Job-Turbo in Kamp-Lintfort Die deutsche Sprache bei der Arbeit lernen

Kamp-Lintfort · Das Jobcenter Kreis Wesel und die Handwerksbäckerei Büsch gehen einen neuen Weg, um Flüchtlinge aus der Ukraine zu integrieren. So haben sechs Ukrainerinnen und Ukrainer in der Kamp-Lintforter Bäckerei eine berufliche Perspektive gefunden.

Die Bäckerei Büsch beschäftigt sechs ukrainische Mitarbeiter.

Die Bäckerei Büsch beschäftigt sechs ukrainische Mitarbeiter.

Foto: Jakob Klos

Ich komme sehr gerne hierher“, sagt Tatiana Shmanina auf Ukrainisch. Liudmyla Kovba übersetzte. „Ich freue mich auf die Arbeit und lerne nette Menschen kennen. Der Chef ist freundlich.“ Ihr Gesicht strahlt vor Glück, wenn sie diese Sätze sagt. Die Ukrainerin kam mit ihrer Tochter nach Deutschland, kurz nachdem der Krieg am 24. Februar 2022 in der Ukraine begonnen hatte. Seit Anfang Mai 2024 arbeitet die Agraringenieurin in der Veredelung der Handwerksbäckerei Büsch. Nebenbei lernt sie die deutsche Sprache. „Kochen und Backen waren immer meine Hobbys“, berichtet die 39 Jahre alte Moerserin.

Tatiana Shmanina ist eine von sechs Ukrainerinnen und Ukrainern, die eine berufliche Perspektive in der Handwerksbäckerei gefunden haben. Dabei gingen die Bäckerei und das Jobcenter mit diesem Projekt Wege in umgekehrter Richtung. „In 99 Prozent der Stellenangebote steht, Deutschkenntnisse seien Grundvoraussetzung“, berichtet Michael Müller als Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Wesel. „Deshalb heißt es, Flüchtlinge sollen zuerst die Integrationskurse besuchen und Deutsch lernen. Aber sie verlernen die Sprache wieder, wenn sie nicht sprechen. Bei diesem Projekt arbeiten sie und lernen die Sprache.“

So verbesserten alle sechs Ukrainerinnen und Ukrainer, die Anfang Mai starteten, schnell ihre Sprachkenntnisse. Einige sprechen mittlerweile fast akzentfrei Deutsch, wie Tetiana Tarasiuk. Die 44 Jahre alte Moerserin arbeitet in der Finanzbuchhaltung. „In der Ukraine habe ich auch in der Buchhaltung gearbeitet“, erzählt sie. Anders als Tatiana Shmanina, die suchte, bis sie in der Bäckerei ihre Aufgabe fand, entschied sie sich schnell. So war es auch bei Vitalyi Kuklinskii. Der 58 Jahre alte Alpener fand schon nach drei Tagen seinen Platz an der Brötchenstraße. In der Ukraine hatte er einen Sicherheitsservice geleitet.

„Wir erledigen alle Aufgaben selbst“, erläutert Geschäftsführer Norbert Büsch. „Deshalb können wir ganz unterschiedliche Stellenangebote machen, zum Beispiel in der Produktion, in der Verwaltung, im Fuhrpark, in der Reinigung oder in den Fachgeschäften. Deshalb haben wir sie wählen lassen, welche Tätigkeiten sie interessieren.“ Anfang April starteten sie mit einem Praktikum, einer sogenannten Maßnahme beim Arbeitgeber.

Bei einem Bewerbertag im Rahmen des Jobturbos hatte sich die Bäckerei vorgestellt. Mitarbeitende konnten von den Ukrainern kontaktiert werden. Während dieser vier Wochen war Liudmyla Kovba als Arbeitsvermittlerin für das Jobcenter in der Bäckerei Büsch anzutreffen. Als gebürtige Ukrainerin mit exzellenten Deutschkenntnissen begleitet sie das Projekt mit Rosa Miller-Dittrich und Ulrich Klein vom Arbeitgeberservice des Jobcenters Kamp-Lintfort.

„Die gemeinsamen Aktionen der Bäckerei Büsch, der Agentur für Arbeit Wesel und des Jobcenters Kreis Wesel sind ein gutes Beispiel für eine gelungene „Integration durch Arbeit“,“ stellt Michael Müller fest. Im Rahmen des bundesweiten Projektes Job-Turbo hätten Geflüchtete durch sofortigen Arbeitsmarktzugang in den Arbeitsmarkt integriert werden können, nachdem sie den Basis-Integrationssprachkurs besucht hätten. Weitere Deutschkenntnisse könnten in Job-Berufssprachkursen berufsbegleitend erworben werden.