Spielplatz in Kamp-Lintfort: Das Idyll an der Ferdinantenstraße

Spielplatz in Kamp-Lintfort: Das Idyll an der Ferdinantenstraße

Seit 1970 kümmert sich Hubert Kufen um "seinen" Spielplatz. Mittlerweile ist ein kleiner Freizeitpark entstanden.

Wer den Spielplatz an der Ferdinantenstraße betritt, wird gleich von ein paar Hühnern begrüßt. Zwischen Sträuchern und Spielgeräten laufen sie über das Gelände. Am zentralen Häuschen des Spielplatzes wartet Hubert Kufen. Außer ihm und seinen Hühnern ist an diesem Nachmittag niemand da, in Kamp-Lintfort regnet es in Strömen.

"Es läuft, wie es läuft", entgegnet Kufen der obligatorischen Beschwerde über das schlechte Wetter. Den 78-Jährigen bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Vor 48 Jahren kam ihm beim Blick auf eine seiner Wohnung gegenüberliegende Kuhwiese die Idee, dort einen Spielplatz zu errichten. Auch mit Blick auf die beiden eigenen Kinder der Familie. Zur Organisation dieses Projekts gründete er später den "Verein der Kinderfreunde". Das Engagement ist bis zum heutigen Tage nicht gewichen. Für sein ausdauerndes Ehrenamt erhielt Kufen 2011 das Bundesverdienstkreuz.

"Die ersten 25 Jahre baute ich die Spielgeräte in Eigenregie", erklärt der frühere Bergmann. Kollegen aus der Zeche unterstützten ihn in den ersten Jahren, mittlerweile umfasst der "Verein der Kinderfreunde" 44 Familien. Auch Kufens Frau Christa ist im Vorstand. Aufgrund der Sicherheitsbestimmungen musste Kufen seine Produktion Marke Eigenbau irgendwann einstellen. Die neueren Geräte konnten vor allem durch Spenden der Sparkasse Duisburg finanziert werden.

Bis heute hat diese über ihre hauseigene Stiftung 80.000 Euro in den Spielplatz investiert, zuletzt 6000 Euro für die Anschaffung zweier neuer Fußballtore. Alles zusammen genommen, rechnet Kufen vor, seien wohl im Laufe der Jahrzehnte umgerechnet rund 150.000 Euro in das Gelände geflossen. Der Spielplatz wurde zum Lebensprojekt des gebürtigen Esseners. Bis zum heutigen Tage ist er regelmäßig im Einsatz. Beim Gesprächstermin steckt Kufen gerade mitten in den Vorbereitungen fürs anstehende Osterfeuer. Ein Pavillon muss noch aufgebaut werden, um vor Wind und Wetter geschützt zu sein. Von seiner ehrenamtlichen Arbeit hält ihn kein Regen dieser Welt ab, auch heute nicht mit seinen 78 Jahren. Mittlerweile ist die ehemalige Kuhwiese sogar in drei Bereiche unterteilt. Bolzplatz, Volleyballplatz und den Kern-Spielplatz.

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"Wir haben das extra so abgegrenzt, damit die Kinder auf den Geräten keine Bälle abbekommen", erklärt Kufen. Der Begriff "Spielplatz" erscheint beim Blick auf das Gelände eh nicht mehr wirklich treffend. In Kamp-Lintfort ist ein kleiner Freizeitpark entstanden, 800 Bäume und Sträucher runden den Gesamteindruck ab. Früher habe der Verein alles in Eigenregie erledigt. Heute ist die Stadt für die Bäume zuständig, zudem wird der Zustand der Spielgeräte regelmäßig überprüft.

Den Rest regeln die "Kinderfreunde". "Es gibt eine tägliche Platzkontrolle, der Rasen wird vom Verein gemäht und das Laub beseitigt", erklärt Kufen. Über all dies führt er in seinem Arbeitsplan genau Buch. Negative Erfahrungen waren in all den Jahren selten. Nur vor ein paar Jahren gab es mehrere versuchte Einbrüche in das zentrale Häuschen. Als es einmal gelang, wurde der Kakao-Vorrat geplündert. Eine volle Kiste Bier blieb unberührt. "Die mochten wohl kein Alkohol", mutmaßt Kufen. Ansonsten blieb der Spielplatz meist von Vandalismus verschont. "Wir sind ja auch präsent, wohnen wie einige andere Vereinsmitglieder direkt gegenüber", sagt der Gründer.

Wichtig ist Kufen auch, dass die Zukunft des Spielplatzes gesichert ist. Zwischenzeitlich stand eine Bebauung im Raum, bis die Stadt Kamp-Lintfort das Gelände vor rund zehn Jahren kaufte. So können wohl auch noch zukünftige Generationen vom Lebenswerk Kufens profitieren.

(mlat)