Die Literaturtage in Kamp-Lintfort laufen bis zum 23. November.

Kamp-Lintfort : Der kleine Prinz im Kloster Kamp

Die Literaturtage in Kamp-Lintfort sind mit einem Lese-Klassiker gestartet. Die Reihe läuft bis zum 23. November.

Der Leseherbst kann kommen. Bereits die Auftaktveranstaltung zu den sechsten Kamp-Lintforter Literaturtagen war rasch ausgebucht. Der Rokokosaal im Kloster Kamp bot das entsprechende Ambiente, als Peter Hahnen die musikalische Reise mit dem kleinen Prinzen zu den Planeten ankündigte. „Der kleine Prinz ist nichts für das ‚big business“, erklärte der Geschäftsführer des Zentrums Kloster Kamp im Vorfeld. „Der kleine Prinz geht zu Herzen.“ Das haben schon Schauspieler und Sprecher wie Will Quadflieg und Ulrich Mühe eindrucksvoll dokumentiert. „Sie treffen den Nerv auf das Beste“, so Hahnen. Für die einfühlsam und schwingende Fassung mit Klang sorgte beim ‚Abend für Genießer‘ die Sopran- und Konzertsängerin Jessica Burri.

Sie hat den Text erneut übersetzt und für ihre Musikinstrumente bearbeitet. Charakteristisch für ihre Arbeit ist das Arrangement für den Duclimer, ein altenglisches Saiteninstrument. Musikstücke der französischen Komponisten Eric Satie und Claude Debussy gaben der poetisch-philosophischen Geschichte den Rahmen. Neben dem Dulcimer ist es ein Sortiment an Klangschalen, Schellen und Glöckchen, das sie im Verlauf des Abends einsetzte. Eher untypisch sind Arbeitsmaterialien wie eine Zigarrenschachtel, ein Stapel Papier und ein mit Samt bezogener Kartoffelstampfer. Ein Säckchen mit knisterndem Inhalt imitiert dabei ein loderndes Feuer. Sie nimmt das Publikum mit auf eine akustischvisuelle Reise zu den Planeten. Dorthin, wo andere Gesetze gelten, Tiere und Pflanzen sprechen können. Es sind die feinsinnigen, auch nachdenklich stimmenden Geschichten, die der kleine Prinz mit den Bewohnern des einzelnen Planeten führt. Der „Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry zählt mit zu den beliebtesten Klassikern der Weltliteratur. Die herzergreifende Geschichte für Jung und Alt, erschienen 1943, verfügt über ein beneidenswertes Alleinstellungsmerkmal: Mit 75 Jahren bleibt sie mit ihrer weltweiten Botschaft und dem Appell an Freundlichkeit und Menschlichkeit immer modern und jung. Vielleicht würde man heute neudeutsch vom Planetenhopping des kleinen Prinzen sprechen. Dabei erfährt er von den Absurditäten, Kuriositäten, Verrücktheiten und Schwächen der Menschen. Es sind die weisen wie philosophische Feststellungen, beispielsweise seines Lehrmeisters, dem Fuchs: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche bleibt den Augen verborgen.“ Die Geschichte ist reich an Symbolen, Elementen wie Hoffnung, Trost und Glück. Mit ihrer Art zu erzählen, fesselte Jessica Burri ihr Publikum bis zum Schluss. Die dazu gewählten weichen wie warmen Klänge und Geräusche wie das Plätschern mit Wasser in einer Klangschale unterstrichen das Erzählte und machten die Erlebnisse des kleinen Prinzen lebendig. Zum Abend gehörte eine Kürbiscremesuppe aus der Klosterküche. Für die Literaturtage haben sich die Veranstalter, Mediathek und Verein LesArt, Kooperationspartner und Sponsoren ins Boot geholt, um die sechste Ausgabe an acht Orten spannend zu gestalten.