Kamp-Lintfort: Der lange Weg von Papier zu elektronischen Akten

Kamp-Lintfort: Der lange Weg von Papier zu elektronischen Akten

Beim siebten E-Government-Tag an der Hochschule Rhein-Waal ging es um die Umstellung vom Aktenordner aufs Tablet.

Der Sonsbecker Bürgermeister Heiko Schmidt bezeichnet sich selbst als technikverliebt. Deshalb setzte er sich dafür ein, den Ratsmitgliedern die Drucksachen und Etatentwürfe nicht mehr in Papierform zuzusenden, sondern über das Internet auf ein Tablet. "Innerhalb von fünf Jahren rechnet sich das", berichtet er von dem Wandel im Jahr 2015, bei der alle Ratsmitglieder flache Computer erhielten. "Wir sparen Papierkosten und die Kopierarbeit fällt weg." Zukünftig will er in weiteren Bereichen auf elektronische Akten und elektronische Umläufe einführen. "Das geht nur mit einem Konzept. Man muss wissen, wo die Reise hingeht." Um das zu erfahren, besuchte er gestern den E-Government-Tag der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort.

Dieser thematisierte genau diesen Wandel, den öffentliche Verwaltungen gerade durchlaufen. "Vom Aktenordner zum Tablet - Change Management in der öffentlichen Verwaltung" war der Tag überschrieben. Dieser digitale Wechsel sei zu lange unter einem technischen Aspekt gesehen worden, bei dem über richtige Rechner und passende Programme gesprochen worden sei, war ein Tenor aller Vorträge und Projektvorstellungen. Die Mitarbeiter seien frühzeitig in einen Wechsel einzubeziehen, bereits bei der Planung. "Wenn sie einen Dollar in ihr Unternehmen stecken, müssen sie einen weiteren bereithalten, um das bekannt zu machen", zitierte Khaled Thaler vom Münchener IT-Unternehmen Manager Digital Workplace Henry Ford, der mit der Fließbandfertigung den Automobilbau revolutionierte.

Deshalb wolle Nordrhein-Westfalen die Mitarbeiter frühzeitig einbinden und intensiv schulen, betonte Hartmut Beuß. Er ist beim Wirtschaftsministerium des Landes für das 700-Millionen-Euro-Programm "Digitale Verwaltung NRW" verantwortlich, das die schwarz-gelbe Landesregierung bis 2025 abgeschlossen haben will. Als er von Bernd Weggen, dem einstigen Leiter des Kommunalen Rechenzentrums Niederrhein und einem Mitglied des Hochschulfördervereins "Campus Camp-Lintfort" gefragt wurde, wie das mit föderalen Strukturen und ohne einheitliche Standards möglich sein solle, ging er näher auf diese beiden Probleme ein. "Der Bund kann nicht dem Land vorschreiben, was es zu machen hat, das Land nicht den Kreisen, Städten oder Gemeinden", erläuterte er. "Dazu darf niemand ein Produkt anweisen, weil das durch den Wettbewerb nicht erlaubt ist."

Der E-Government-Tage lebte von Projekten, die Studenten vorstellten. Zum Beispiel berichteten Simon Möllers und Felix Gerwers von einem Vorhaben, in dem die Hochschule mit zehn Studenten und das Landesfamilienministerium eingebunden waren. Die Mitarbeiter konnten ihre Wünsche einbringen. Ziel: Eine Bibliothek als gemütlichen, digitalen Lernort einzurichten.

(got)