Gemalte Metamorphosen: Bilder von Ulrike Doniés im Kloster Kamp

Gemalte Metamorphosen auf dem heiligen Berg : Gemalte Metamorphosen im Kloster

Himmel und Hölle, Chaos und Struktur – Gemälde von Ulrike Doniés sind in der Schatzkammer von Kamp bis Mitte September zu sehen. Die Künstlerin hat sich selbst eine Ausstellung im Kloster gewünscht.

Sind in ihren bunten Bildern Chaos und Hölle zu sehen, Einzeller und Feuer? Oder sind darin Struktur und Himmel, Menschen und Liebe zu entdecken? Ulrike Doniés kann diese Fragen nicht beantworten. Die Künstlerin will sie auch gar nicht beantworten. „Die Menschen sollen sich mit den Bildern auseinandersetzen“, sagt die Saarbrückerin, die seit einigen Jahren in Linz am Mittelrhein lebt. „Sie sollen sich darauf einlassen und müssen das. Für viele ist das schwer, weil ich sie mit ihren eigenen Abgründen konfrontiere, mit ihrer Haltlosigkeit, aber auch mit ihrer Hoffnung.“

Die studierte Rechtswissenschaftlerin und Künstlerin bezeichnet ihre Bilder nicht als schöne Bilder, die gut mit Sofa und Wohnzimmerwand harmonieren, sondern als Bilder, die die Betrachter nicht gleichgültig lassen und mit ihren starken Farben polarisieren. Deshalb stellt sie nicht in Galerien aus, sondern oft an Orten der Stille, vor allem in Klöstern und Kirchen, zum Beispiel in der Domschatzkammer Aachen oder jetzt in der Schatzkammer Kloster Kamp. „Gemalte Metamorphosen – von hier und anderswo“ betitelt sie diese Ausstellung, in der sie bis Mitte September 25 Bilder zeigt.

Auch Peter Hahnen scheint es nicht leicht gefallen zu sein, sich auf die Bilder der Künstlerin einzulassen. „Ich habe vor drei oder vier Jahren einen Katalog von ihr bekommen“, erzählt der Leiter des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp. „Darin befand sich ihre Bitte, hier ausstellen zu können. Ich habe den Katalog zur Seite gelegt. Irgendwann habe ich ihn ein zweites Mal zur Hand genommen, darin geblättert und die Bilder haben mich nicht mehr losgelassen. Ich habe Kontakt mit der Künstlerin aufgenommen.“

Die Bilder stellt sie mit starken Farben in eine barocke Tradition, ebenso mit deren Räumlichkeit, die einige bei bestimmtem Licht fast als dreidimensional erscheinen lassen. Ebenso nimmt sie Formate aus dem Barock auf. Sie malt ein Rondo, ein rundes Loch, mit dem die Betrachter wie durch ein Fernglas in eine Landschaft schauen. Auch dem Format des Triptychons, des Flügelaltars, haucht sie neues Leben ein.

Gleichzeitig bricht Urike Doniés mit der 300 Jahre alten Tradition. Sie arbeitet nicht mir Öl, sondern mit Acryl. Sie plant ihre Werke nicht bis ins Detail, sondern diese nehmen sie beim Komponieren gefangen, während sie nicht weiß, wie sie sich bis zum Ende entwickeln. Sie preist nicht die Ordnung und die göttliche Schöpfung, sondern ergänzt sie um deren Verwandlung – Metamorphose –, um Chaos und Evolution. Beide Seiten halten sich die Waage, können nicht ohne die andere auskommen.

„Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt der Welt“, beschreibt die Künstlerin diese Metamorphose. „Leben ist Chaos. Man muss Halt finden, kann das aber nicht. Das auszuhalten, muss man lernen.“

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