Ehemalige Siemens/BenQ-Immobilien in Kamp-Lintfort sind fast komplett vermarktet.

Unternehmen in Kamp-Lintfort : Südstraße – fast alle Flächen vermarktet

Dort, wo Siemens und BenQ bis 2006 Handys produzierten, hat sich ein bunter Mix an Unternehmen und Behörden angesiedelt. Mit dem Einzug des Finanzamtes ist die Immobliengruppe an der Südstraße fast komplett vermarktet.

Vor 13 Jahren gingen an der Südstraße die Lichter aus: BenQ machte Pleite, das Handywerk, das neben dem Bergwerk West größter Arbeitgeber in Kamp-Lintfort war, schloss. „Es sah für die Stadt übel aus“, erinnerte sich Bürgermeister Christoph Landscheidt am Montag. „Wer die Historie dieses Standortes kennt, weiß auch, welchen Stellenwert es für uns hat, dass heute alle Immobilien weitgehend vermarktet sind.“ Neuester Mieter: das Finanzamt (RP berichtete). „Es ist zum Glück, alles anders gekommen, als wir es befürchtet hatten.“

Das KRZN war Pionier an der Südstraße. Jonas Fischer und Horst Hermanns (rechts) begrüßten Bürgermeister Christoph Landscheidt und Marc Hellmich. Foto: Anja Katzke

Am Montag besuchte Landscheidt zusammen mit Wirtschaftsförderer Dieter Tenhaeff die Behörden und Unternehmen, die sich in der Zwischenzeit in dem Gebäude-Ensemble angesiedelt haben. Pionier war das Kommunale Rechenzentrum (KRZN), das schon 2007 die Gebäude, die parallel zur Friedrich-Heinrich-Allee liegen, aus der Insolvenzmasse heraus gekauft hatte. Es folgte 2008 die Hellmich-Unternehmensgruppe aus Dinslaken. Sie erwarb das Ex-BenQ-Siemens-Gelände einschließlich aller Bürogebäude sowie der Produktions-, Logistik- und Lagerflächen, um sie weiter zu vermarkten. „Das Areal umfasst rund 100.000 Quadratmeter“, erläuterten am Montag Marc Hellmich und Generallbevollmächtigter Thomas Blatt. „Es handelt sich hier um eine Top-Lage mit einer ausgezeichneten Infrastruktur“, begründete Hellmich den Kauf der Immobilien. Dafür habe auch die direkte Autobahnanbindung an A 42 und A 57 gesprochen. Und Siemens scheint in Kamp-Lintfort für die Zukunft gebaut zu haben: Alle neuen Bewohner lobten die gute Gebäudesubstanz der Immobilien. „Der Baukörper ist flexibel und war für uns von den Räumlichkeiten her frei einteilbar“, berichteten Jonas Fischer und Horst Hermanns als Geschäftsleitung des KRZN.

Das Finanzamt zog Ende 2018 von Moers nach Kamp-Lintfort. Foto: Anja Katzke

Seit dem Umzug 2008/09 von Moers nach Kamp-Lintfort sei das Kommunale Rechenzentrum deutlich gewachsen. Anfang 2019 schloss sich der Kreis Mettmann dem Zweckverband an, der heute 400 Stellen umfasst. „Wir wollen den Standort weiter attraktiv halten und die Gebäude durch Renovierungen vernünftig unterhalten“, betonte Jonas Fischer. Als nächstes sei in Sachen E-Mobilität die Anschaffung von fünf Ladesäulen geplant. Mehr als zufrieden zeigten sich auch die Mitarbeiter des Finanzamtes mit den Räumlichkeiten am neuen Standort. „Es wurde hier alles individuell auf unsere Zwecke zugeschnitten“, berichtete Birgit Hufen-Batzke, stellvertretende Leiterin, den Besuchern. „Die Mitarbeiter fühlen sich wohl. Es ist ein helles Gebäude, funktional und schön.“ Das Finanzamt verfügt an der Südstraße zwar über keine Kantine mehr. Für die Mitarbeiter besteht aber die Möglichkeit, die des KRZN mit zu nutzen. In einer der Hallen des ehemaligen Siemens/BenQ-Komplexes ist unter anderem das Archiv der Finanzverwaltung untergebracht. Weitere Unternehmen, die sich angesiedelt haben, sind neben Hermes und die Connexio GmbH auch das noch junge Unternehmen PCC Specialities. Im Januar 2018 als Tochter des Chemieunternehmens PCC SE gegründet, erfolgte Mitte 2018 der Umzug an die Südstraße. „Unsere Kernkompetenzen sind Forschung und Entwicklung, Anwendungstechnik und Vertrieb“, erläuterte Uwe Zakrzewski. Zurzeit arbeiten an der Südstraße 14 Mitarbeiter. In den nächsten zehn Jahren sollen es jedoch 100 sein. „Wir forschen hier an neuen Produkten für Farb- und Lacksysteme und innovative Klebstoffe.“ Schon bald sollen auch die nötigen Labore eingerichtet werden. Mit der DAA (Deutsche Angestellen Akademie) gehört seit 2015 auch ein Bildungsträger zu den Mietern in den Immobilien. DAA bietet unter anderem Berufsvorbereitung und berufsbildende Maßnahmen an.

1400 bis 1500 Quadratmeter stehen laut Thomas Blatt von der Hellmich Unternehmensgruppe in den Gebäuden noch zur Vermarktung zu Verfügung.

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