Evangelische Pfarrer in Lintfort wechseln

Kirche in Kamp-Lintfort : Evangelische Pfarrer in Lintfort wechseln

Vier gehen im Laufe des Jahres in den Ruhestand. Zwei neue kommen. Sie stellen sich der Gemeinde vor.

So einen Wechsel hat es in der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Lintfort noch nicht gegeben und ist auch für den Kirchenkreis Moers einmalig. 2020 gehen alle vier Pfarrer in den Ruhestand, um durch zwei neue ersetzt zu werden. Zuerst verabschiedet sich Michael Ziebuhr, der Pfarrer der Christuskirche. Am Ostermontag, 13. April, beginnt um 15 Uhr sein Abschiedsgottesdienst im Gotteshaus an der Friedrich-Heinrich-Allee. Am 1. August um 15 Uhr sagen gleich drei Pfarrer in der Kreuzkirche Adé: Klaus Rosorius, Susanne Rosorius sowie Peter Muthmann. Letzter war Pfarrer für den Niersenbruch und die evangelische Kirchengemeinde Bönninghardt. Die Kirchengemeinde Lintfort setzte sich frühzeitig mit dem Wechsel auseinander, zum Beispiel vor knapp zwei Jahren auf einer dreitägigen Klausur des Presbyteriums, auch weil sie zukünftig nicht mehr 3,5 Pfarrstellen hat, sondern nur noch 2,5. „Pfarrer zu finden, ist nicht leicht“, erklärt Lutz Zemke als Vorsitzender des Presbyteriums. „Es fehlt der Nachwuchs, weil es nur wenige Studenten der evangelischen Theologie gibt.“ Einen dieser weniger Studenten konnte die Kirchengemeinde vor zwei Jahren gewinnen.

Michael Hammes Die Kirchengemeinde stellte Anfang 2018 Michael Hammes als Pfarrer im Probedienst ein, nachdem er sein zweites Examen abgelegt und seine zwei Jahre als Vikar abgeschlossen hatte. Am Sonntag hielt er um 10 Uhr einen Probegottesdienst in der Christuskirche und um 11.15 Uhr in der Kreuzkirche, dem sich ein Gespräch anschloss. Am Dienstag legt er um 11 Uhr im Kindergarten Regenbogen, der neben diesem Gotteshaus an der Geisbruchstraße liegt, in einer Probekatechese eine Bibelstelle aus. Der 33 Jahre alte Pfarrer gestaltete schon als Jugendlicher in Solingen-Ohligs Gottesdienste für Kinder mit, war in der Konfirmanden- und der Seniorenarbeit aktiv. Sein Vater Klaus Hammes ist Pfarrer dieser evangelischen Kirchengemeinde. Nachdem er am Humboldt-Gymnasium in Solingen sein Abitur abgelegt und als Zivildienstleistender in einer Schule für geistig sowie körperlich Behinderte gearbeitet hatte, nahm er 2008 in Wuppertal ein Studium der evangelischen Theologie auf. Anfangs studierte er nicht auf das Pfarramt, sondern auf das Lehramt für Grundschulen. „Im Austausch mit den anderen Studierenden habe ich gemerkt, dass mir das Pfarramt am Herzen liegt“, begründete er seinen Wechsel, als er vor zwei Jahren in Kamp-Lintfort begann. Michael Hammes bringt Gott gerne mit Bildern und Geschichten nahe, zum Beispiel wenn er Kindergottesdienste gestaltet. Er soll Pfarrer der Christuskirche werden.

Frank Hartmann Der zweite neue Pfarrer war auch schon als Jugendlicher aktiv, allerdings nicht in der evangelischen Gemeinde in Solingen-Ohligs, sondern in der Baptistengemeinde in Mülheim an der Ruhr. Nach Abitur und Zivildienst studierte Frank Hartmann in Bochum Theologie, um Baptistenpfarrer zu werden. Als er sich in seiner Doktorarbeit mit Johann Heinrich Horb, einem evangelischen Pietisten, auseinandersetzte, begann er, den Pietismus zu lieben, nach dem nicht nur die Lehre, sondern auch das Leben christlich zu sein hat. 1993, mit 30 Jahren, trat er in die evangelische Kirche ein.

Seit Juni 2012 ist der promovierte Theologe evangelischer Pfarrer in Neukirchen. Er liebt die zeitweilige Einsamkeit, das Sich-Entfernen von der Zivilisation, zum Beispiel wenn er Urlaub in Norwegen macht, wo im Sommer blaue klare Fjorde mit weißen schneebedeckten Bergen zusammentreffen. Vielleicht sind seine Predigten so geschätzt, weil sich dieser Gegensatz von In-der-Welt-Sein, aber nicht Von-dieser-Welt-Sein darin spiegelt. Für Gottesdienste nimmt er sich Zeit, wie für Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen. Verwaltungsaufgaben würde er gerne reduziert sehen, wie in Norwegen. „Aber den Himmel auf Erden gibt es nicht“, sagte er im Gespräch mit der Rheinischen Post, als er Pfarrer in Neukirchen wurde. Am Sonntag in zwei Wochen, dem 26. Januar, hält er um 10 Uhr einen Probegottesdienst in der Christuskirche und um 11.15 Uhr einen in der Kreuzkirche. Er soll ab dem 1. Juni Pfarrer der Kreuzkirche werden.

Unbesetzte Stelle Eine halbe Stelle bleibt zunächst unbesetzt. „Wir bilden mit den Kirchengemeinden Neukirchen-Vluyn und Hoerstgen eine Region im Kirchenkreis“, sagt Lutz Zemke. „Eine halbe Stelle zu besetzen ist schwierig. Zusammen mit den anderen könnte es eine ganze werden. Dann ist es leichter.“ Mehr über die Gemeinde unter https://kirche-lintfort.de/