Kamp-Lintfort: Frisch gezapft: Geilings Bräu aus Saalhoff

Kamp-Lintfort: Frisch gezapft: Geilings Bräu aus Saalhoff

Kräftig gehopft: Johannes Lehmbrock bringt mit Geilings Bräu ein regionales Bier für die Heimat auf den Markt. Vor fünf Monaten ging die Brauerei in Saalhoff in Betrieb.

So duftet nur Bier aus der Heimat - herb, würzig, ein bisschen fruchtig auch. Die kleine Brauerei am Rande von Saalhoff ist fünf Monate, nachdem sie in Betrieb gegangen ist, durch und durch erfüllt von dieser Duft-Mixtur. 600 Hektoliter hat Johannes Lehmbrock seither gebraut. "Wir steuern auf die 1000 Hektoliter zu", sagt der junge Braumeister und Inhaber von Geilings Bräu, ein Bier aus lokaler Produktion, wie es in der Region selten geworden ist. "Im Kreis Wesel gibt es nur zwei weitere private Bierbrauer. Es wird Zeit, dass wir wieder mehr Vielfalt in die Region bringen", betont Lehmbrock. Er hat sich selbst einen Traum erfüllt, seit er im Chemie-Unterricht unter Anleitung des Lehrers erstmals selbst Bier brauen durfte. Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Bierbrauer und Mälzer. Noch während des BWL-Studiums, das er an die Lehre anschloss, begann er auf dem elterlichen Hof in Saalhoff nach Reinheitsgebot und eigener Rezeptur zu brauen. 2012 präsentierte er erstmals sein untergäriges Bier, kurz darauf gründete er die Geilings Bräu GmbH. Die in einer Halle untergebrachte Versuchsanlage steht heute nicht mehr. Stattdessen ließ er 2017 ein hochmodernes Brauhaus auf 500 Quadratmetern in die Halle hineinbauen - mit einem Sudhaus, glänzenden Tanks und Kesseln, in denen aus Wasser und Malz die Würze hergestellt wird, Gär- und Lagerkeller, einem Kühlhaus und einem eigenen Bereich für die Fass- und Flaschenabfüllung. "Ich bin sehr zufrieden. Alles läuft besser, als ich es erwartet hatte. Das Brauen macht jetzt noch mehr Spaß", fasst er die letzten Monate seit der Inbetriebnahme der Brauerei zusammen. Inzwischen hat Johanns Lehmbrock einen Braumeister eingestellt. "Kai Weier hat vier Jahr in Asien gearbeitet und freut sich genauso wie ich über diese schöne Anlage, in der wir an neuen Rezepturen tüfteln können." Weier würde als Kölner in Saalhoff gerne ein schönes Altbier kreieren. Den Prototypen gibt's schon. "Wir geben Probeflaschen an die Kunden ab und hoffen auf ein Feedback", erzählt Johannes Lehmbrock. Gebraut wird in Saalhoff, wenn die Hefe am vitalsten ist. "Das kann an einem Mittwoch, aber auch sonntags sein." Lehmbrock verwendet Hefe ausschließlich in Reinzucht. Dafür wird sie alle zwei Monate in ein spezielles Labor nach Köln gebracht. Hausmarken sind ein Keller-Pils und das IPA, das India Pale Ale, ein kräftig gehopftes Bier. Im Mai will Lehmbrock wieder passend zur Saison ein Weizenbier herstellen, für den Winter ist ein dunkles Bockbier aus der eigenen Hopfenernte geplant. "Wir werden das peu à peu weiter entwickeln", sagt der Bierbrauer. Sein Bier verkauft er erfolgreich in der Region. Viele lokale Veranstalter suchen die Zusammenarbeit mit dem Braumeister aus Saalhoff. So kooperiert er auch mit der Hochschule Rhein-Waal. "Ich bin Gastgeber einer Kick-of-Veranstaltung für Studenten eines internationalen Studienprogramms."

Johannes Lehmbrock staunt zuweilen selbst über die Entwicklung. "Vor fünf Jahren war ich allein. Heute beschäftige ich zweieinhalb Leute fest und habe noch 30 weitere Aushilfen, die beim Ausliefern, auf Veranstaltungen und beim Abfüllen helfen." Darunter bis zu zwölf Mitarbeiter der Caritas Wohn und Werkstätten Niederrhein (CWWN). "Es ist für beide Seiten eine wunderbare Zusammenarbeit." Sie kommen zweimal in der Woche und sind fürs Reinigen, Siegeln und Etikettieren der Flaschen zuständig. Und im Sommer will Lehmbrock erstmals einen Ausbildungsplatz zum Bierbrauer ausschreiben.

(RP)
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