Kamp-Lintfort: Eine Flasche erzählt Bergmannsgeschichte

Kamp-Lintfort : Eine Flasche erzählt Bergmannsgeschichte

Fritz Raßmann baut Geduldsflaschen mit Bergmannsfiguren, die sehr den Buddelflaschen ähneln. Eine schenkte der Ex-Kamp-Lintforter jetzt dem Haus des Bergmanns.

Auf den ersten Blick sehen sie wie Buddelflaschen aus, selbst wenn in ihnen keine Schiffe liegen, sondern Bergmannsfiguren stehen. "Es sind Geduldsflaschen, die mit Buddelflaschen nichts zu tun haben", erklärt Flaschenbauer Fritz Raßmann. "Buddelflaschen liegen, Geduldsflaschen stehen. Zudem werden die Segelschiffe für eine Buddelflasche außerhalb zusammengebaut. In der Flasche werden die Masten hochgezogen. Bei einer Geduldsflasche werden die Teile erst in der Flasche gerichtet und zusammengesetzt. Deshalb heißen sie auch Eingerichte." Eine solche Flasche schenkte Fritz Raßmann jetzt dem Haus des Bergmanns in Kamp-Lintfort. Jörg Kaenders und Manfred Reis nahmen sie in Empfang. Sie sind Vorstandsmitglieder in der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein, die das Museum betreut.

Rund 80 Stunden saß Fritz Raßmann in seinem Werkzeugkeller, um elf Bergmannsfiguren herzustellen und in die Flasche zu setzen. Sie tragen die elf Fahnen von zehn linksniederrheinischen Knappenvereinen. "Ich drehe die Figuren aus Buchenholz", erzählt er. "Dann lackiere ich sie. Später setze ich sie in die Flasche." Meistens ist es ein Dreilitergefäß, in dem einmal "Asbach Uralt" lagerte, selbst wenn mittlerweile auch Cognac-Hersteller die Magnumflasche als Geschenk für Geburtstage und Hochzeiten für sich entdeckt haben.

Im Glas stellt Fritz Raßmann die Figuren oft auf Kreuze, die übereinanderliegen und sich drehen können. "Für ein Kreuz werfe ich zwei Holzstücke in die Flasche", berichtet der einstige Schlosser des Bergwerkes "Friedrich Heinrich". "Ich füge sie mit langen, schmalen Werkzeugen zusammen. Sie haben Greifer, die ich über Seilzüge steuere. Für den Bau einer Geduldsflasche brauche ich zwei Wochen. Ich muss immer wieder Pausen einlegen, damit die geklebten Stellen austrocknen können", erzählt der Tüftler. Die Tradition, Geduldsflaschen zu bauen, lernte er 2005 kennen, als er beim Aufbau des Vogtländisch-Böhmischen Mineralienzentrums Schneckenstein bei Klingenthal half. "Im Erzgebirge ist die Tradition der Geduldsflaschen schon mehr als 300 Jahre alt", berichtet der 64-Jährige, der zuletzt Bezirksleiter der IGBE in Ibbenbüren war und dort auch seinen ersten Wohnsitz hat. "Ich war seit 2000 erwerbsunfähig, habe immer ein Hobby gesucht und wollte keine Bierdeckel sammeln. So habe ich mir die Kunst zeigen lassen, Geduldsflaschen zu bauen."

Zwischen zwei und vier Flaschen baut er seitdem im Monat, um darin die Bergbaugeschichte ruhen zu lassen. Rund 350 sind es mittlerweile insgesamt. Viele davon verschenkt er, beispielsweise an das Stadtmuseum Ibbenbüren, an Bekannte und jetzt an das Haus des Bergmanns. Schließlich hat er noch einen engen Kontakt zu seiner Heimatstadt, in der der Familienvater bis zu seinem 27. Lebensjahr wohnte und arbeitete, bevor er als Gewerkschaftssekretär ins niedersächsische Ibbenbüren versetzt wurde.

Der einstige Jugendvertreter des Bergwerkes "Friedrich Heinrich" in Kamp-Lintfort gehört dem Freundeskreis der ehemaligen Betriebsräte an, die sich einmal im Monat treffen. Außerdem ist er Mitglied der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition. "Ibbenbüren liegt nur 170 Kilometer von Kamp-Lintfort entfernt", berichtet Fritz Raßmann und fügt hinzu: "Zweimal im Monat bin ich für einige Tage hier."

(RP)
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