Ein Blick ins Goldene Buch der Stadt Kamp-Lintfort.

Das Goldene Buch im Rathaus in Kamp-Lintfort : Als Willy Brandt Kamp-Lintfort besuchte

Das Goldene Buch der Stadt Kamp-Lintfort wurde erstmals 1950 aus Anlass der Stadtgründung geöffnet. Als erster unterschrieb der damalige Bürgermeister Robert Schmelzing. Es folgten weitere Prominente.

Zweimal wurde Kamp-Lintfort von Bundeskanzlern besucht. Am 10. November 1972 machte Bundeskanzler Willy Brandt in der 40.000-Einwohner-Stadt Station, um in der Stadthalle vor Sozialdemokraten zu sprechen. Der Friedensnobelpreisträger stand in der heißen Phase des Wahlkampfes zum siebten Bundestag, die er am 19. November 1972 für die SPD und sich entschied. Er trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein.

Am 17. April 2005 schaute Bundeskanzler Gerhard Schröder in der Bergbaustadt vorbei, um in der Eyller Halle vor Bergleuten bei einer Betriebsversammlung des Lintforter Bergwerkes zu sprechen. Der Sozialdemokrat stand noch nicht im Wahlkampf, der für ihn erst gut sechs Wochen später begann, als er am 1. Juli 2005 die Vertrauensfrage stellte, verlor und zurücktrat. Er trug sich nicht ins Goldene Buch der Stadt ein.  Gerhard Schröder war von Bergwerk und Gewerkschaft eingeladen worden, nicht von der Stadt. Er wollte die Bergleute beruhigen. Deshalb unterschrieb er nicht im Goldenen Buch der Stadt. Zudem war er mit dem Helikopter gekommen. Der Termin war zeitlich eng abgesteckt gewesen. Wenn sich der Bundeskanzler ins Buch eingetragen hätte, hätte das unpassend gewirkt.

 Das Goldene Buch wurde „zu den Feierlichkeiten aus Anlass der Stadtwerdung am 12. Februar 1950 … eröffnet und aufgelegt“, wie es auf der ersten Seite heißt, nachdem am 7. Januar 1950 die Urkunde zur Stadterhebung in Düsseldorf unterschrieben worden war. 150 Unterschriften finden sich unter dieser Überschrift, die von einem Kalligraphen oder Schönschreiber gezeichnet worden war.  Als Erster unterschrieb Bürgermeister Robert Schmelzing mit schwarzer Tinte mit „Schmelzing Bürgermeister“, als Zweiter Stadtdirektor Gerhard-Johann Janssen mit „Janssen Stadtdirektor“.

Der Festakt fand in der Aula der Mittelschule statt, mit der das Goldene Buch der Stadt eng verbunden ist, weil in ihre alle großen Festakte über die Bühne gingen, bis 1966 die Stadthalle fertiggestellt wurde. Zum zweiten Mal wurde an der Friedrich-Heinrich-Straße das Goldene Buch, das Beschläge wie ein Buch aus dem Mittelalter hat, aufgeschlagen, als Landesarbeitsminister Johann Ernst die Wirtschaftsschau „Schaffen und Streben“ eröffnete.

Der Christdemokrat kam am 29. September 1951, um sich die Schau auf dem Platz anzusehen, auf dem am 21. Januar 1983 das Rathaus eingeweiht wurde, was auch im Goldenen Buch zu finden ist.  Dagegen ist nicht vermerkt, als Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) am 5. März 1995 die Aktion Zufluchtstätte Christuskirche besuchte, um zu sehen, wie die Frauen der Bergleute für die weitere Subventionierung des Steinkohlenbergbaus kämpften, worüber sogar in der „New York Times“ berichtet wurde. Er war auf Einladung der Frauen gekommen.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) trug sich ein, als er am 24. September 2018 die Hochschulstadt besuchte, um eine Schirmherrschaft für die Landesgartenschau zu übernehmen und einen amerikanischen Amberbaum zu pflanzen. Nicht vermerkt sind die Handballer des TuS Lintfort, als sie 1959 ihre erste deutsche Meisterschaft im Feldhandball gewannen. Wahrscheinlich war das im Jubel einfach vergessen worden. Die Spieler um Kapitän Manfred Klein trugen sich dafür zwei Jahre später ein, als der TuS Lintfort 1961 seine zweite deutsche Meisterschaft im Feldhandball holte.

 Im Jahr 2020 könnte das Goldene Buch zweimal aufgeschlagen werden. Zum einen feiert die Stadt Kamp-Lintfort ihren inzwischen 70. Geburtstag, möglicherweise mit dem Neujahrsempfang, zu dem Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt im Januar 2020 einladen könnte. Zum anderen eröffnet am 17. April 2020 die Landesgartenschau im neuen Zechenpark und auf dem Kamper Berg. Dann dürfte Kamp-Lintfort deutschlandweit genauso in Zeitungen und Fernsehen präsent sein wie schon 25 Jahre zuvor mit der Aktion „Zufluchtstätte Christuskirche“, dann aber wohl mit Eintrag ins Goldene Buch.

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