Kamp-Lintfort: Geologisches Museum stellt in Italien aus

Kamp-Lintfort : Geologisches Museum stellt in Italien aus

Die Freunde des seit vier Jahren geschlossenen Geologischen Museums in Kamp-Lintfort präsentieren zu Pfingsten Exponate aus ihrer großen Sammlung an Fossilien und Gesteinen im Bergbaumuseum der Stadt Carbonia auf Sardinien.

Gesteine, Fossilien und weitere Exponate aus dem Magazin des Geologischen Museums sind bereits mit dem Lkw auf dem Weg in die Stadt Carbonia/Sardinien. Am Pfingstsamstag wird dortigen Bergbaumuseum eine große geologische und paläontologische Ausstellung eröffnet - mit Exponaten, die die Freunde des Geologischen Museums in Kamp-Lintfort gesammelt haben. Wolfram Harryers, Vorsitzender des Freundeskreises, wird mit zwei weiteren Mitgliedern nach Carbonia reisen. "Es erwartet uns dort ein ganz großer Bahnhof. Zwei Botschafter und ein Gouverneur sind zur Eröffnung der Ausstellung eingeladen." Die Reise startet am nächsten Dienstag.

"Carbonia ist wie Kamp-Lintfort eine künstlich gegründete Stadt mit heute etwa 30.000 Einwohnern", erläutert Wolfram Harryers. Sie wurde 1937 gegründet, um den Arbeitern der nahen Kohleminen eine Wohnstatt zu geben. "Sie entstand auf dem Reißbrett. Das Bergwerk war der Hauptarbeitgeber." Nachdem dort in den 1970er Jahren die Kohleförderung eingestellt wurde, besann man sich auf das Bergbau-Erbe. Heute befindet sich auf dem Zechengelände das "Italienische Zentrum der Kohle-Kultur". "Die Menschen leisten sich dort ein riesiges Bergbaumuseum, das sie aus europäischen Mitteln finanziert haben", sagt Harryers - auch bedauernd mit Blick auf seine Heimatstadt Kamp-Lintfort. Denn das Geologische Museum, das der hiesige Freundeskreis im Schulzentrum an der Moerser Straße viele Jahre betrieb, ist seit vier Jahren geschlossen. "Aus organisatorischen Gründe vorübergehend", heißt es auf der städtischen Internetseite. Auch in den Planungen für das neue Bergbauzentrum auf dem Zechengelände findet das Geologische Museum keinen eigenen Raum. Geplant ist, lediglich einige Exponate im zukünftigen Besucherzentrum auszustellen. Dabei hat die Geologische Sammlung in Kamp-Lintfort viel zu bieten: Die Markscheiderei der Zeche Friedrich Heinrich nahm seit 1907 regelmäßig Bohrungen in erschlossenen Gesteinsschichten vor. So entstand im Laufe der Jahrzehnte eine reiche Sammlung, die die Stadt 1987 übernahm und die wissenschaftlich gut aufgearbeitet ist. Seither war das Geologische Museum im Kellergeschoss des Schulzentrums untergebracht. Mehr als 3000 Gesteine, Mineralien und Fossilien waren ausgestellt und durch Fotos und Schautafeln erläutert. Das Besondere an dieser Sammlung ist der zeitliche Schwerpunkt. "Wir sind die führenden Leute für das Karbon-Zeitalter. Das ist 280 bis 300 Millionen Jahre her." Aus Sicht von Wolfram Harryers ein Pfund, mit dem Kamp-Lintfort wuchern könnte. Die geologische und paläontologische Abteilung des Museums in Carbonia verfüge zum Beispiel nur über jüngere Exponate aus dem Perm.

Die Freunde des Geologischen Museums sind in Kamp-Lintfort auf der Suche nach neuen Ausstellungsräumen. Doch die sind nicht leicht zu finden. "Wie lange unser Magazin noch im Schulzentrum bleiben darf, wissen wir nicht. Dabei ist das Interesse an der Sammlung groß. Sie bietet Zugang zu einem der wichtigsten geologischen Anschlüsse in Mitteleuropa: dem Karbon", betont der Vorsitzende der Freunde des Geologischen Museums. Umso mehr freut es ihn, dass das Museum in Carbonia großes Interesse gezeigt hatte, Exponate aus Kamp-Lintfort ab Pfingstsamstag präsentieren zu können. "Wir können drei bis vier Vitrinen füllen", so Harryers. Der Kontakt nach Carbonia kam übrigens über ein Gründungsmitglied des Freundeskreises zustande.

Giovanni Cocco, der viele Jahre in Kamp-Lintfort lebte und in seine Heimat zurückgekehrt war, lud seine früheren Vereinkollegen ein. Sieben reisten im Oktober nach Carbonia und lernten die dortigen Ausstellungsmacher kennen. "Die ganze Stadt ist ein Museum", so Harryers. Das Bergbau-Museum hat ihn beeindruckt. Die geologische Abteilung sei in einer großen Halle untergebracht. Möglicherweise mündet die Zusammenarbeit mit dem Bergbau-Museum in Italien ja in eine langfristige Partnerschaft. "Das ist angestrebt", so Harryers.

(RP)
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