Die Wetterlage führt zu sinkenden Grundwasserständen

Wetter : Es regnet seit Monaten deutlich zu wenig

Die Lineg verzeichnet an ihren etwa 20 Messstationen deutliche Niederschlagsdefizite. Der fehlende Regen wirkt sich auch auf Bäche, Kuhlen und Grundwasserstände aus.

Diesen Juli hat die Lineg an ihrer Messstelle in Repelen knapp 30 Millimeter Niederschlag verzeichnet. „Das waren exakt drei Regenfälle“, sagt Wolfgang Kühn, Leiter des Geschäftsbereichs Wasserwirtschaft bei der Linksniederrheinischen Entwässerungs-Genossenschaft, die in Kamp-Lintfort ihren Sitz hat. „Das war so gut wie nichts. Bei den aktuellen Temperaturen schlägt der Regen auf und verdunstet sofort.“

Dennoch möchte Kühn noch nicht vom trockensten Juli in Moers seit Start der Niederschlagsstatistik der Lineg sprechen. Die Zahlen sind jedoch nah dran: Im Juli 1912 wurden in Repelen lediglich zehn Millimeter Regen gemessen. Die Statistik, die Kühn gestern vorlegte, bestätigt das, worunter zurzeit alle leiden: „Es ist zu heiß und zu trocken. Das bekommen vor allem die Landwirte auf ihren Feldern zu spüren“, betonte der Wasserwirtschafter. Während es im Dezember und Januar zu nass gewesen sei, so Kühn, verzeichnen die Lineg-Experten für die folgenden Monate ab Februar bis einschließlich Juli „durch die Bank“ sehr deutliche Niederschlagsdefizite. „Ausgerechnet in den Monaten der Wachstumsphase auf den landwirtschaftlich genutzten Feldern“, bedauert Wolfgang Kühn.

Zum Vergleich: Im Juni 2016 ergaben die Niederschlagsmessungen an der Station Repelen 205 Millimeter im Monat. Der Juli 2017 habe sich von der Niederschlagsmenge her als relativ normal erwiesen. „Im Mittel war er aber zu trocken“, fügt Kühn hinzu. Das Defizit lag bei 100 Millimetern. Die Messergebnisse in Repelen spiegeln weitestgehend die Lage an allen 20 Messstationen im Verbreitungsgebiet der Lineg.

In Rumeln wurde von Februar bis Juli ein Defizit von 144 Millimetern festgestellt. Dort wurden im Juli lediglich sechs Millimeter Niederschlag gemessen. In Alpen wurde mit vier Millimetern der geringste Wert seit 1967 festgehalten. An der Station in Hoerstgen fielen lediglich 4,1 Millimeter, in Rheinberg waren es 16 Millimeter. „Es fällt zu wenig Regen, der für die Pflanzen draußen verfügbar wird“, betonte Wolfgang Kühn mit Blick auf die Friedrich-Heinrich-Allee. Die dortige Platanen-Allee wirft wie sonst erst im Herbst bereits seit Tagen das Laub ab, die Rinden der Bäume springen auf. „Das sind eindeutige Indizien dafür, dass zu wenig Wasser zur Verfügung steht. Und in den nächsten zehn Tagen ist nicht mit Regen zu rechnen.“

Der fehlende Niederschlag wirkt sich letztendlich auch auf die Grundwasserstände in der Region aus. Je weiter die Ortschaften vom Rhein entfernt sind, desto mehr nimmt der Grundwasserstand ab. „Das können dann manchmal die 20 Zentimeter sein, die den Brunnenbesitzern heute fehlen“, erläutert Pressesprecherin Elke Wimmer auf Nachfrage. Der Moersbach wird voraussichtlich auch in diesem Sommer nicht trocken fallen. Die Lineg pumpt dauerhaft Wasser von ihrer Grundwasserhaltung in Kapellen und Holderberg über den Aubruchkanal ins Moerser Stadtgrabensystem hinein. „Es fließt noch was. Etwa 100 Liter pro Sekunde“, sagt Kühn. Rückläufig ist das Wasser in den Kuhlen der Littard. Die westlichen Kuhlen würden durch die Vorflutpumanlagen am Landwehrbach gespeist, während die östlichen Kuhlen doch noch ein deutlich größeres Einzugsgebiet hätten. Aktiv wurde die Lineg im Bereich des Xantener Altrheins. Da der Grundwasserstand dort einen historischen Tiefstand erreicht hatte, leitete sie von ihrer Pumpanlage am Freizeitsee in Menzelnen Wasser in den Altrhein um. Das war möglich, weil die Lineg gerade erst eine neue Druckleitung gebaut hatte und dafür nutzen konnte.

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