Lange Nacht der Industriekultur in Kamp-Lintfort : Kamp-Lintfort fährt eine Extraschicht

Im Rahmen der Landesgartenschau beteiligt sich die Stadt erstmals wieder an der langen Nacht der Industriekultur. Das Programm für die Veranstaltung am 27./28. Juni steht.

Alphorn-Bläser stehen auf den sanften Hügeln des Landschaftsbauwerk „Kleiner und Großer Fritz“.  Stelzenläufer und ein Maskentheater unterhalten das Publikum am Fuß des Förderturms. Die Walking-Band „Musik for the Kitchen“ ist auf der Friedrich-Heinrich-Allee unterwegs. Und zur Mitternacht folgt der krönende Höhepunkt: eine Licht- und Klanginstallation.

Die Extraschicht, zu der sich die Kamp-Lintforter am 27./28. Juni treffen, wird ein Spektakel. 2013 nahm die Stadt zum bislang einzigen Mal an  einer Extraschicht teil. Damals bestand noch Bergrecht auf dem Zechengelände. „Es wurden Teilbereiche eigens für die Veranstaltung zugänglich gemacht“, erinnert sich Petra Niemöller, Leiterin des Kulturbüros. Erstmals führten auch  Bergleute durch den Lehrstollen. „Da steht unsere Teilnahme 2020 unter anderen Vorzeichen“, betont sie.

Das Bild, das sich den Besuchern im Juni bieten wird, hat sich dann grundlegend verändert. Dort, wo früher Kohle gefördert wurde, befindet sich nun ein grüner Zechenpark. Am Förderturm ist ein Quartiersplatz entstanden, und im Informationszentrum „Stadt und Bergbau“ erfahren Besucher Wissenswertes über die Geschichte Kamp-Lintforts. Das Kulturbüro hat das Programm für die Extraschicht geplant und bei der Ruhr-Tourismus-GmbH eingereicht. Die Gesellschaft koordiniert das Extraschicht-Netzwerk, denn die lange Nacht der Industriekultur findet am 27. Juni an insgesamt 50 Standorten im Ruhrgebiet statt. Mehr als 200.000 Besucher werden erwartet. Das Kulturfestival wurde 2001 aus der Idee geboren, das industriekulturelle Erbe der Region sichtbar zu machen und gezielt miteinander zu vernetzen.

Das Programm in Kamp-Lintfort wird aus Mitteln der Stadt und der Laga-GmbH finanziert. Das Budget beträgt 25.000 Euro. Die Stadt verspricht sich viel von der Teilnahme an der Extraschicht. Sie hofft, dass die Veranstaltung noch mehr Menschen zu einem Besuch der Landesgartenschau mit ihren Ausstellergärten und Blumenhallen bewegen wird. Das Kulturbüro fasst das Programm mit drei Worten zusammen: „Sehen, machen, genießen.“ Es wird getanzt, gesungen und gerockt mit „De la Mina aus’m Pütt“ und der Krankenhausband „White Room“.

Auf dem Quartiersplatz lädt Dorothea Wenzel die Besucher ein, zusammen Papierhüte zu basteln. Der Essener Künstler Peter Reichenbach stellt das Sevengardens-Netzwerk vor, das in Kamp-Lintfort sehr erfolgreich läuft. Die Fahrt zur Aussichtsplattform des Förderturms von Schacht I ist in der langen Nacht der Industriekultur gratis. Führungen gibt es auch durch den Lehrstollen und das neue Informationszentrum „Stadt und Bergbau“, das bis dahin fertig eingerichtet sein soll.

Wandbilder, Monitore und anderen Medien geben einen detaillierten Einblick in die Stadtgeschichte und Stadtentwicklung. Themen sind der Dreiklang „Kloster, Kohle und Campus“, die Geschichte der Stadt vom Mittelalter bis zur Gegenwart, der Bergbau am linken Niederrhein ab 1851, der Bau der Zeche Friedrich Heinrich, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg, die letzte Schicht und die Vorstellung des Bergmann-Berufs.

Auch die Geologie wird Thema sein. Geplant ist, Bergbau-Maschinen auf dem Freigelände und in einer offen gelegten Remise zu präsentieren. Seit Anfang März hat das Informationszentrum eine hauptamtliche Leitung. Nach der Landesgartenschau können Interessierte hier Führungen durch den Lehrstollen, auf den Förderturm, im Haus des Bergmanns und durch die Alt- und Beamtensiedlung buchen. Ein Konzept ist in Erarbeitung.