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Fichte Linfort: Hochfahren mit angezogener Handbremse

Sport in Kamp-Lintfort : Fichte Linfort: Hochfahren mit angezogener Handbremse

TuS Fichte Lintfort setzt Lockerungsmaßnahmen der Behörden in der Vereinsarbeit um, achtet dabei jedoch auf strikte Einhaltung aller noch bestehenden Beschränkungen. Organisatorische Arbeit steht hoch im Kurs.

„Endlich geht es hier mal wieder in die richtige Richtung“, seufzt Norbert Lewing, der bei Fichte Lintfort die Fußballabteilung als Geschäftsführer leitet. In den vergangenen Wochen kümmerte er sich um die Pflege der Fußballplätze „Am Volkspark“. „Ich kam mir dabei manchmal vor wie der einzige Mensch auf dieser Welt. Stundenlang habe ich keine Menschenseele um mich herum angetroffen“, berichtet Lewing über diese „unwirkliche Situation“. Am Donnerstagabend beriet er mit den weiteren Vorstandsmitgliedern in einer Videokonferenz über die vorsichtige Öffnung der Anlage für den Trainingsbetrieb. Insgesamt 25 Mannschaften der Vereine Fichte und DJK Lintfort könnten davon profitieren.

Gerd Wahle, der Vereinsvorsitzende, begrüßt die Lockerungsmaßnahmen der Bundes- und Landesregierung: „Was wir in den letzten Wochen erlebt haben, halte ich teilweise für überzogen. Wir sind jetzt jedenfalls froh, dass wir unser Vereinsleben wieder Schritt für Schritt aktivieren können. Würde dieser Zustand noch länger andauern, so könnte uns das am Ende Mitgliederaustritte bescheren. Das wäre mittel- und langfristig natürlich ein großes Problem.“ Wahle berichtete über ein Vereinskonzept, das von Jugendleiter Michael Schraven entwickelt wurde. Darin ist vorgegeben, wie die Mannschaften in den nächsten Wochen den Trainingsbetrieb aufnehmen können.

Alle Trainer bekommen diesen Leitfaden ausgehändigt und haben dafür Sorge zu tragen, dass es keine Abweichungen gibt. Einige Beispiele: Da die Sanitäreinrichtungen noch mindestens bis zum 30. Mai geschlossen bleiben sollen, kommen die Kicker bereits in Trainingskleidung zur Platzanlage und verlassen diese nach der zur Zeit auf 60 Minuten reduzierten Übungseinheit unmittelbar wieder. Kinder unter zwölf Jahren dürfen einen Begleiter mitbringen. Ältere Kinder und Jugendlichemüssen das nicht. Zweikämpfe beziehungsweise Trainingseinheiten mit Körperkontakt wird es nicht geben. Die Gastronomie ist noch nicht wieder geöffnet, so dass es auch dort noch nicht wieder zu normalen Begegnungen kommen kann.

„Unsere drei Plätze sind in einem Top-Zustand“, sagt Wahle schmunzelnd und sieht das als einen angenehmen Nebeneffekt der bisherigen Anlagensperrung. Außerdem wurden Wartungsarbeiten, kleinere Reparaturen und Ausbesserungen durch Fremdfirmen vorgenommen, soweit dies möglich war. Um die bisherigen Schritte der Lockerungsmaßnahmen nicht zu gefährden, setzt man im Verein auf die Eigenverantwortung der Übungsleiter. Wahle dazu: „Ich halte nichts von Kontrollen und Überwachung innerhalb des Vereins. Dazu sind die Ordnungsbehörden der Stadt Kamp-Lintfort da. Wir kennen unsere Trainer und Betreuer, und wir wissen, dass sie mit der momentanen Situation entsprechend vorsichtig und sensibel umgehen werden.“ Es gibt auch Stimmen im Verein, die noch sehr zurückhaltend klingen. „Nicht jeder Trainer ist jetzt schon zur Wiederaufnahme der Übungseinheiten bereit“, weiß der Vereinsvorsitzende und bringt auch dafür Verständnis auf.

Eine etwas andere Situation müssen die Kampfsportler der Kuk-Sool-Won-Abteilung bewältigen. Im Gegensatz zu den Fußballern finden Training und Wettkämpfe in der Halle statt. Goran Bojic, Abteilungsleiter der Kampfsportler sagt: „Wir müssen langsam hochfahren – aber mit der angezogenen Handbremse. 150 Mitglieder unserer Abteilung können nicht gleichzeitig wieder zum Training kommen. Kinder, die teilweise erst fünf Jahre alt sind, haben noch kein Gespür für die Situation. Duschen und Toiletten bleiben noch geschlossen. Also müssen wir uns vorsichtig an die neue Situation mit ersten Lockerungsmaßnahmen herantasten.“ Eine Fahrt in eine Jugendherberge war geplant und wurde bislang noch nicht abgesagt. „Ich bin im Austausch mit der Herberge, ob und wann wir dorthin kommen können. Das ist alles sehr viel organisatorischer Aufwand, aber es muss eben sein. Wir haben jetzt lange Zeit die Füsse still gehalten und wollen wieder zur Normalität zurück kommen. Aber auf ein paar Tage mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an“, meint Bojic.

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