Kamp-Lintfort: Ex-Kumpel schlichtet jetzt Streit

Kamp-Lintfort: Ex-Kumpel schlichtet jetzt Streit

Der 50-jährige Jörg Henning schlichtet bergmännisch. Erfahrungen hat er als Betriebsrat des Lintforter Bergwerkes, als ehrenamtlicher Richter beim Arbeitsgericht und als IGBCE-Ortsgruppen-Vorsitzender gesammelt.

Vor wenigen Tagen verhandelte Jörg Henning seinen ersten Fall. Wieder miteinander zu sprechen, ist ein Ziel, das der 50-jährige Kamp-Lintforter erreichen will, wenn er streitende Menschen zu sich einlädt. "Oft sind es Nachbarschaftsstreitigkeiten, wenn der Baum und die Hecke zu nah an der Grundstücksgrenze stehen oder wenn es im Hausflur immer laut zugeht", hat er von seinem Vorgänger Klaus Kuntzsch erfahren. "Dazu kommen auch andere Dinge, zum Beispiel Beleidigungen."

Kuntzsch sprach Jörg Henning an, ob er nicht auch Schiedsmann werden wolle, nachdem er eine eigene Nachbarschaftsstreitigkeit geschlichtet hatte. "Wir kannten uns über den Bergbau", erzählt der neue Schiedsmann, der nach seiner Mittleren Reife Elektriker auf dem Bergwerk "Friedrich Heinrich" wurde.

Der neue Schiedsmann sieht sich in seiner Tradition, zumal er sah, wie sehr sich der scheidende Schiedsmann freute, einen Nachfolger gefunden zu haben. "Er wollte sein Amt nach 22 Jahren nicht einfach abgeben", blickt Jörg Henning zurück, der sich die Schiedsarbeit mit Schiedsfrau Sibel Toroman teilt. Dabei bringt er seine Erfahrung mit, Personen zuhören und Gespräche führen zu können. Das lernte er als Betriebsrat auf dem Kamp-Lintforter Bergwerk. Dieses Amt bekleidete er von 2002 bis 2010, ab 2007 war er freigestellt.

Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit war er bis 2013 und somit über ein Jahr über das Ende des Bergwerkes West hinaus. Außerdem engagierte er sich als ehrenamtlicher Richter beim Arbeitsgericht Wesel. Dieses Ehrenamt übernahm er Ende 2007. Ferner ist er seit der Fusion 2012 Vorsitzender der Kamp-Lintforter Ortsgruppe der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie.

Vor der Fusion war er sechs Jahre lang Vorsitzender der Ortsgruppe West gewesen. "Vor dem Arbeitsgericht gibt es meistens Kompromisse und nicht selten zwei Verlierer", vergleicht er die Verfahren vor Gericht und vor dem Schiedsamt.

"Bei einer Schlichtung sind es auch Kompromisse, aber nicht mit zwei Verlierern, sondern manchmal mit zwei Gewinnern. Dazu kostet die Schichtung viel weniger." Trotzdem dachten Jörg Henning und seine Lebensgefährtin lange nach, bevor er das Ehrenamt annahm. "Ich weiß nicht, welche Menschen mir gegenübersitzen", erzählt der neue Schiedsmann. "Aber das ist gleichzeitig das Interessante."

(got)