Ein Nest für alle Kinder in Kamp-Lintfort

Keine Angst vor dem Jugendamt : Ein Nest für alle Kinder in Kamp-Lintfort

Das Kindernest ist eine Kooperation von Stadt Kamp-Lintfort und Grafschafter Diakonie. Die Einrichtung bietet Eltern mit Kindern bis drei Jahren frühe Hilfen an.

Petra Treeter ist Erzieherin, Familientherapeutin und Kinderschutzfachkraft. Seit mehr als zehn Jahren steht sie im Kamp-Lintforter Kindernest Schwangeren, Eltern und Alleinerziehenden mit all ihrer beruflichen Erfahrung und ihrem Wissen zur Seite. Helfen, bevor es zu spät ist – so lautet ihr Auftrag. Sie ist zugleich Erziehungsberaterin, Lotsin durch das vielfältige Angebot der weitergehenden frühen Hilfen und Netzwerkerin für Familien mit Kindern bis zu drei Jahren. Das Kindernest ist ein präventives Angebot der Kooperationsgemeinschaft Grafschafter Diakonie und Jugendamt der Stadt Kamp-Lintfort „Ich bin seit der Gründung dabei“, erzählt Petra Treeter, die selbst Mutter von drei Kindern ist.

Vor rund zehn Jahren gaben sich viele Kommunen im Rahmen der „sozialen Frühwarnsysteme“ den Auftrag, die Familien frühzeitig zu erreichen und ihnen ein individuelles Unterstützungssystem anzubieten. Möglichst alle professionellen Akteure, die Kontakt zu Schwangeren und jungen Familien haben, sollten miteinander vernetzt werden. Das Kindernest in Kamp-Lintfort hat seither Netzwerkstrukturen mit niedergelassenen Ärzten, den Geburtskliniken in der Region, mit Hebammen, dem Haus der Familie, Gesundheitsamt, Drogenberatungsstelle, Kindertagesstätten und Frühförderstellen aufgebaut.

Petra Treeter und ihre Kollegin Ina van Buren, beide Grafschafter Diakonie, warten nicht darauf, dass Eltern von selbst kommen. Sie nehmen aktiv Kontakt auf – durch die Babybegrüßungsbesuche (RP berichtete) beispielsweise. Denn während sich Eltern vor der Geburt ihres Kindes durch Hebammen, Vorbereitungskurse und Termine beim Frauenarzt gut versorgt fühlten, so heißt es auf der städtischen Homepage, entstehe nach der Geburt oft ein Vakuum, das in der Regel erst mit dem Eintritt ins Kindergartenalter wieder gefüllt werde. „Es gibt für die ersten drei Lebens Jahre eine Vielzahl an Angeboten“, erläutert Petra Treeter. Das Kindernest bietet nicht nur Information. „Wir sind regelmäßig in den Kindertagesstätten in der Stadt zu Gast und bieten Elterngespräche und Erziehungsberatung an.“ Oft geht es dann um Erziehungsfragen: Warum ist mein Kind so bockig? Wie schlichtet man Streitigkeiten unter Geschwistern? Das Kindernest will vor allem auch Anlaufstelle für Eltern und Alleinerziehende in familiären Krisensituationen sein: „Wenn nötig, bieten wir Beratungsgespräche in einer geschützten Atmosphäre an, auch anonym“, sagt die Kindernest-Mitarbeiterin. 191 Beratungskontakte zählte das Kindernest 2018. „Wir informieren über Unterstützungsleistungen in der Schwangerschaft, über Eltern- sowie Kindergeld, helfen beim Ausfüllen von Antragsunterlagen, beantworten Unterhaltsfragen und bieten Lebens-, Ehe- und Partnerschaftsberatung an.“ Das Kindernest organisiert auch Schulungen für die Mitarbeiter in den Kitas und in der Tagespflege an. Darüber hinaus unterstützt das Team Familien bei der Optimierung der Haushaltskasse und der Suche nach Betreuungsmöglichkeiten fürs Kind. Auch die Vermittlung von Hebammen gehört zu den Aufgaben. „Es kommen viele Frauen schon in der Schwangerschaft zu uns“, berichtet Petra Treeter. Seit Januar 2017 hat das Kindernest in Kamp-Lintfort auch einen festen Standort an der Montplanetstraße 4. Dort hat sich ein Familienstützpunkt etabliert, der Anlaufstelle für Familien rund um das Thema Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach ist. Experten stehen dort jungen Familien mit Rat und Tat zur Seite. Es finden Hebammen- und Babysprechstunden statt.

„Wir suchen weitere Hebammen, die sich mit ihren Ideen und Angeboten einbringen wollen“, sagt Petra Treeter. Täglich gibt es ein wechselndes Programm. Montags geht es beispielsweise um das „Kleine Einmaleins des Elternseins“, dienstags trifft sich eine Selbsthilfegruppe für Eltern von Kindern mit besonderem Verhalten, mittwochs öffnet morgens das Zwergencafé, nachmittags nutzen die „Erdmännchen“, eine Spielgruppe für Kinder ab einem Jahr, die Räume des Familienstützpunktes. Am Donnerstag öffnet das Elterncafé mit Spielangeboten für Kinder bis zu drei Jahren. Es finden regelmäßig Veranstaltungen zu verschiedenen Themen statt – wie Reiseapotheke, Hausmittel bei Erkältungen oder Sprachförderung. Der Familienstützpunkt ist hell, modern gemütlich eingerichtet: Es gibt eine Küche mit einem langen Tisch, eine bunte Spielecke für die Kinder, einen Babywickeltisch und einen Gymnastikraum, in dem Rückbildungskurse angeboten werden.

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