Kamp-Lintfort: Er hält verfallende Pracht im Bild fest

Kamp-Lintfort: Er hält verfallende Pracht im Bild fest

Der Krefelder Fotograf Sven Fennema macht faszinierende Bilder vom Inneren verlassener, alter Gebäude. Nun stellt er seine Werke ab Sonntag unter dem Titel "Tales of Yesteryear" im Gewölbekeller des Klosters Kamp aus.

Wer die Werke von Sven Fennema aus der Distanz betrachtet, glaubt zunächst, es seien Gemälde. Erst wenn man direkt davor steht, stellt man fest, dass es tatsächlich Fotografien sind. Die leuchtenden Farben und das sanfte Licht verblüffen. Und die Motive sind gleichzeitig wunderschön und beklemmend.

Der in Krefeld lebende Fotokünstler stellt ab Sonntag unter dem Titel "Tales of Yesteryear" im Gewölbekeller des Klosters Kamp aus. Der Ort passt sehr gut, denn Fennema hat eine Vorliebe für alte Gebäude und ihr Innenleben, oder eher, was davon geblieben ist. "Ich bin schon als Kind in alte Häuser eingestiegen", erzählt er.

In vielen europäischen Ländern hat er in den vergangenen Jahren. alte, unbewohnte Herrenhäuser, Kliniken, Hotels und Fabriken betreten. Die Bilder sind aber nicht in erster Linie dokumentarisch, obwohl zum Teil Gebäude abgebildet sind, die es schon nicht mehr gibt, und obgleich Fennema zu jedem Bild viele interessante Fakten berichten kann. Eher scheinen die Bilder eine Bühne für Träume zu bieten, die schön und schlimm sein können. Dank Fennemas Technik der mehrfachen Belichtung und der späteren subtilen Nachbearbeitung gewinnt der Betrachter den Eindruck, die Wände der Säle und Treppenhäuser strahlten allmählich jenes Leben ab, mit dem sie sich aufgeladen hatten, als noch Menschen zwischen ihnen lebten.

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Seit 2007 ist Sven Fennema, der in Xanten geboren wurde, Fotograf. Schon zwei Jahre später begann er in Deutschland und international auszustellen und Fotobände zu veröffentlichen. Auch zu "Tales of Yesteryear" ist ein gleichnamiger Band erschienen, der in mehreren Buchhandlungen der Region bereits vorrätig ist. Der Titel lässt sich frei übersetzen mit "Erzählungen vom Vorgestern" oder "Geschichten aus der Vergangenheit". Morbide Romantik im Stile der Goth-Bewegung liegt dem Künstler aber fern. "Es gibt eine Szene, die sich in solchen Häusern trifft und dort dann Unfug anrichtet, Vandalismus und ähnliches." Um diese Leute nicht anzulocken, bleibt er bei der Lokalisierung der Objekte, die er fotografiert hat, eher zurückhaltend. Mit viel Erfolg sei er durch Italien gereist. "Dort sind die Leute gern bereit, alte Häuser in der Nachbarschaft zu zeigen, und sie verstehen auch, warum jemand dort Fotos machen möchte." In Ostdeutschland, wo er ebenfalls unterwegs war, sei er dagegen häufiger auf Unverständnis gestoßen. Oft habe er von Einheimischen gehört: "Was woll'n Sie denn da drinnen? Ist doch alles kaputt."

Natürlich holt Fennema, bevor er die alten Gebäude betritt, immer die Genehmigung des Eigentümers ein, vorausgesetzt, dies ist überhaupt noch möglich. Bei aller Liebe zur Kunst - als Einbrecher möchte er nicht gelten.

Info "Tales of Yesteryear" ist ab Sonntag, 29. Juni, bis zum 19. Oktober im Gewölbekeller Kloster Kamp zu sehen. Geöffnet ist werktags 9 bis 17 Uhr, samstags 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

(RP)
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