Christoph Heek in der Galerie Schürmann Kamp-Lintfort

Kultur in Kamp-Lintfort: Ein Künstler, der sich selbst überrascht

„Reine Ansichtssache“ heißt die neue Ausstellung mit Arbeiten von Christoph Heek in der Galerie Schürmann.

Schwarze Flächen und Linien auf warm-weißem Papier, die so wirken, als habe jemand sie unabsichtlich aus einem Tuschefläschchen vergossen und anschließend mit einem Stab zu einer abstrakten, zweidimensionalen Aussage erweitert. So ungefähr lassen sich die Arbeiten von Christoph Heek vielleicht am besten beschreiben, die seit Freitag in der Lintforter Galerie Schürmann zu sehen sind, Doch damit wird man ihrem künstlerischen Ausdruck nur teilweise gerecht, denn was zunächst wie zufällig entstanden aussieht, entpuppt sich beim zweiten Hinsehen schnell als eine bewusst spannungsvoll komponierte Formensprache.

„Mit geht es bei meinen Bildern nicht um eine Abstrahierung von irgendwelchen Dingen“, erklärt der 1961 in Goch geborene und jetzt in Kleve lebende Künstler selber. „Was mich interessiert, ist die Komposition, also Linie und Fläche im Verhältnis zum Bildformat.“ Letzteres war lange Zeit ausschließlich quadratisch, ist aber bei den meisten Exponaten dieser Ausstellung eher hochformatig und meistens nicht größer als ein doppeltes Briefblatt. Dabei wurden die Motive oft entgegen der normalen Sehgewohnheit meistens nicht in der Mitte des Formates, sondern ganz bewusst an dessen Bildrand platziert und teilweise sogar an einem der Ränder angeschnitten, was den entsprechenden Komposition eine ganz ungewöhnliche, optische Spannung verleiht. Eine bewusst gewählte Spannung, die nicht erst nachträglich durch den Passepartout-Ausschnitt bestimmt wird, sondern über die Christoph Heek schon gleich zu Beginn seiner Arbeiten gezielt entscheidet. Dennoch wisse er anfangs nie genau, wie seine Arbeiten am Ende aussehen werden. „Da ist immer eine Menge Spontanität mit im Spiel“, bekennt er. „Sobald man zu viel will, funktioniert das Ganze nicht mehr.“

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Auf diese Weise entstehen viele seiner Arbeiten oft in wenigen Minuten, es gibt aber auch welche, für die er mehrere Stunden braucht. „Ich habe einfach Lust, mich beim Malen selber zu überraschen.“ Das entspricht auch seinen künstlerischen Anfängen. Die lagen zunächst im Fotobereich, waren aber auch dabei schon eher „experimentell als rein bildnerisch“, wie sich Galerist Andreas Verfürthnoch gut an Christoph Heeks erste Ausstellung vor zehn Jahren in seinem Haus erinnert. „Ja, das stimmt“, bestätigte Christoph Heek. „Ich habe damals zum Beispiel Aufnahmen mit einer Lochkamera aus einem fahrenden Auto gemacht oder mehrere Buchseiten fotografiert und dann zu einer Art Röntgenbild übereinander kopiert.“Das Stichwort „Röntgenbild“ passt in diesem Fall übrigens mehr als ausgezeichnet zu seinem ursprünglich erlernten Beruf als Anästhesist, den er heute jedoch „nur“ noch an zwei Tagen pro Woche ausübt. „Damit ich Zeit für meine Kunst habe“, lächelt er. Inzwischen hat er auch darin einen an der „Academie voor beeldende Kunsten“ in Arnheim erworbenen Abschluss. Auf die Frage, welcher Beruf ihm besser gefällt, der medizinische oder der künstlerische, antwortet er nach einigem Nachdenken erwartungsgemäß diplomatisch: „Ich mache beides total gerne. Ich finde es einfach gut, wenn man nicht nur in einer Welt zu Hause ist.“

Die Ausstellung „Reine Ansichtssache“ kann bis 9. Dezember mittwochs bis freitags von 9.30 bis 13 und 15 bis 18.30 Uhr, sowie samstags von 10 bis 14 Uhr in der Kamp-Lintforter Galerie Schürmann, Moerser Straße 252, besichtigt werden. Ausstellungseröffnung ist am Freitag, 9. November, um 19 Uhr.

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