Kamp-Lintfort: Damwild sucht Anschluss bei Pferden

Kamp-Lintfort : Damwild sucht Anschluss bei Pferden

Auf dem Hof des Kamp-Lintforters Heinz Ermen hat sich eine Hirschkuh zu den beiden Pferden gesellt. Die mögen den Gast aber gar nicht.

Das hat Landwirt Heinz Ermen noch nicht erlebt: Seit etwa Jahresanfang sucht ein weibliches Damwild Anschluss an seine beiden Pferde. "Wenn es trocken ist, sind sie tagsüber draußen auf der Hofweide", sagt der Kamp-Lintforter. Die Hirschkuh sei irgendwann aufgetaucht und habe sich zu den Pferden gestellt. "Sie hat die direkte Nähe gesucht. Unsere Pferde mögen das allerdings gar nicht", erzählt Ermen und berichtet, wie die beiden Warmblüter, die bei ihm als Kutschpferde im Einsatz sind, das Wildtier immer wieder zu vertreiben versuchen. Heinz Ermen führt auf seinem Hof an der Altfelder Straße ein Gästehaus.

Damwild sei tagaktiv und lebe bevorzugt in offenen Landschaften, in denen sich Waldpartien mit landwirtschaftlichen Flächen abwechseln, berichtet gestern Otto Sartorius, Leiter der Nabu-Ortsgruppe in Kamp-Lintfort. Da es am linken Niederrhein keine Damwild-Population gebe, müsse das Tier aus einem Gatter, einem Gehege, stammen. "Das würde auch dafür sprechen, dass es so zutraulich ist und kaum Fluchtverhalten zeigt. Es ist einfach nur gesellig." Wie der Naturschützer in Erfahrung gebracht hat, ist das Tier bereits mehrfach in der näheren Umgebung gesichtet worden, so zum Beispiel am Golfplatz am Kloster Kamp und auf dem Oermter Berg. "Es hat ein dunkles Fell und ist noch recht jung", sagt Otto Sartorius auf RP-Anfrage.

Auch Heinz Ermen vermutet, dass das Damwild aus einem Wildgehege in der näheren Umgebung stammt und möglicherweise dort ausgebüchst ist. "Es gibt zwei in unsere Nähe", sagt er. Kontakt hat der Altfelder, der auf seinem Hof Rinder, Schafe und Ziegen hält, zu den Betreibern allerdings noch nicht aufgenommen. Das Tier halte sich auch nicht ständig bei Ermens auf dem Hof auf. "Es ist manchmal ein paar Tage weg, und dann taucht es wieder auf. Sobald unsere Pferde auf der Weide stehen, ist es da. Das habe ich noch nie erlebt", sagt er.

Eine Erklärung für das Verhalten hat Heinz Ermen nicht. Er nimmt an, dass das Tier in seinen Pferden einen Ersatz für seine eigene Herde sieht. "Damwild ist ja ein Herdentier", betont er. Der Hirschkuh sei der Umgang mit Menschen offenbar so weit vertraut, dass er sich ihr auf 20 Meter habe nähern können, bevor es Reißaus nehme. Es handele sich, so ist er überzeugt, keinesfalls um ein Jungtier. Außerdem sei es sehr gut genährt. "Der Winter war mild, und die Natur bietet so viel Grün." Ermen sorgt sich aber, dass dem Tier etwas passieren könnte. Die Hofweide der Familie Ermen grenzt direkt an die Altfelder Straße. "Ich hoffe, dass die Autos dem Tier nicht zum Verhängnis werden."

Sartorius weist daraufhin, dass der zuständige Revierpächter das Tier der Unteren Jagdbehörde in Wesel melden muss. "Weil es unter anderem eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellt", sagt er.

(RP)
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