Das Grundwasser ist noch niedriger als in den Vorjahren.

Natur in Kamp-Lintfort: Wenn Bäche und Kuhlen trocken fallen

Klimawandel und Wasserwirtschaft waren 2018 für die Lineg zwei große Themen.  Lineg-Vorstand Karl-Heinz Brandt zeigte sich in der Genossenschaftsversammlung besorgt und ratlos.

Auch für Lineg-Vorstand Karl-Heinz Brandt war der Begriff ,Klimawandel’ irgendwie immer ein wenig abstrakt. Die langanhaltende Dürre im Sommer und die ausbleibenden Niederschläge hätten, so sagt er, aber auch ihm die Augen dafür geöffnet, was in Zukunft passieren könnte. „Ich bin besorgt und ratlos“, erklärte er in einem Pressegespräch vor der Genossenschaftsversammlung, die am Nachmittag im Kulturzentrum Rheinkamp in Moers tagte. „Der niedrige Rheinwasserstand und die geringen Niederschläge führen letztendlich dazu, dass auch das Grundwasser noch niedriger ist als in den vergangenen Jahren“, betonte er. Es sind Bäche und Kuhlen auch in unserer Region trocken gefallen. „An manchen Orten so sehr, wie ich es noch nie erlebt habe.“ Am Pappelsee in Kamp-Lintfort zum Beispiel. Im Gegensatz zum Winnenthaler Kanal und dem Landwehrbach führe der Moersbach jedoch immer noch Wasser. Auch im Einzugsgebiet Niep gebe es ebenso noch geringe Abflussmengen. Das Pumpen des Grundwasser wird die Linksniederrheinische Entwässerungsgenossenschaft deshalb aber nicht komplett einstellen. „Unsere Städte und Industrieflächen müssen trocken bleiben.“

Auch in der Genossenschaftsversammlung stellte Karl-Heinz Brandt die Zunahme von Trockenperioden und von Starkniederschläge dar. So sei der durchschnittliche Jahresniederschlag in Höhe von 753,9 Millimeter in diesem Jahr deutlich unterschritten worden. Dieser habe mit 612, 8 Millimeter etwa 70 Millimeter unter dem des Vorjahres gelegen. Und auch der Rheinwasserstand habe ein historisches Tief erreicht. Die Lineg zeichnet die Stände seit 1902 auf. 2018 sei am Pegel Ruhrort ein Stand von 17,6 Meter gemessen worden. Das entspreche einem tatsächlichen Wasserstand von 1,5 Metern. „Wir werden lernen müssen, mit unseren Wasserressourcen umzugehen. Die warmen Jahre haben seit 1970 kontinuierlich zugenommen. Der Temperaturanstieg liegt bei 1,4 Grad mehr“, erläuterte der Lineg-Vorstand.

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Brandt kann verstehen, dass Anwohner entsetzt sind, wenn beispielsweise die Kuhlen trocken fallen. „Es ist aber nicht leicht, ihnen plausibel zu machen, dass wir dort nicht eingreifen“, sagt er. Die Strategie, Bewässerungsszenarien aufzubauen, wird nicht funktionieren. Das kann und will niemand bezahlen.“ Und ein „Naturschutz am Tropf“ könne nicht das Ziel sein. Es sei ein normaler Prozess in der Natur, dass ein Bach einfach so verlandet. In Kamp-Lintfort wird die Lineg dennoch im Januar mit der Renaturierung des Pappelsees startet, so dass er für eine Zeit wieder Wasser tragen kann. Wie lange, das vermag er nicht zu sagen. Weitere Maßnahmen der Lineg betreffen unter andrem die Planungen am Rheinberger Altrhein. Dort wurden die Bodenuntersuchungen zwischenzeitlich abgeschlossen. „Es liegen dort keine schädlichen Bodenveränderungen vor“, erläuterte Brand am Donnerstag. Als nächstes würden die Planungen zum naturnahen Gewässerausbau durchgeführt. Ein weiteres Thema sei die künftige Entsorgung der Klärschwämme.

Denn aus der Novellierung der Klärschlammverordnung ergebe sich, so die Lineg, die Notwendigkeit, Phosphor aus Klärschlamm zurückzugewinnen. In Studien würde aktuell untersucht, inwieweit eine Verbrennung im Abfallentsorgungszentrum Asdonkshof in Kamp-Lintfort möglich und wirtschaftlich sei.

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