Menschen zurücklasse, die ihr "Christsein im Hier und Heute" lebten. Einmal werde er wiederkommen. Das werde 2020 zur Landesgartenschau sein, wenn er in seinem dritten Jahr in der deutschen Gemeinde in Washington D.C. seinen ersten Freiflug habe und mit einer kleinen Gruppe anreisen wolle.

Dieser kann er in zwei Jahren auch zwei Gebäude zeigen, die in seiner Zeit in Kamp-Lintfort entstanden sind, auf die Stefan Angenvorth als stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes in seinem Dankeswort hinwies, bevor er sich mit einem "Good Luck, Karl Josef" bedankte. Das eine ist der Kindergarten St. Marien, der in die einstige Marienkirche einzog, das andere das Kolumbarium, und sich in der einstigen Barbara-Kirche befindet.

Auch kann er ihnen das Tau-Kreuz vor der Christuskirche im Großformat zeigen, das an den Bergbau und den Kampf für die Steinkohle erinnert. Zum Abschied erhielt er es vom Moerser Pfarrer Heinrich Bösing in Kleinformat, der als stellvertretender Dechant zunächst das Dekanat Moers kommissarisch leiten wird. Michael Ehrle folgt auf Karl Josef Rieger als leitender Pfarrer in Kamp-Lintfort.

(got)