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Das Wickrather Feld in Kamp-Lintfort ist eine Natur- und Kulturlandschaft

Kamp-Lintfort : Bedrohte Natur im Wickrather Feld

Hier zeigt sich Kamp-Lintfort von seiner „natürlichsten“ Seite: Doch das Wickrather Feld ist bedroht. Es könnte bald der Kiesindustrie als Kiesgrube dienen.

Wanderwege für durch das Gebiet. Foto: Anja Katzke
Durch das Wickrather Feld verläuft der Euregio-Reitwander-Weg. Foto: Anja Katzke
Die Bürger wehren sich gegen die Kiesabbau: Dieses Plakat steht auf einem Feld, das direkt an die B 510 grenzt. . Foto: Anja Katzke
Die Gerade Straße würde verschwinden, wenn im Wickrather Feld Kies abgebaut würde. Die spanische Schanze würde direkt an die Abgrabung grenzen. Foto: Anja Katzke
Mit der IG Dachsbruch unterwegs. Foto: Anja Katzke
„Stoppt den Wahnsinn“, fordern die Anwohner auf Plakaten. Foto: Anja Katzke

Felder und Wiesen, so weit das Auge reicht. Hasen und Rebhühner, die man am hellichten Tag beobachten kann. Streuobstwiesen, die von Bienen und Hummeln umsummt sind. Um zu veranschaulichen, was Kamp-Lintfort verloren geht, wenn im Wickrather Feld auf 92 Hektar Kies abgebaut werden sollte, zieht die Interessengemeinschaft Dachsbruch starke Vergleiche heran: Kamp-Lintforts Innenstadt würde locker hineinpassen oder 126 Fußballfelder. Tatsächlich ermessen kann man die Folgen für Mensch und Natur aber erst, wenn man mittendrin steht in dieser Kulturlandschaft mit ihren Heckensäumen, Kendeln, Kuhlen und Gehöften. „Es ist das einzige noch zusammenhängende Naherholungsgebiet in unserer Stadt bis zum Oermter Berg. Die Natur ist hier noch in Ordnung“, betont Marion Kempken, Sprecherin der Interessengemeinschaft Dachsbruch. Dass die Idylle aber trügerisch ist, darauf weisen die meistern Anwohner mit Plakaten vor ihren Häusern hin: „Stoppt den Wahnsinn“, fordern sie. Die Gerade Straße, die von der B 510 abzweigt, würde ganz verschwinden, Teile der Klotenstraße auch. Vier Gehöfte würden den Kiesbaggern zum Opfer fallen: „Die anderen Anwohner hätten den Bauzaun direkt vor der Haustüre, den Dreck und den Staub“, sagt Marion Kempken. „Es hängen Existenzen in der Landwirtschaft vom Erhalt des Wickrather Feldes ab.“ Mehr als 5000 Unterschriften haben sie und ihre Mitstreiter in den vergangenen Wochen gegen das Schreckgespenst Kiesabbau und gegen die geplante Änderung des Landesentwicklungsplans (LEP) gesammelt. Sie freuen sich über den Zuspruch, den sie erhalten haben. Denn 1500 Online-Unterschriften kommen noch einmal hinzu. Der Stadt Kamp-Lintfort drohen im Regionalplanentwurf drei neue Auskiesungsflächen mit 160 Hektar, das Wickrather Feld ist das größte. Nach den Sommerferien wollen die Mitglieder der IG Dachsbruch die Unterschriften in Düsseldorf übergeben und selbst Einspruch einlegen. „Das können Privatleute, sobald sie betroffen sind.“ Trotz des Engagements, der Unterstützung durch die Stadt Kamp-Lintfort und den Kreis Wesel, die sich gegen das Vorhaben ausgesprochen haben, macht sich im Dachsbruch zuweilen ein Gefühl von Ohnmacht breit – „weil die Kiesindustrie an nichts gebunden zu sein scheint. Der Naturschutz gilt in einem solchen Verfahren leider nur als weiches Tabu“, bedauert Marion Kempken. Doch die Interessengemeinschaft wartet mit einem weiteren Argument auf: „Es geht auch um unser Grund- und Trinkwasser. Der Kies ist ein wichtiger Filter. Durch die Abgrabung würde er für immer verloren gehen. Auch die Renaturierung nach 20, 25 Jahren würde die Situation nicht mehr verbessern“, erklärt sie und betont: „Fünf Prozent des Kamp-Lintforter Stadtgebietes werdeb heute schon durch die Kiesindustrie beansprucht.“ 8,2 Kilometer müsste man wandern, um diesen Abgrabungsbereich zu umlaufen. Auf dem Weg gibt es vieles zu entdecken: Streuobstwiesen, die die Anwohner vor 25 Jahren mit dem Landschaftsverband angelegt haben, kleine Waldanpflanzungen. Der K-Wanderweg durchquert das Gebiet ebenso wie ein Euregio-Reitweg. Wanderer, Jogger und Naturbeobachter sind hier gerne unterwegs. Reitervereine sind angesiedelt, Alemannia Kamp hat den Bereich als beliebte Laufstrecke erkannt. Der Dachsbruch ist neuerdings auch ein beliebtes Ausflugsziel für Geocacher. „30 Gruppen wurden schon an der Geraden Straße gezählt“, berichtet Kempken. In direkter Nähe liegt das alte Bett der Fossa Eugeniana und die Spanische Schanze. Sogar einen Bahndamm ohne Gleise, der um 1930 erbaut wurde, können Wanderer auf ihren Touren durch das Gebiet entdecken.