Der Pott und das Meer in der Galerie Pralat in Kamp-Lintfort.

Kunst in Kamp-Lintfort : Der Pott und das Meer in der Galerie

„Zeit? Komm“ – so lautet der Titel einer Ausstellung in der Galerie Pralat. Es stellen Marlies Meier-Freuken und Barbara Höpper aus.

Ein alter Drahtesel ist in der Galerie Pralat prominent aufgestellt. Ein Fahrrad inmitten von Kunst? Wer genau hinschaut, entdeckt viele weitere Zweiräder – und zwar in den Bildern von Marlies Meier-Freuken. Ganz oben am Bildrand zum Beispiel oder in einem weißen Kästchen. Wer sagt, dass Kunst nur ernst sein muss? Die beiden Künstlerinnen Marlies Meier-Freuken und Barbara Höpper sind immer auch mit einem humorvollen Augenzwinkern als Malerin und Fotografin aktiv und kreativ. Die Mitglieder des Kunstvereins „Mal mal im Pott“ laden ab Freitag, 5. April, unter dem Titel „Zeit? Komm“ in die Galerie Pralat an der Moerser Straße 373 in Kamp-Lintfort ein und präsentieren dort künstlerische Hingucker, die den Betrachter auffordern, ganz genau hinzuschauen.

Kurt Pralat. Foto: Anja Katzke

Vor etwa vier Jahren hatte Kurt Pralat die Idee, das leerstehende Ladenlokal in seinem Elternhaus als Galerie zu nutzen. „Hier war mal ein Friseur drin, später ein Juwelier“, sagt der Kamp-Lintforter, der selbst Kunst und Textildesign studiert hat und heute in Belgien lebt. Für die Ausstellungen kehrt er immer wieder in die Kloster- und Hochschulstadt zurück. „Es macht großen Spaß und kommt bei den Leuten sehr gut an“, sagt er. Vor drei Jahren stellte der Kunstverein „Mal mal im Pott“ schon einmal in seinen Räumen aus. „Dieses Mal sind es nur zwei Künstlerinnen, unter anderem die Gründerin des Rheinhausener Kunstvereins“, berichtet er. Die Malereien von Marlies Meier-Freuken entstehen unter anderem durch Mischtechnik auf Leinwand oder Übermalungen in vielen Farbschichten. „Sie mischt all ihre Brauntöne selbst mit Bitumen, Rost, Schellack oder Kaffeesatz an“, berichtet Renate Squarr, Pressesprecherin des Kunstvereins. Außerdem kommen Acryl, Wachs, Öl und Tusche zum Einsatz. „Die meisten Bilder erhalten einen pudrigen Schleier“, erklärt sie. Das Thema der Künstlerin ist der Ruhrpott mit seinen Schornsteinen, der Technik und den Fabriken, aber in der Malerei abstrakt und experimentell umgesetzt. Dabei arbeitet Meier-Freuken Strukturen heraus, indem sie Risse in der Leinwand zulässt oder Seile und andere Materialien einarbeitet. In ihren Bildern brodelt der glühende Stahl. Neben diesen robust wirkenden Werken hängen zarte Tusche-Arbeiten, die mit den Sehgewohnheiten spielen: Wer genau hinsieht, erkennt das Portrait einer Frau, das sich aus Laub und Ästen eines Baumes zu formen scheint. Im Kontrast dazu stehen die Fotografien von Barbara Höpper, die wie von Hand gemalt aussehen, aber am PC so bearbeitet wurden, dass aus dem Abbild eine surreal wirkende Landschaft entsteht. In der Galerie Pralat sticht die See-Serie sofort ins Auge: Höpper lässt Schiffe auf einem Abgrund zusteuern, das Meer ist ein Quadrat, an dessen Ende es in die Tiefe geht. „Die Fotos sehen doch wirklich wie Aquarellmalerei aus, nicht wahr?“, sagt Pralat und hat Spaß an den von Höpper geschaffenen neuen Räumen. Die Künstlerin fotografiert schon seit vielen Jahren und bestritt ihre erste Ausstellung „Strukturwandel“ 2009 mit dem Duisburger Maler Jörg Gräf. Ihre Vorliebe für Architektur, Industrie und so genannte Lost Places erweiterte sich im Laufe der Zeit um Natur- und Porträtfotografie bis hin zur digitalen Malerei, bei der aus der abfotografierten Realität etwas Neues und Ungewöhnliches entsteht.