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Entschleunigen auf der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort

Viele Besucher in Kamp-Lintfort : Entschleunigen auf der Gartenschau

Die Menschen scheinen auf den Beginn gewartet zu haben, auch wenn einige Parzellen noch nicht bewirtschaftet sind. Sie genießen das „Entspanntsein“ auf dem Laga-Gelände, das auch einen neuen Blick auf Gebäude des Bergwerks bietet.

Alle Schaukelsitze sind belegt, die in den riesigen Platanen hängen. Nicht nur Kinder sitzen darin, sondern auch Erwachsene. Freischwebend genießen sie die Atmosphäre, die an diesem ersten Wochenende nach der Eröffnung auf dem Landesgartenschau-Gelände – dem ehemaligen Steinkohlenbergwerk „Friedrich Heinrich“ – herrscht.

Ein paar Meter von den Platanen-Schaukeln entfernt war bis 2012 betörender Lärm in der Kohlewäsche zu hören. Genau 100 Jahre lang wurden dort ab 1912 Steine vom schwarzen Gold getrennt. Nachdem das Gelände in den vergangenen Monaten einem Ameisenhaufen glich, weil hunderte von Menschen darauf gruben, planierten, pflanzten und nebenbei einen Hügel anlegten, ist jetzt Ruhe eingekehrt,

Diese Ruhe wird auch nicht von den zahlreichen Besuchern gestört. Die meisten von ihnen scheinen sie geradezu zu suchen, um in grüner Umgebung die Hektik des Alltags hinter sich zu lassen. Sie kommen mit dem Fahrrad aus der näheren Umgebung des Niederrheins an, zum Beispiel aus Moers oder Neukirchen-Vluyn. Ihre Drahtesel stellen sie unweit des Haupteingangs ab, der neben dem Fördermaschinenhaus in der Nähe des kleinen grünes Fördergerüstes liegt. Autos auf dem Parkplatz stammen größtenteils aus dem Ruhrgebiet und der Region Düsseldorf.

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Bis zu 7500 Besucher seien auf dem insgesamt 40 Hektar großen Gelände gleichzeitig zugelassen, sagt Laga-Geschäftsführer Martin Notthoff: „Die genauen Besucherzahlen werden bei Landesgartenschauen in den ersten vier Wochen grundsätzlich nicht genannt, mit der Resonanz der ersten Tage sind wir aber sehr zufrieden.“

Neben extra viel Grün ermöglicht die Gartenschau auch einen ganz neuen Blick auf die einstigen Gebäude des Bergwerkes, die in Kamp-Lintfort vor gut 100 Jahren in einer Mischung aus Neoklassizismus und Jugendstil an der Friedrich-Heinrich-Allee errichtet wurden. „Das Gebäude sieht wie ein Schloss aus“, beschreibt zum Beispiel eine Besucherin aus Kamp-Lintfort den Schirrhof im Süden des Geländes. „Ich hatte es noch gar nicht wahrgenommen.“ Die Lohnhalle nennt sie „einmalig schön“.

Besonders beliebt sind die Gehege des Streichelzoos Kalisto mit Erdmännchen und Hühnern, Ziegen und Alpakas, die von den Besuchern mit Gras und Hühnerfutter gefüttert werden können. Dort lassen sich nicht nur Kinder viel Zeit, sondern auch Erwachsene. Einige Parzellen, auf denen sich Vereine, Gruppen und Verbände präsentieren, werden erst in den nächsten Tagen komplett fertig und personell besetzt.

Zeit nehmen sich die Gäste auch, wenn sie den barocken Terrassengarten des Klosters Kamp anschauen, der zum Laga-Gelände gehört und über den Wandelweg mit diesem verbunden ist. Dort sitzen sie um den Springbrunnen herum, hören das Wasser plätschern und schwingen sich in die Zeitlosigkeit ein.