100 Jahre Diakonie in Kamp-Lintfort „Ohne Frühstück geht es nicht“

Kamp-Lintfort · Die Diakonie im Kirchenkreis Moers feiert 100. Geburtstag. Andrea Lewing ist eine von 800 Mitarbeitenden der Grafschafter Diakonie. In der „Schule am Niederrhein“ in Kamp-Lintfort sorgt sie mit ihrer Arbeit beim „Täfelchen“ dafür, dass kein Schulkind am Morgen mit leerem Magen im Unterricht sitzt.

Ab 6.30 Uhr wird Frühstück gemacht. Andrea Lewing und Team organisieren das „Täfelchen“ für die Schülerinnen und Schüler.

Ab 6.30 Uhr wird Frühstück gemacht. Andrea Lewing und Team organisieren das „Täfelchen“ für die Schülerinnen und Schüler.

Foto: Klaus Dieker

Es ist 8.30 Uhr. 14 Tabletts mit je fünf belegten Broten und Brötchen samt Obst und Gemüse stehen in der Küche der „Schule am Niederrhein“ parat. Andrea Lewing von der Grafschafter Diakonie und ihre Kollegin aus dem Schuldienst, Lina Gellert, haben seit 6.30 Uhr alles vorbereitet. Kein Schulkind soll mit leerem Magen im Unterricht sitzen.

„Ein hungriger Magen lernt nicht gern“, sagt Lewing. Für die 44-Jährige und ihr Team heißt das jeden Morgen: Brötchenschmieren im Akkord. Denn nicht jedes Kind frühstückt zuhause oder bekommt ein Pausenbrot mit auf den Weg. Das „Täfelchen“, wie das To-Go-Frühstück der Grafschafter Diakonie heißt, schafft Abhilfe. Andrea Lewing kam im Jahr 2003 als frisch ausgebildete Erzieherin an die Förderschule des Kreises Wesel für die Schwerpunkte Lernen und emotionale und soziale Entwicklung.

Die Diakonie ist hier Trägerin der Offenen Ganztagsbetreuung (OGS) und der Übermittagsbetreuung. Sie erinnert sich an den Beginn: „Wir haben zusammen gefrühstückt, mit 10 bis 15 Kindern“, 60 Kinder besuchten die Förderschule in den Anfangsjahren des „Täfelchen“. „Heute sind es 220 aller Jahrgangsstufen von 6 bis 18 Jahren“, erzählt Lewing. Seit den Pandemiejahren stieg der Frühstücksbedarf an der Schule so stark, dass das Team auf die Tabletts umstellte. Die Kids holen die Brote jetzt ab, um sie in die Klassen zu bringen.

Mimi (16) berichtet: „Nein, Streit um die Brötchen gibt es nicht oft. Und wenn doch, dann wird eins durchgeschnitten und geteilt.“ Obst und Gemüse gebe es auch. Und Kevin (11) zeigt auf das „S“ auf einer Tüte: „Damit man weiß, da ist Salami drin.“ Aktuell erhalten 50 bis 70 Schüler ein Frühstück. „Wir würden gern noch mehr Portionen fertig machen wegen des großen Bedarfs“, so Lewing. „Aber das Täfelchen ist zum Großteil von Spendenden und Sponsoren finanziert.“ Die Kosten seien auf ca. 250 Euro pro Woche gestiegen.

Vor Corona sei man mit dem Geld fast einen Monat ausgekommen. Das Obst werde teilweise vom Land NRW bezuschusst, aber nur für die Klassenstufen 1 bis 6. Einen Teil der Kosten trage die Grafschafter Diakonie. Für die Schüler und ihre Familien ist die Stärkung am Morgen kostenlos. Auch für Andrea Lewing hat sich einiges verändert. Sie bildete sich zur Fachwirtin im Sozial- und Erziehungswesen weiter. Heute ist sie die Teamleitung der vier Offenen Ganztagstagsangeboten, für die die Diakonie in Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn zuständig ist.

Die Arbeit beim Täfelchen möchte Andrea Lewing trotz Leitungsaufgabe als Koordinatorin nicht missen. „Das hier ist schon ein bisschen mein Zuhause geworden und ich bin froh, dass ich mit dem Team nah an den Schülerinnen und Schülern bin“, sagt sie. Denn das ist seit den Anfangsjahren gleichgeblieben: die Macherinnen des Frühstücks und der OGS-Betreuung sind direkte Anlaufstelle für die Sorgen und Nöte der Schüler.

(aka )
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