Wirtschaft in Kamp-Lintfort Ein grüner Beruf mit Zukunft

Kamp-Lintfort · Immer mehr junge Menschen setzen sich für die Umwelt ein. Doch welcher Ausbildungsberuf nimmt den Naturschutz besonders ernst? Wir stellen einen vor: die Fachkraft für Wasserwirtschaft.

 Ausbilderin Heike Werner (links) unterstützt ihre Schützlinge (auf der rechten Seite von rechts) Maren Londong, Markus Jessen und Felix Rodiek bei den neuen Aufgaben. Katja Gooßens (zweite von links) ist seit Juni mit ihrer Ausbildung fertig.

Ausbilderin Heike Werner (links) unterstützt ihre Schützlinge (auf der rechten Seite von rechts) Maren Londong, Markus Jessen und Felix Rodiek bei den neuen Aufgaben. Katja Gooßens (zweite von links) ist seit Juni mit ihrer Ausbildung fertig.

Foto: Norbert Prümen (nop)

Eigentlich hatte Katja Gooßens andere Pläne. Sie wollte Bauzeichnerin werden – schließlich ist Mathematik ihr Steckenpferd. Doch 2016 entdeckte sie einen Beruf, den sie zuvor nicht kannte: Fachkraft für Wasserwirtschaft. Er habe alles vereint, was sie sich jemals erträumt habe, sagt die 25-Jährige heute. Mathematik, Biologie, den Naturschutz, Arbeit an der frischen Luft. Und das Beste: Am Ende des Tages sieht sie das Ergebnis ihrer Bemühungen.

So verwarf sie alle Pläne, begann die Ausbildung bei der Linksrheinischen Entwässerungsgenossenschaft (Lineg). Durchlief sechs Stationen, zum Beispiel die Bauabteilung oder die Gewässerunterhaltung. Übernahm Aufgaben, die sie forderten: Ihre Kollegen gaben ihr am ersten Tag den Freischneider in die Hand – sie sollte dafür sorgen, dass die Uferböschung den letzten Schliff bekam. „In der Gewässerunterhaltung erledigt man echte Knochenjobs“, sagt Gooßens. „Und es ist total gut, mitzubekommen, was dort jeden Tag körperlich geleistet wird. Mir hat es Spaß gemacht.“

Im Juni schloss sie ihre Ausbildung ab, sitzt seitdem in der Bauabteilung. Und tut dort etwas, das ihr besonders am Herzen liegt: Sie achtet bei ihrer Arbeit immer auf die Auflagen zum Umweltschutz. „Viele denken ja, wir können einfach bauen, wie wir lustig sind“, sagt Gooßens. Doch das stimme nicht. Laut der europäischen Wasserrahmenrichtlinie haben haben unter anderem die Fachkräfte für Wasserwirtschaft bis 2028 die Aufgabe, alle Gewässer in einen guten Zustand zu überführen. Wie das aussehen kann, erklärt Gooßens am Beispiel des Altfeldgrabens: Der sei 2014 von der Lineg naturnah ausgebaut worden. Viele Jahre zuvor, als der Schutz der Natur noch nicht so viel zählte, hatte man ihn kanalartig begradigt, Abstürze hineingebaut, um das Wasser anzustauen und damit dafür gesorgt, dass einige Tierarten ihren Lebensraum verloren. Gooßens Arbeitgeber machte das rückgängig, legte den Altfeldgraben wieder kurvenförmig an und entfernte alle Abstürze. Der Graben wurde mit gewässertypischen Strukturelementen angereichert und seiner natürlichen Entwicklung überlassen.

Nach drei Jahren im Job ist Gooßens sich sicher: Sie hat die richtige Entscheidung getroffen. „Wenn man Vermessungstechnikerin ist, ist man nur Vermessungstechnikerin. In meinem Beruf kann ich im Labor arbeiten, in der Werkstatt, draußen oder drinnen – es gibt so viele Möglichkeiten“, sagt die 25-Jährige. Und: An die Umwelt ist immer gedacht.