Die Kamper Konzerte gehen weiter.

Kamp-Lintfort : Musikalische Glücksmomente auf Kloster Kamp

Die Zuhörer erlebten drei Cellosonaten beim dritten Konzertblock der diesjährigen Kamper Konzerte.

Es war das sogenannte Bergfest, das Doppelkonzert am Mittwoch und Donnerstag im Rokokosaal von Kloster Kamp im Rahmen der Kamper Konzerte. Auf dem Programm standen Cellosonaten mit Werken von Ludwig van Beethoven, David Popper und Frédéric Chopin. Protagonisten des Abends waren die Pianistin Joanna Przybylska und Alexander Hülshoff am Violoncello.

Immer wieder gelingt es der Künstlerischen Leitung der Kamper Konzerte, interessante Musiker für die Musikreihe zu gewinnen. Diesmal traf die Wahl auf Joanna Przybylska, einer im polnischen Lodz geboren Pianistin, welche aus einer Musikerfamilie stammt. Der Vater ist Professor für Komposition und Musiktheorie, die Mutter Cellistin. Sie selbst ist unter anderem als Dozentin an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf tätig. Mit Ludwig van Beethoven starteten sie und Hülshoff in den Abend. Beethoven hat fünf Cellosonaten geschrieben, die sich exemplarisch auf die drei Phasen seines Schaffens verteilen, darunter die 1815 in Wien uraufgeführte Sonate D-Dur, op. 102, Nr. 2, die zugleich seine späte Stilphase einläutete. Gleich der erste Satz, Allegro con brio, strotzt vor Temperament. Zu hören ist eine trotzige Sechzehntelfigur im Klavier, wundervoll vorgetragen von Przybylska. Dazu steht das Adagio con molto sentimento d´affetto in krassem Gegensatz. Ruhige Tonfolgen überleiten in ein dramatisches Spiel von äußerster Langsamkeit, dem ein höchst pathetischen Dialog zwischen beiden Instrumenten folgt.

Hülshoff spielt ein Cello des Mailänder Geigenbauers Giovanni Grancino aus dem Jahre 1691, das einst im Besitz von David Popper (1843-1913) war. Von ihm, dem böhmischen Cellisten und Komponisten, spielten Przybylska-Hülshoff die Suite „Im Walde“ op. 50. Dieses Werk besteht aus sechs Sätzen, die in der Musikliteratur als Charakterstücke bezeichnet werden. Nach der Pause ging es weiter mit Frédéric Chopin (1810-1849) und seiner 1846 geschriebenen Sonate in g-Moll, op. 65. Es ist das einzige Werk Chopins für Violoncello und Klavier. Kernstück der Sonate ist ihr Finale. In ihr herrscht eine besonders glückliche Klangbalance zwischen den beiden Instrumenten. Und Przybylska-Hülshoff gelingt das auf beeindruckende Weise. Ein musikalisches Glücksmoment.

Der nächste Konzertblock der Kamper Konzerte findet am 21. und 22. November um 20 Uhr im Rokokosaal statt.

Mehr von RP ONLINE