Bürgermeister in Kamp-Lintfort sagt: „Ich bin stolz auf meine Stadt“

Neujahrsempfang in Kamp-Lintfort : Landscheidt: „Ich bin stolz auf meine Stadt“

Am Tag nach der Demo der Partei „Die Rechte“ gegen ihn begrüßte der Kamp-Lintforter Bürgermeister mehr als 450 Gäste auf dem Neujahrsempfang. Ob er 2020 wieder als Bürgermeister kandidiert, ließ er offen.

„Ich bin sehr stolz auf meine Stadt.“ Mit diesen Worten ließ Bürgermeister Christoph Landscheidt am Sonntag seine Neujahrsrede enden und zeigte sich in der Stadthalle „zutiefst beeindruckt“ von dem großen Engagement seiner Mitbürger. Etwa 1000 Kamp-Lintforter hatten am Samstag als Antwort auf eine von der Partei „Die Rechte“ angemeldete Demo gegen Christoph Landscheidt in einer sehr kurzfristig organisierten Kundgebung Flagge gegen Rechts gezeigt.

Das einzige, das gegen Hass, Hetze, den Verlust jeglichen Respekts gegenüber andere Menschen bis hin zur Bedrohung und Gewalt gegen Kommunalpolitiker helfe, sei „das Grandiose, das am Samstag in unserer Stadt passiert ist: das Zusammenstehen für die demokratische Sache“, sagte der Bürgermeister. Er gab sich am Sonntag betont gelassen, bezog aber auch Stellung dazu, warum er den großen Waffenschein beantragt hatte.

„Es ist schon ziemlich belastend, in den Weiten des Internets als kriminellster Bürgermeister Deutschlands massiv angefeindet und bedroht zu werden“, erklärte er. Der Bürgermeister hatte, wie bereits berichtet, im Frühjahr 2019 im Europawahlkampf rechtsradikale Plakate abhängen lassen. „Und werde deswegen auch noch von der Justiz des Landes wegen Sachbeschädigung und Wahlfälschung bis zum heutigen Tag verfolgt“, erläuterte Landscheidt und fügte hinzu: „Vielleicht war es auch mein juristisch-sportlicher Ehrgeiz, dann wenigstens von der Polizei des Landes bestätigt zu bekommen, dass ich ein ,erheblich gefährdeter Hoheitsträger’ bin. Nur im Waffenrecht gibt es nämlich diesen Begriff.“ Deshalb habe er es auch auf die gerichtliche Klärung ankommen lassen.

Am Sonntag wertete Christoph Landscheidt seinen Antrag auf einen Waffenschein, den die Partei „Die Rechte“ zum Anlass für ihre Demo genommen hatte, als Anekdote, die „in Wahrheit nur ein Nebenschauplatz ist, am Ende vielleicht auch eine notwendige Provokation“.

Er versicherte, dass er künftig nicht „aus Angst vor diesem rechten Mob bewaffnet durch die Straßen Kamp-Lintforts laufen“ werde. Nachdem fast 1000 Menschen auf dem Prinzenplatz 30 Rechtsradikale mit ihrer Kundgebung, ihrer Präsenz und ihren Argumenten verdrängt hätten, sei er sicher, von einem Waffenschein unter diesem Umständen keinen Gebrauch zu machen. Landscheidt bat seine Zuhörerschaft, sich bei der Kommunalwahl am 13. September für die demokratischen Parteien und ihre Vertreter im Stadtrat zu entscheiden. „Die manchmal berechtigte Kritik und meist maßlos übertriebene Verzweiflung an unserer Demokratie kann gar nicht so groß sein, dass man für eine originär faschistische Partei seine Stimme verschleudern müsste“, sagte er.

Mehr als 450 Zuhörer spendeten Bürgermeister Christoph Landscheidt am Sonntag stehenden Applaus. Foto: Norbert Prümen (nop)

In der Neujahrsrede ließ Christoph Landscheidt, der seit 20 Jahren in Kamp-Lintfort als Bürgermeister im Amt ist, eine Frage jedoch unbeantwortet: Wird er noch einmal für die SPD um das Bürgermeisteramt in der Kloster- und Hochschulstadt kandidieren? Die Antwort darauf wird er zuerst den Mitgliedern des SPD-Stadtverbandes am nächsten Donnerstag geben.