Bürger in Kamp-Lintfort kämpfen weiter gegen Kiesabbau.

Kiesabbau in Kamp-Lintfort : Bürger kämpfen weiter gegen Kiesabbau

Die Interessengemeinschaft Dachsbruch gibt ihren Kampf gegen einen Kiesabbau im Wickrather Feld nicht verloren: Nach der Verabschiedung des Landesentwicklungsplans im Landtag setzt sie ihre Hoffnungen auch auf den RVR.

Der Landesentwicklungsplan (LEP) ist verabschiedet. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft Dachsbruch haben den Kampf gegen den Kiesabbau im Wickrather Feld verloren – nur vorerst, so hoffen sie. Die Enttäuschung, dass der LEP mit der schwarz-gelben Mehrheit im Landtag beschlossen wurde, steckt ihnen noch in den Knochen. „Wir hatten bis zum Schluss gehofft, dass es deutlich mehr einsichtige und innovativ denkende Politiker gibt, die über ihren Horizont hinaus schauen“, sagt Marion Kempken, Sprecherin der Interessengemeinschaft in Kamp-Lintfort. „Es war erschütternd“, so erinnert sie sich an die Plenarsitzung vor zwei Wochen in Düsseldorf, „wie all unsere Argumente gegen den Kiesabbau am Niederrhein ignoriert wurden: Klimawandel, Trink- und Grundwasser, Ressourcen-Endlichkeit und Landwirtschaft – all dies war am Ende kein Thema.“ Auch die Aktenordner mit 12.000 Unterschriften, die „an exponierter Stelle“ standen, seien von dem Gremium nicht zur Kenntnis genommen worden.

„Ich kam mir zuweilen vor, als befänden wir uns zur Zeit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert, als jede Entscheidung zugunsten der Industriebarone gefällt wurde. Unsere Rohstoffe sind aber endlich“, betont Kempken, die wie ihre Mitstreiter Theo Rams und Helmut Wiedemann die Plenarsitzung verfolgt hatte. Enttäuscht seien sie, erklären die drei IG-Mitglieder, von den niederrheinischen CDU-Abgeordneten. „Sie leben doch selbst hier und hatten es in der Hand, für ihre Heimat zu entscheiden.“ Den Kampf gegen den Kiesabbau am Niederrhein und vor ihrer Haustüre will die Interessengemeinschaft aber nicht aufgeben. „Wir unterstützen weiterhin den Niederrhein-Appell“, betont Theo Rams. Am Sonntag, 28. Juli, sind sie mit einem Stand auf dem Hofentdecker-Tag der Familie Anhamm in Kamp-Lintfort vertreten. Weitere Termine sind geplant.

Sie hoffen jetzt, dass der Regionalverband Ruhr (RVR) als ausführende Planungsbehörde eine Klage gegen den LEP erwägt. Anlass zur Hoffnung bietet ein Gutachten des Rechtswissenschaftlers Martin Kment. Er kam zu dem Ergebnis, dass der Landesentwicklungsplan in wesentlichen Punkten erhebliche Rechtsmängel aufweist – unter anderem, weil die Landesregierung nicht in eigener Verantwortung ermittelt habe, welchen „Bedarf“ sie sichern wolle (RP berichtete). „Die Menge ist der Knackpunkt. Die Landesregierung hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht und schiebt den Schwarzen Peter an den RVR weiter“, meint Helmut Wiedemann. Auch die Verlängerung des Versorgungszeitraums zur so genannten Bedarfssicherung auf 25 Jahre trage nicht dazu bei, dass künftig mehr nach alternativen Baustoffen gesucht würde. Einer Abgrabungskonferenz, die der RVR zum Ausgleich der Interessen von Städten, Bürgern und der Kiesindustrie im Kreis Wesel organisieren soll, stehen Kempken, Wiedemann und Rams skeptisch gegenüber: „So lange nicht geklärt ist, über welche Mengen wir reden, macht das keinen Sinn.“ SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider hat zu den Abgrabungskonferenzen eine Kleine Anfrage im Landtag gestellt. Er befürchtet, dass mit Beschluss des LEP auch der Regionalplan „alternativlos“ feststehe – vor dem Hintergrund, dass es im Kreis Wesel offenbar keine alternative Flächen mehr gibt, mit denen umstrittene Vorhaben wie das im Wickrather Feld getauscht werden könnten.

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