Kamp-Lintfort: Flüchtling: "Wir leben hier zu beengt"

Kamp-Lintfort : Flüchtling: "Wir leben hier zu beengt"

Ein irakischer Flüchtling beklagt die Lebenssituation in der Unterkunft an der Friedrichstraße. Er möchte seine Mitbewohner zu einer Demo aufrufen, um auf die Lage aufmerksam zu machen.

Ashraf Taha Mahmood lebt seit 2017 im Flüchtlingsheim in Kamp-Lintfort. Die Lebensbedingungen seien dort aber nicht einfach, sagt der Iraker. "Die Gebäude sind neu und gut. Aber obwohl viele Räume leer stehen, sind wir gezwungen, uns zu zweit ein kleines Zimmer zu teilen", beklagt sich der Mann und kann nicht nachvollziehen, warum die Bewohner der Unterkunft auf engstem Raum leben müssten. "Es teilen sich zeitweise sechs Flüchtlinge die im Haus zur Verfügung stehenden drei Räume samt Toilette und einer kleinen Küche. Für die Toilette steht man dann 30 Minuten an." Nachdem Anfang Februar ein Eritreer versucht hatte, sich das Leben zu nehmen (RP berichtete), sieht sich Ashraf Taha Mahmood bestätigt.

Foto: Dieker Klaus

"Es sorgt sich niemand um unsere Gesundheit. In den Häusern leben Menschen aus unterschiedlichen Nationen zusammen, manche haben psychische Probleme. Es fehlt jedoch die entsprechende Betreuung", bemängelt der Iraker, der zurzeit seinen Master in Agrarwissenschaft absolvieren möchte. "Die Situation macht uns verrückt", erklärt Ashraf Taha Mahmood. Er kritisiert, dass Flüchtlinge, die sich wie er weiterbilden wollen, keine Unterstützung fänden. "Ich habe keinen Platz zum Lernen, noch nicht einmal einen Tisch." Auch die Post käme immer sehr spät an der Friedrichstraße an. "Oft sind es Briefe mit Papieren, für die wir Fristen einhalten müssen." Der Iraker überlegt, eine Demo zu organisieren, um die Vertreter der Stadt auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam zu machen. "Die meisten anderen haben aber Angst, dass sie dann weg müssen." Bernd Kopitzki vom Sozialamt weist die Vorwürfe des Irakers zurück. "Es gibt keinen sachlichen Grund für diese Kritik", sagt er.

Das Flüchtlingsheim an der Friedrichstraße sei eine Gemeinschaftsunterkunft. "Im Vergleich zu anderen Städten haben die Häuser einen hohen Standard - insbesondere nach der baulichen Erweiterung." Und auch die Altbauten seien umfangreich saniert worden. "Der wohnliche Standard ist einfach gehalten", erklärt Kopitzki. Jeder Bewohner habe aber ein Bett, einen Tisch und einen Stuhl. "Es werden alle gleich behandelt, und wir versuchen, jedem Einzelnen gerecht zu werden." Es ist aber so, dass jede Wohneinheit der Unterkunft tatsächlich mit maximal sechs Personen belegt wird. Zwei Leute teilen sich ein Doppelzimmer. "Wir haben uns an der Festschreibung für Unterkünfte auf Landesebene orientiert", erläutert Bernd Kopitzki.

Es sei aber nicht der Fall, dass sich Flüchtlinge unterschiedlicher Nationen ein Zimmer teilen müssen. Dass es an der Friedrichstraße leerstehende Wohneinheiten gibt, bestätigt er ebenfalls. "Das hat seinen Grund." Die Stadt habe 57 Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet. "Nachdem die Unterkunft erweitert und saniert worden ist, möchten wir die Zahl der angemieteten Wohnungen aus Kostengründen reduzieren", so Kopitzki. Die Bewohner müssten je nach ihrem aufenthaltsrechtlichen Status an die Friedrichstraße zurückkehren. Bis Ende August soll die Unterkunft zu 80 Prozent belegt sein. 20 Prozent behalten wir als Reserve." Da die Stadt Kündigungsfristen einhalten müsse, werde die Rückkehr Monat für Monat abgewickelt. Bernd Kopitzki bedauert die Kritik sehr. "Wir versuchen, jedem Landsmann gerecht zu werden. Dass ein Bewohner versucht hat, sich das Leben zu nehmen, ist sehr tragisch. Der Grund hat aber im privaten Bereich gelegen. Wir sind froh, dass wir den Sicherheitsdienst haben. Die Mitarbeiter haben den Mann gerettet", betont Kopitzki.

(RP)
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