Das Amateurtheater in Kamp-Lintfort wird 50

Bühnenjubiläum in Kamp-Lintfort : Das Theater in Kamp-Lintfort wird 50

Die Bühne 69 wurde 1969 in Kamp-Lintfort gegründet. Das Ensemble besteht aus 30 Mitspielern zwischen 20 und 64 Jahren. Drei Produktionen bringt das Amateurtheater im Jahr auf die Bühne. Die nächste Premiere ist am 22. März.

Gestandene Schauspieler bringt eben nichts aus der Fassung: Selbst der Lachanfall einer Zuschauerin, die das komplette Publikum ansteckt. Die Schauspieler der Bühne 69 haben es erlebt und nicht vergessen: „Wir mussten tatsächlich mitten im Stück eine Pause einlegen“, sagt Peter Vogelsang und schmunzelt noch heute. Doch wenn das Publikum so herzhaft lacht, hat man als Komödiant am Ende doch alles richtig gemacht, oder? So wie das Amateurtheater in dem Boulevardstück „Alles auf Krankenschein“. Seit 50 Jahren unterhält das Theater in Kamp-Lintfort das Publikum mit humorvollen Inszenierungen. Mehr als 100 in 50 Jahren mögen es gewesen sein, schätzt das Ensemble im Alter zwischen 20 und 64 Jahren. „Auf jeden Fall war die Bühne 69 anfangs ein ganz anderes Theater als heute. Es ging aus der evangelischen Kirchengemeinde hervor, man traf sich in der Christuskirche. Es war eine Laienspielschar. Heute sind wir ein professionell arbeitendes Amateurtheater“, sagt Andreas Stieffenhofer.

Die Bühne 69 feierte mit ihrem Kinderstück "Frau Holle" in einer zauberhaften Kulisse. Foto: Armin Fischer

Von den Gründern ist heute niemand mehr im Team. Dafür gehört ein Großteil der Mitglieder der Bühne 69 mindestens 40 Jahre an. Anke Vogelsang zum Beispiel war gerade mal 16 oder 17, als eine Freundin sie in den 1970er Jahren zu den Proben mitnahm. Sie blieb und brachte schließlich auch Peter Vogelsang ans Theater. Er ist heute Vorsitzender. „Heute übernehme ich das Fach der Oma“, scherzt Anke Vogelsang, die sich als Fan der Kinderstücke der Bühne 69 bekennt und die Kinder im Publikum unter anderem als Frau Holle begeisterte. Auch Annette Karentzos (35 Jahre) liebt die Kinderstücke: „Die Mädchen und Jungen fiebern richtig mit.“ Im Räuber Hotzenplotz gibt sie übrigens meistens den Seppel. Und dann gibt es schöne Jagden durchs Publikum.

Das Ensemble hat sich ganz schön in Schale geworfen. Kein Wunder: Das Stück spielt in einem englischen Herrenhaus. Foto: Privat

„Wir bauen immer auch ein paar Jokes fürs erwachsene Publikum ein“, sagt Ulrich Reisner. In dem Kamp-Lintforter Amateurtheater ist aber niemand auf eine Rolle festgelegt: „Ich habe auch schon Regie geführt“, berichtet Sabine Jorkiewicz. Die anderen übernehmen dann Technik, Bühnenbau, Kostüme oder das Soufflieren. „Bei uns geht es demokratisch zu. Wenn aber Stück und Regisseur feststehen, dann hat nur noch einer das Sagen. Man kann kein Stück mit fünf Regisseuren inszenieren“, sagt Andreas Stieffenhofer. Geprobt wird im Pfarrhaus Kamp. Dort hat die Bühne 69 Räume angemietet. Neben der Probebühne gibt es einen Requisitenraum im Erdgeschoss. In Moers lagern die großen Kulissen. Drei Produktionen stemmt das Ensemble im Jahr, die werden 20 mal gespielt. Die nächste Premiere steht am Freitag, 22. März an: „Gute Geister“ der britischen Autorin Pam Valentine. In dem Stück geht es um Liebe, Leben und die Zeit „danach“. Die Bühne 69 erarbeitet daraus unter der Regie von Andreas Stieffenhofer eine spritzige Komödie voller Wortwitz. „Unsere Planung geht aber schon bis 2020“, betont der Regisseur.

Besonders in Erinnerung geblieben ist aber allen Mitglieder die Inszenierung von „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn. „Es war ein Stück im Stück. Wir haben eine Drehbühne gebaut. Das war genial“, erzählt Vogelsang. Doch auch die Vorstellungen für die Kinder aus dem Friedensdorf Oberhausen liegen den Darstellern sehr am Herzen. „Wir laden ein, bezahlen den Eintritt, und die Kinder haben großen Spaß.“ Treu bleibt sich die Bühne auch bei der Wahl der Stücke: Boulevard. „Wir haben vor zig Jahren mal Becketts „Endspiel“ gespielt, überzeugt, dass er das Stück für uns geschrieben hat. Am Ende war ein Zuschauer da“, erzählt Vogelsang.

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