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Bürgermeister in Kamp-Lintfort, Rheinberg, Alpen und Rheurdt in Sorge um die Notfallversorgung.

Medizinische Versorgung in Kamp-Lintfort : Bürgermeister in Sorge um die Notfallversorgung in der Region

Die Bürgermeister in Kamp-Lintfort, Rheinberg, Alpen und Rheurdt fordern eine Notfallpraxis in Kamp-Lintfort. Am Dienstag, 3. März, 19 Uhr, findet zum Thema eine Podiumsdiskussion mit Medizinern und weiteren Experten statt.

Die Bürgermeister der Städte Kamp-Lintfort und Rheinberg sowie der Gemeinden Rheurdt und Alpen sind in großer Sorge um die medizinische Versorgung ihrer Bürger. Ab dem 1. April wird es für das Verbreitungsgebiet von Alpen bis Moers wohl nur noch eine zentrale Notfallpraxis geben. Sie wird am Bethanien-Krankenhaus angesiedelt und dann für rund 220.000 Menschen zuständig sein.

Dass dies nicht funktionieren werde, darin sind sich Christoph Landscheidt und seine Amtskollegen Thomas Ahls (Alpen), Frank Tatzel (Rheinberg) und Klaus Kleinenkuhnen (Rheurdt) einig. „Wir wollen, dass es weiterhin eine Notfallpraxis in unserer Region gibt, idealerweise am St.-Bernhard-Hospital in Kamp-Lintfort“, betonten sie am Donnerstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Das Krankenhaus wäre laut Geschäftsführer Josef Lübbers in der Lage, jederzeit eine so genannte Portalpraxis zu etablieren. Ein entsprechender Antrag liege der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) seit einigen Jahren vor.

Der Einfluss der Bürgermeister auf die von der KV getroffene Entscheidung ist aber gering: „Als Kommunen haben wir keine Entscheidungsbefugnisse in dieser Frage der Daseinsvorsorge.“ Deshalb wollen sie die Bürger informieren. Am Dienstag, 3. März, 19 Uhr, findet in der Stadthalle Kamp-Lintfort eine Podiumsdiskussion unter dem Thema „Notfallversorgung in Kamp-Lintfort, Alpen, Rheinberg und Rheurdt – droht der Kollaps?“ statt. Gleichzeitig informiert das St.-Bernhard-Krankenhaus über die Änderung der Notfallversorgung mit Plakaten und Comics. Die Entscheidung der KV, den ärztlichen Notdienst an einem Standort zu konzentrieren, können die Bürgermeister nicht nachvollziehen. „Schon gar nicht die Eile.“ Wie sie mitteilten, gibt es einen Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zur Reform der Notfallversorgung.

Der wurde erst im Januar in das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren eingebracht. „Es ist bemerkenswert, dass mit der KV eine berufständische Vereinigung mit der Umsetzung beauftragt ist“, erzürnte sich Christoph Landscheidt. Die Realisierung des Notfallzentrums werde ohne Not und Gesetzeskraft durchgezogen. Welche Auswirkung die Entscheidung für nur eine zentrale Notfallpraxis haben könne, erläuterte Lübbers. „Die Notaufnahme unseres Krankenhauses zählt schon heute 900 Patienten pro Monat, 30 am Tag, die eigentlich in die Notfallpraxis müssten.“ Er geht davon aus, dass die Zahl steigen wird, wenn die Notfallversorgung an nur einem Standort konzentriert sei.

„Der Rentner aus Alpen, der Hilfe benötigt, wird nachts nicht nach Moers fahren“, glaubt er. Das sieht auch Thomas Ahls so: „Die Bürger werden mit den Füßen abstimmen und die Krankenhäuser in der Nähe aufsuchen.“ Hinzu komme, so klagt Josef Lübbers, dass Krankenhäuser für jeden behandelten ambulanten Patienten künftig Strafzahlungen drohten. Die Podiumsdiskussion am 3. März startet um 19 Uhr.